
- The Fighter: Dicky (Christian Bale) im Gefängnis - Senator Film
Mit Fighter ist nicht einfach nur ein (Box-)Kämpfer gemeint, sondern auch einer, der sich durchbeißt, sich durchkämpft durchs Leben. Dicky Eklund, der ältere Halbbruder von Micky Ward (in The Fighter wird er von Mark Wahlberg verkörpert) ist solch ein Fighter: eine Mischung aus liebenswertem Charme, verantwortungslosem In-den-Tag-leben, hingebungsvoller Mutterliebe und unbedingter Loyalität zu seiner Familie, ganz besonders aber zu seinem Bruder. Ein Hallodri, einer, der sich sein Leben eingerichtet hat irgendwo am Rande und zugleich inmitten der Gesellschaft von Lowell, dem Städtchen und Mikrokosmos im Film The Fighter, der am 7. April 2011 in den deutschen Kinos startet und das Leben der beiden Boxer dramatisiert.
Dicky Eklund in The Fighter: facettenreiches Schlitzohr
Die Wangen eingefallen, hagere Figur, schütteres Haar, vom Crackrauchen glanzlose Augen, kaputtes Gebiss – nein, Dicky ist keiner, dem man sein Geld anvertrauen würde. Aber dann gerät dieser Typ in Bewegung, lächelt und tanzt vor einem wie im Sparring! Lässt vergessen, dass hier eine halbseidene Figur vor einem steht, erweckt sogar ein wenig Mitleid, er, der es nie richtig geschafft hat, auch wenn er mal einen Box-Champ auf die Bretter geschickt hat (und von dieser Erinnerung bis in die Gegenwart zehrt); man lässt sich einwickeln von ihm, der mit einem Bein ständig im Gefängnis steht und im Zweifel nur eines kennt: seinen eigenen Vorteil. Wahlberg und Regisseur David O. Russell erinnern sich an die Suche nach einem Schauspieler, der diesen Typ würde verkörpern können.
Ein Leben voller (Rück-)Schläge: Christian Bale als Dicky Eklund
Russell und Wahlberg war klar: Es würde einen Schauspieler von ungewöhnlichem Format brauchen, um die schwierige, facettenreiche Figur des Dicky zu meistern. Irgendwann kam das Gespräch auf Christian Bale (The Dark Knight, 2008), der berühmt ist für seine Darstellung komplexer, intensiver Rollen.
„Ich wusste“, sagt Wahlberg, „dass Christian fantastisch sein würde, denn ich hatte auf der Leinwand schon einige unglaubliche körperliche wie emotionale Verwandlungen von ihm gesehen.“ Der Regisseur stimmt zu: „Christian war die perfekte Wahl! Fähig, sich immer und immer wieder zu verändern. Ein Chamäleon. Er verbrachte sehr viel Zeit mit dem echten Dicky Eklund und wurde schließlich ganz und gar zu diesem Menschen.“
„Christian warf einen kurzen Blick auf den Stoff und war sofort begeistert“, erinnert sich Produzent David Hoberman „Es stand außer Frage, dass es ein hartes Stück Arbeit sein würde, Dickys Lebensweg mit allen Aufs und Abs darzustellen. Aber dazu war Christian von Anfang an bereit.“
Der echte Dicky war ein hartnäckiger Boxer voll strategischen Könnens und beeindruckender Schnelligkeit gewesen; geschätzt wegen seines Charmes, seiner Freundlichkeit und seines Humors – und der abgerutscht war. Ein Kreislauf aus Gewalt und Drogensucht hatte ihm eine Verurteilung zu zehn bis 15 Jahren Gefängnis eingebracht. Nicht nur die Produzenten, auch die lebensechten Vorbilder waren mit der Wahl des Schauspielers sehr zufrieden. „Dicky war glücklich, als Christian mit an Bord kam“, erinnert sich Micky Ward. „Wer Dicky kennen lernt und Christian im Film sieht, meint, es ist ein und dieselbe Person. Erstaunlich, wie perfekt er ihn verkörpert.“
Christian Bale: Bewunderung für den Menschen Dicky Eklund
Doch selbst für einen Schauspieler vom Format eines Christian Bale stellte Eklunds Persönlichkeit eine Herausforderung dar. Bale war sich der Zerissenheit des Ex-Boxers, dessen Charmes und seiner inneren Dämonen bewusst: „Dicky ist ein bemerkenswerter Mensch“, sagt der Schauspieler. „Ich bin sehr froh, ihn kennen gelernt zu haben. Er war – ohne sich darüber immer im klaren zu sein – enorm talentiert und zugleich ein Mann der Extreme. Höhen und Tiefen wechselten sich bei ihm immer ab. Er konnte problemlos die ganze Nacht zechen und stand trotzdem am nächsten Morgen im Ring. Mit der Zeit hinterlässt so etwas natürlich Spuren, es wurde für ihn zusehends schwerer, sein Potential auszunutzen. Er hätte ein echter Sieger werden können. Er hat es in gewissem Sinne nicht geschafft, aber er bewahrte sich sein großes Herz.“
Gefühle lassen sich spielen – Boxen braucht Muskeln – Muskeln brauchen Training
Über 15 Kilo nahm Bale ab, um sich der drahtigen, von der harten Realität gezeichneten Gestalt Dickys anzugleichen. Ein intensives Boxtraining wie bei Wahlberg begann auch für Bale. Dicky brachte ihm die speziellen Bewegungen bei. „Im Ring ist es entscheidend, dass man ganz ruhig wird und seinen Puls runterschraubt“, sagt Bale. „Man will verhindern, dass einen die animalischen Instinkte übermannen, sobald man angegriffen wird. Das muss man erst einmal lernen, aber sobald man im Training ist, wird man ziemlich schnell süchtig nach dieser Erfahrung.“
Bale verbrachte immer mehr Zeit mit Dicky, je mehr er sich körperlich wie emotional auf die Rolle einließ: „Anfangs hatte ich die Sorge, es könnte ihm am Set zu viel werden, aber das Gegenteil war der Fall. Ich würde es nicht aushalten, still daneben zu stehen und zuzusehen, wie ein Schauspieler in meine Haut schlüpft. Aber Dicky hatte damit kein Problem, weil er mir in meiner Darstellung voll vertraute.“
Alle am Set waren beeindruckt von der Art und Weise, wie Bale seine Figur und auch die Beziehung zu Wahlberg zum Leben erweckte. Todd Lieberman, der Produzent, erzählt: „Christian beherrschte Dickys Bewegungen und seinen Sprachrhythmus, während gleichzeitig das Verhältnis zwischen ihm und Mark dem von Dicky und Micky im wahren Leben nicht unähnlich war. Es war wirklich bewegend mitzuerleben, wie er diesen Mann mit all seinen Fehlern verkörpert, der sein Leben eigentlich an die Drogen verschwendet, aber schließlich doch noch erkennt, dass die Beziehung zu seinem Bruder wichtiger und größer ist als seine eigenen Ziele.“
Regisseur Russell wollte bei aller Fixierung auf die Achse Bale — Eklund die Bedeutung herausarbeiten, die Dicky in Lowell besaß. Jeder kannte und bewunderte ihn – oder machte sich Sorgen um ihn. Ein Aspekt der Rolle, den Bale auf Anhieb begriff, wie der Regisseur meint: „Christian ist eigentlich ein sehr ruhiger Typ, aber als Dicky wurde er sofort zu diesem lebhaften, extravertierten Kerl, der überall mit den Menschen ins Gespräch kam. Dicky ist ja quasi der heimliche Bürgermeister von Lowell. Es war spannend mitzuerleben, wie Christian sich in diesen Mann verwandelte.“ Der Lohn für die fulminante und zugleich zu Herzen gehende Darstellung des Boxers Dicky Eklund im Film The Fighter: Christian Bale erhielt den Oscar 2011 für die beste Nebenrolle!
Quelle:
Ronald B. Tobias: »20 Masterplots. Woraus Geschichten gemacht sind«. Gebunden, Verlag 2001. ISBN: 3-86150-302-6
Die Äußerungen der Schauspieler und Produzenten wurden zur Verfügung gestellt von Senator-Film
