"The Brazz Brothers"-CD "Aquarium" erschien vor 10 Jahren

CD-Cover Aquarium von The Brazz Brothers - The Brazz Brothers
CD-Cover Aquarium von The Brazz Brothers - The Brazz Brothers
Immer noch hörenswert ist die Musik-Edition "aquarium" von „The Brazz Brothers" aus Norwegen: Musik, Esskultur und Naturschutz in einem.

Auf dem Cover der Compact-Disc schaut ein Fisch namens Korallenwächter feurig rot in die Sound-Amplituden der Blasmusiker. Nicht der Mutantenstadel spielt hier auf, sondern eine norwegische Brass-Band (englisch "the brass", das Blech, die Blechbläser) trumpft hier zünftig auf.

The Brazz Brothers stammen von der norwegischen Insel Sula

Die Formation „The Brazz-Brothers“ wurde 1981 – also vor 30 Jahren – von den Brüdern Jarle und Jan Magen Førde sowie Runar Tafjord gegründet. Die drei Freunde wuchsen auf der kleinen norwegischen Insel Sula quasi in der norwegischen Nordsee auf. Das erste Musikalbum nahm die Wortspielereien brass, brazz, breezy mit „Brazzy Landscapes“ auf.

Musik-Album „Aquarium“ mit Fischen aus der Nordsee

Das Album „Aquarium“ erschien 2001, also vor zehn Jahren. Neun der zehn Musiktracks tragen einen Namen nach einem Nordseebewohner, vorbereitet von dem ersten Track „Atmosphere“: Lithodes maja, (Nördliche Steinkrabbe), Pandalus borealis (Rosa Garnele), Lophius piscatorius (Anglerfisch), Raja dipturus batis (Blauer Rochen), Salmo salar (Lachs), Hippoglossus hippoglossus (Heilbutt), Scomber scombrus (Makrele), Pleuronectes platessa (Scholle) und Pollachius pollachius (Grüner Pollack, ein norwegischer Schellfisch).

Die Kompositionen stammen von Helge (Posaune) und Jan Magne Førde (Trompete und Flügelhorn). Weiterhin gehören zu dem Blechhaufen: Jarle Førde (Trompete), Runar Stein Erik (Tuba) und Tafjord (Waldhorn) und Marcus Lewin (Schlagzeug); norwegische Verwandtschaft- und Freundschaft eben. Die jazzenden Gebrüder hatte immer eine enge Bindung zur Natur und besonders zur Nordsee und Atlantik. Auf der CD ließen sie sich vom Meer und seinem Leben unter Wasser inspirieren.

Sozusagen biodiverse Musikstile finden sich in den Klängen. Der Titel „Makrele“ ist trefflicher Big-Band-Jazz – von nur sechs Musikern. Der „Lachs“ ist House-Music, nicht Hausmusik – und dennoch tanzbar. „Pink Shrimp“ erinnerte den Musikkritiker Harald Kepler an Klänge aus den südafrikanischen Townships. Das Zirpen sterbender Garnelen in den Netzen und an Oberdeck der Trawler hat schon Gitarrenlegende Leo Kottke 1974 auf seinem Album „Dreams and all that stuff“ onomatopoetisch, also lautmalerisch, in Noten und Tabulaturen gezupft.

Schutz der Nordsee mit Musik und norwegischer Kochkunst

Die Brazzer erfrischen mit ihrem Blech inzwischen weltweit zwischen Nordkap und Shanghai, von Australien bis in die Vereinigten Staaten von Amerika. Live auf Tournee und auf Tonträger präsentieren sie ausschließlich selbst komponierte und arrangierte Stücke. Auf der fischigen Platte „Aquarium“ empfehlen sie die Erfahrung mit ihrer Musik zu ergänzen mit einem Buch: „The Best of Norwegian Seafood“ von Lars Barmen, einem Koch, der für Norwegen das ist, was für‘s englischsprachige Fernsehen in Europa Jamie Oliver ist. Mit beiden Projekten wird der Schutz der Nordsee unterstützt.

Die nicht nur für norwegische Musiker überlebenswichtige Nordsee pfeift aus dem letzten Loch, um‘s blechbläserisch zu sagen. Ökologisch eine Katastrophe, unwirtschaftlich und aus politischer Sicht fragwürdig – so nennt der Fischereibiologe Dr. Rainer Froese vom Kieler Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins „Nature“ die europäische und deutsche Fischereipolitik der vergangenen Jahrzehnte. Bleibt zu hoffen, dass die Fischnamen nicht nur Musiktitel bleiben.

Gerhard Ott, Annegret Ott

Gerhard Ott - Ott, Gerhard Manchmal genutztes Pseudonym: Perdurus Eus *11. Febr. 1954 in Walsum am Niederrhein, Studium Erziehungswissenschaften ...

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