2005 überraschte Neil Marshall Horrorfans mit „The Descent“ und riss selbst so manche Filmkritiker zu Jubelstürmen hin: Der extrem spannende und atmosphärisch dichte Streifen geriet zum Blockbuster, weshalb eine Fortsetzung nur eine Frage der Zeit war. Vier Jahre später nahm „The Descent“-Cutter Jon Harris höchstpersönlich das Heft in die Hand und hetzte erneut blinde und ständig hungrige Albino-Kreaturen auf arglose Höhlenwanderer.
Was nach dem Schluss von „The Descent“ geschah
Von den sechs zu einer unterirdischen Abenteuertour aufgebrochenen Frauen kam nur Sarah (Shauna MacDonald) zurück. In kaum ansprechbarem Zustand wird sie ins Krankenhaus von Hyett County eingeliefert. Der bärbeißige Sheriff Vaines (Gavan O‘Herlihy) lässt sich davon jedoch nicht entmutigen und möchte die fünf Vermissten um jeden Preis retten. Insgeheim halten er und Deputy Rios (Krysten Cummings) Sarah für die Verantwortliche des Verschwindens der jungen Frauen.
Eine Erkundungstour soll Klarheit schaffen, ob zumindest einige der Abgängigen noch leben. Kurzerhand versammelt Vaines ein kleines Rettungsteam um sich und schleift die sichtlich traumatisierte Sarah entgegen jeglicher Vernunft mit nach unten. Ein schwerer Fehler, denn schon bald erweist sich Sarahs Unschuld auf drastische Weise: Die Mitglieder des Rettungsteams werden von den unerbittlichen Fleischfressern der Unterwelt dezimiert …
„The Descent 2“ erweist sich als ansehnliche Fortsetzung
Wer sich von Sequels im Allgemeinen wenig Positives erwartet und nach dem Ausstieg von Neil Marshall – er produzierte stattdessen den Flop „Doomsday“ – das Schlimmste befürchtet hatte, kann aufatmen. „The Descent 2“ reicht zwar nicht an das Original heran, bietet aber solide und weitgehend schmerzfreie Unterhaltung. Beileibe keine Selbstverständlichkeit, wie beispielsweise „Wrong Turn 3“ zuletzt eindrucksvoll bewies.
Natürlich kann Regiedebütant Jon Harris nicht mehr auf jenen Überraschungseffekt zurückgreifen, der „The Descent“ sowohl in den Kinos, als auch auf DVD zum Blockbuster avancieren ließ. Wer Marshalls Originalfilm kennt, fühlt sich im Sequel bereits nach wenigen Minuten wie zu Hause. Dennoch tappt Harris nicht in die Falle, lediglich einen leicht modifizierten Aufguss zu präsentieren. Neben Altvertrautem wie den blinden, nach Fleisch gierenden Kreaturen oder handwerklich tadellosen Splatterszenen bietet „The Descent 2“ durchaus Raum für interessante Wendungen und originelle Ideen.
Alpträume für Klaustrophobiker
Vor allem Klaustrophobiker kommen erneut voll auf ihre Kosten: Enge Stollen, dunkle Höhlengänge, unter eingestürzten Felsen gefangene Protagonisten – all dies sollte genug Stoff für Alpträume geben!
Während es in puncto Optik, Setdesign oder Tricktechnik nichts zu bemängeln gibt, vermisst man die im Original feiner gelungene Charakterisierung, die das Mitleiden mit den Protagonisten erleichterte. „The Descent 2“ legt etwas zu wenig Wert auf seine Charaktere, was auf Grund des angeschlagenen Tempos geschickt kaschiert wird, jedoch nicht gänzlich unter den Teppich gekehrt werden kann. Ebenso wenig wie ein völlig abstruser Plot-Kniff im letzten Filmdrittel, der den Zuschauer kurzzeitig vom Geschehen ablenkt und den Erzählfluss des spannenden Streifens unterbricht.
Dennoch: Wer „The Descent“ liebte, kann mit der Fortsetzung zufrieden sein. Einen erheblichen Teil zur Qualität des Filmes trägt einmal mehr der von David Julyan komponierte Soundtrack bei. Er liefert die akustische Untermalung der atmosphärisch enorm dichten Bilder. Abgerundet wird der durchaus ansprechende zweite Teil von einem Schluss, der erneut für Diskussionen sorgen wird. Ob man den „Twist“ wunderbar fies oder platt findet, hängt natürlich vom Geschmack ab. Und über diesen lässt sich gerade im Horrorgenre nur selten streiten.
Fazit: Für Horrorfans stellt „The Descent 2“ einen Pflichtfilm dar. Furchtsame Gemüter seien vor den teil drastischen Szenen gewarnt.
Originaltitel: „The Descent: Part 2“
Regie: Jon Harris
Produktionsland und -jahr: GB, 2009
Filmlänge: ca. 95 Minuten
Verleih: Universum
DVD-Veröffentlichung: 21.04.2010
