
- Rick Riordan: The Red Pyramid - Juliane Günzel
Rick Riordan, der ehemalige Lehrer für Englisch und Geschichte, beweist erneut sein Talent als Jugendbuchautor mit dem Beginn einer humorvollen, atemberaubenden Buchserie: „The Kane Cronicles: Red Pyramid“. Zur Abwechslung handelt diese Geschichte nicht von griechischen Göttern - sondern von ägyptischen. Wer die Buchreihe um Percy Jackson mochte, der wird auch von dieser Serie begeistert sein.
Das ungleiche Geschwisterpaar Sadie und Carter Kane
Die beiden Hauptcharaktere, aus deren Sicht abwechselnd erzählt wird, sind die Geschwister Sadie und Carter Kane. Carter wächst seit dem Tod der Mutter bei seinem Vater auf, der als Archäologe um die ganze Welt reist, weshalb Carter so etwas wie ein Zuhause nicht kennt. Sein Leben spielt sich in Museen, Ausgrabungsstätten und auf Flughäfen ab. Noch nie hat Carter eine Schule betreten, geschweige denn, sich lang genug an einem Ort befunden, um Freundschaften zu schließen. Alles was er hat, ist sein Vater, dem er brav aufs Wort gehorcht und mit an Anbetung grenzender Treue folgt.
Ganz im Gegenteil zu seiner aufrührerischen Schwester Sadie, die bei den mütterlichen Großeltern in London aufwächst, wo sie sich mit gefärbten Haaren und Springerstiefeln gern als Rebellin gibt. Mit einem frechen Mundwerk, dessen Wortschatz von Widerworten nur so überquillt, stürzt sie sich in jedes sich bietende Abenteuer. Zweimal im Jahr ist Besuchstag für Bruder und Vater und es wundert nicht, dass wenig Begeisterung aufkommt, als ihr Vater sie ausgerechnet ins Britische Museum in London entführt.
Auf einen Schlag steht die Welt Kopf
Und das nicht nur im übertragenen Sinn, denn als ihr Vater mit einer seltsamen Formel den Rosetta Stein zerstört, mit dessen Hilfe zum ersten Mal Hieroglyphen aus dem Land der Pharaonen übersetzt werden konnten, steht ihnen ein Gott gegenüber – und ein ziemlich bösartiger noch dazu. Dabei soll es so etwas wie Götter doch nur in den alten ägyptischen Legenden gegeben haben, oder? Sadie und Carter müssen bald erfahren, dass die alten Götter sehr wohl real sind. Real und äußerst gefährlich.
Doch zunächst treffen die Geschwister ein altes, fast vergessenes Familienmitglied wieder, ihren Onkel Amos. Dieser nimmt sie mit nach New York in die Familienvilla, von der weder Carter, noch Sadie je etwas gehört haben. Dort offenbart er den Zweien, dass sie zu einer sehr alten Familie von Magiern gehören, einer Familie mit äußerst ausgeprägten magischen Fähigkeiten. Ganz nebenbei kann das Schicksal ihres entführten Vaters und das der ganzen Welt von ihnen abhängen.
Die Welt der ägyptischen Götter
Wer bei diesem Buch einen billigen Abklatsch der Percy-Jackson-Bücher mit ägyptischen statt griechischen Göttern erwartet, der irrt sich. Zwar werden Carter und Sadie ähnlich wie Percy in eine Welt voller Magie und Monster hineingezogen, doch die ägyptischen Götter haben keine Kinder mit Normalsterblichen und trotzdem sind sie diesen in vieler Hinsicht näher, als ihre griechischen Verwandten. Fast schon zu nah für Sadie und Carter.
Mit sicherer Feder führt Rick Riordan den Leser durch das vielfältige Abenteuer der Kane-Familie, während dessen ihnen zahlreiche, höchst unterschiedliche Wesen und bösartige Kreaturen begegnen. Einzig die ständig wechselnde Sichtweise zwischen Carter und Sadie kann gelegentlich zu Verwirrungen führen, die der witzigen Geschichte jedoch keinen Abbruch tun. Die Spannung bleibt bis zur letzten Seite erhalten. Es ist kaum zu unterscheiden, wer Freund und wer Feind ist, so dass die Geschwister nur auf sich vertrauen können – was eine für sie völlig fremdartige Situation darstellt und für den Leser jede Menge Spaß bedeutet und natürlich die Vorfreude auf den am 03.Mai 2011 erscheinenden zweiten Band erhöht.
Anmerkung: Diese Rezension bezieht sich auf die amerikanische Ausgabe des Buches.
Rick Riordan: The Red Pyramid. Disney Hyperion 2010. Gebunden, 514 Seiten. Euro 12,95
