Auf The Kills ist Verlass: Nach dem Ende der White Stripes sind sie eines der letzten wirklich aufregenden Power-Duos des Rock’n’Roll. Ihre Visitenkarte sind ihr einzigartiger Sound, die reduzierten Arrangements, der maschinenartige Rhythmus und die ausgefransten Ecken und Kanten. Das neue Album „Blood Pressures“ erscheint am 4. April 2011 bei Domino Records und klingt etwas glatter als die Vorgänger. Trotzdem sind 42 Minuten Rock- und Road-Trip garantiert.

The Kills „Satellite“: Western-Feeling und Schunkelrhythmus

Der Opener „Future starts slow“ klingt um einiges gezähmter und geordneter als beispielsweise noch der Indie-Hit „U.R.A. Fever“ vom vorigen Album „Midnight Boom“ (2008). Die Sounds sind klarer, geschliffener. Aber keine Angst: Die Single „Satellite“ bietet alles, was sich der Kills-Fan wünscht: Eine einsame, verzerrte, zu-cool-um-wahr-zu-sein-Gitarre, entspannten Schunkelrhythmus, eine schöne Melodie, die auch als Western-Soundtrack funktionieren würde. Dazu gibt’s ein Video im Roadmovie-Stil. Wie bei allen Kills-Songs gilt auch hier: unbedingt öfter anhören, Suchtfaktor garantiert.

The Kills „Blood Pressures“ Stream und Gratis Download

„DNA“ ist ein solider Rocksong mit Single-Qualitäten, und Mosshart mimt hier die verruchte, gefährliche Rock-Schamanin. Den Song gibt’s auf der Webseite der Kills gratis zum Runterladen, gegen die Angabe einer Mailadresse. Dort kann man auch das gesamte Album im Stream anhören. „Heart is a beating Drum“ nimmt den Titel wörtlich („Herz ist eine schlagende Trommel“): Das Schlagzeug klingt tatsächlich wie ein aus dem Takt geratener Herzschlag. Der Song illustriert sehr schön eines der Markenzeichen der Kills: die ausgefeilte Rhythmik und die Vielfalt an Percussion, inklusive Händeklatschen. Deshalb sind die Songs der Kills auch beim x-ten Male Anhören noch interessant – man entdeckt immer wieder einen versteckten Kniff oder eine besonders gefinkelte Wendung.

„Nail in my Coffin“ erinnert daran, dass Sängerin Alison Mosshart eine großartige Stimme hat und eigentlich auch Popsongs singen könnte. Gottseidank tut sie das nicht, sondern singt außer bei den Kills auch noch in Jack Whites Band The Dead Weather.

Pianoballaden und eine Dampflokomotive auf der Rockschiene

„Baby Says“ klingt etwas sentimental für die Kills, hat aber schöne Gitarrensounds. „Wild Charms“ ist eine kleine, feine Song-Miniatur und überrascht mit einem hübschen Piano und mit zerbrechlichem Leadgesang von Jamie Hince. Auch „The Last Goodbye“ ist eine Pianoballade, im Dreivierteltakt und mit Mossharts verrauchter Stimme. Dass die Kills schöne Balladen schreiben können, bewiesen sie unter anderem auch schon auf „Midnight Boom“ („Goodnight Bad Morning“ und „Black Balloon“). Ja, es klingt ein bisschen schnulzig, aber es folgen „Damned if she do“ und „You don’t own the Road“, die uns wieder auf die Rockschiene zurückbringen.

„Pots and Pans“ ist einer von diesen typischen Kills-Stampfern und rollt wie eine alte Dampflokomotive vorwärts (wahrscheinlich gen Westen). Was für ein Roadtrip: Ein würdiger Abschluss für ein würdiges Album.