Natürlich ist es keine verblüffend neue Erkenntnis, Hollywood erschreckende Ideenlosigkeit zu attestieren. Zwar spielen Horrorfilme nach wie vor Unmengen an den Kinokassen beziehungsweise dank DVD-Verkäufen ein. Doch das Genre steckt in einer hartnäckigen Identitätskrise, in der es sich offensichtlich wohl fühlt. Anders sind seelenlose Remakes wie "The Last House On The Left" nicht mehr zu erklären.
Motel statt „Hostel“
Das Ehepaar Emma (Monica Potter, genregeprüft durch „Saw“ und „Im Netz der Spinne“) und John (Tony Goldwyn) Collingwood freut sich auf ruhige Tage im abgelegenen Zweitwohnsitz. Indes hat Teenie-Tochter Mari (Sara Paxton) besseres im Sinn, als sich im Wald zu langweilen: Sie fährt in die Stadt, wo sie sich mit Freundin Paige (Martha MacIsaac) trifft.
Die beiden hübschen Teenager machen die Bekanntschaft mit dem schüchternen Justin (Spencer Treat Clark), der ihnen Haschisch anbietet. Nach kurzem Zögern willigen die Mädchen ein. Die anfänglich ausgelassene Stimmung in Justins Motelzimmer schlägt blitzschnell ins Gegenteil um, als Justins Vater Krug (Garret Dillahunt) mit seinem Bruder uns seiner Freundin plötzlich im Raum steht. Mit Grauen müssen die Teenager erkennen, dass es sich bei den Dreien um völlig gewissenlose Gewaltverbrecher handelt, die auch vor Folter und Mord nicht zurückschrecken …
Flache Charaktere in Dennis Iliadis’ Remake
Auch wenn bei den meisten Horrorfilmen Charakterisierung wahrlich nicht im Vordergrund steht, fällt jene in „The Last House On The Left“ erschreckend schwach aus. Wie in klischeehaften Kindergeschichten erkennt man die „Guten“ daran, dass sie freundlich, hilfsbereit und attraktiv sind sowie saubere Kleidung tragen, während die „Bösen“ zerschlissene Kleidung tragen, eher unterdurchschnittlichen Aussehens und ungepflegt sind, und auch entsprechende Eigenschaften an den Tag legen.
Plot spannungs- und überraschungsfrei
Die Handlung selbst ist genau so altbacken: Verbrecher locken gutmütige Menschen in die Falle, die sich daraufhin gegen deren Angriffe wehren müssen. Der extrem simple und garantiert überraschungsfreie Plot erzeugt an keiner Stelle auch nur annähernd etwas Spannung.
Der Zuschauer als Voyeur?
Deshalb verwundert es auch nicht, wenn weniger über den Film, als vielmehr über eine bestimmte Szene heftig debattiert wurde. Darin wird die Vergewaltigung einer der Protagonistinnen in aller Ausführlichkeit und Härte bebildert. Der einzige „Sinn“ dieser Szene besteht vermutlich im Versuch einer händeringend versuchten Provokation.
Tatsächlich ging die Rechnung auf und manche Kritiker stießen sich bei „The Last House On The Left“ an der Vergewaltigungssequenz, die den Zuschauer zum lüsternen Voyeur mache, statt den Film als das zu betrachten, was er letzten Endes ist: Eine stumpfe Aneinanderreihung zigfach gesehener Klischees, die auch durch den massiven Einsatz von Blut nicht an Originalität gewinnen.
Co-Produzent Wes Craven
Es erscheint als kluger Schachzug der Horror-Ikone Wes Craven, das eigene Remake lediglich mitzuproduzieren und der Versuchung zu widerstehen, im Regiestuhl Platz zu nehmen. Diese Rolle überließ er dem bis dato fast gänzlich unbeschriebenen Blatt Dennis Iliadis.
Dennoch ist unverständlich, weshalb Splatter-Veteran Craven einen seiner bekanntesten Filme sehenden Auges gegen die Wand fahren ließ. Der aus Ohio stammende ehemalige Lehrer bescherte einerseits dem Genre Perlen wie „Scream“, „The Hills Have Eyes“ oder „A Nightmare On Elmstreet“, lieferte andererseits als Regisseur zuletzt jedoch eher mittelmäßige Filme wie „Red Eye“ ab. „The Last House On The Left“ stellt jedenfalls einen neuen Tiefpunkt seiner Karriere dar
Wie man modernen, anspruchsvollen Horror gestaltet, führt etwa „Martyrs“ eindrucksvoll vor. Als Genrefan sollte man sich besser an diesem herausragenden Beitrag aus Frankreich delektieren und „The Last House On The Left“ links liegen lassen.
Originaltitel: „The Last House On The Left“
Regie: Dennis Iliadis
Produktionsland und -jahr: USA 2009
Filmlänge: ca. 110 Minuten
Verleih: Universal
Deutscher Kinostart: 14.05.2009
