
- The Messenger: Woody Harrelson & Ben Foster - Senator Film
"The Messenger" ist ein ungewöhnlicher Kriegsfilm. Wie viele andere Filme zeigt er, was der Krieg Menschen antun kann, doch tut er dies nicht aus der Perspektive kämpfender und fallender Soldaten, sondern er widmet sich ganz der Sicht der Heimgekehrten und Daheimgebliebenen, der Angehörigen.
"The Messenger": Ben Foster und Woody Harrelson als Botschafter des Todes
Staff Sergeant Will Montgomery (Ben Foster), gerade als Held aus dem Irak heimgekehrt, allerdings mit Verletzungen an Auge und Bein, wird dazu beordert, den älteren Captain Tony Stone (Woody Harrelson) dabei zu unterstützen, Angehörige vom Tod eines gefallenen Sohnes oder Ehemannes in Kenntnis zu setzen. Natürlich stellt er sich widerwillig und im Glauben seiner eigenen Unfähigkeit dieser Aufgabe, die noch dadurch erschwert wird, dass sich sein Vorgesetzter Stone als abgestumpfter Zyniker zeigt, der sich strikt an die Regeln des Handbuchs zur Überbringung der schlechten Nachrichten hält und Will streng rügt, sobald er sich Freiheiten herausnimmt – selbst wenn es sich nur um eine tröstende Berührung handelt.
Daneben hat der als Kriegsheld titulierte Will mit eigenen Traumata zu kämpfen, einer Schuld, die er im Krieg auf sich lud, dem Verlust seiner Ex-Freundin (Jena Malone), die ihm zwar Heimkehrersex gönnt, sich dann aber mit einem anderen verlobt und schließlich mit dem immer anhänglicher werdenden Tony, der ihm so manche fragwürdige Lebensweisheit auf den Weg gibt, jungen Kellnerinnen nachsteigt, dessen Leben sich aber zunehmend auch als Trümmerhaufen herausstellt.
Der Kampf eines Kriegsheimkehrers mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft
Mit vielem hat Will zu kämpfen – seiner Schuld, der Einsamkeit, unterdrückten Aggressionen, der fehlenden Zukunftsperspektive – da scheint es schlicht zu viel, dass er sich auch noch mit der Trauer der Angehörigen, deren Leben sich von einer Sekunde auf die nächste grausam ändert, und der Schuld des amerikanischen Staats, der seine Bürger an einem fernen Ort opfert, beladen muss. In nur einer Sekunde zerbricht ein Leben und Will muss dies nicht nur miterleben, sondern trägt als Überbringer der Nachricht auch mit Schuld. Jedes Mal ringt er daher um Fassung, wenn wieder ein Vater oder eine junge Ehefrau vor seinen Augen zusammenbricht. Ben Fosters ganze Gestalt windet sich dann innerlich, sein Gesicht zuckt leicht, er möchte helfen, kann und darf jedoch nicht. Er muss sich an das Protokoll halten und möchte doch am liebsten fliehen, vor allem wenn Trauer plötzlich in Wut auf das gesamte Militär umschlägt, die sich zwangsläufig gegen Will und Tony richten muss. Sehr beeindruckend verkörpert Ben Foster den Zwiespalt dieser aufreibenden Momente.
Dennoch beginnt sich Will allmählich von der Vergangenheit zu lösen. Er nähert sich Tony an, findet in ihm eine Aufgabe und einen Kameraden und bandelt zaghaft mit einer jungen Mutter (Samantha Morton) an, der er vom Tod ihres Mannes berichten musste, die aber überraschend gefasst reagierte und selbst mit einer gewissen Schuld ringt.
"The Messenger": Gratwanderung zwischen Kritik, Respekt und Mitgefühl
Regisseur Oren Moverman ist mit seinem Debüt "The Messenger" ein ganz persönlicher Kriegsfilm gelungen, der eindringlich aufzeigt, wie große Entscheidungen des Staates das kleine Leben des Einzelnen verändern, prägen, ja zerstören können. Wie schnell sich ein Leben verändern kann, sieht man immer wieder beeindruckend in den Gesichtern der Angehörigen, die entweder naiv und nichtsahnend die beiden Soldaten erst gut gelaunt in ihr Haus lassen, bevor sie die grausame Nachricht erfahren oder bereits beim Anblick der mit geleckter Uniform Bekleideten den Grund des Besuchs ahnen und sie teils aggressiv beschimpfen. Ihre schlimmsten Befürchtungen werden wahr und das zeigt sich in ihrem Gebahren.
Bei aller Wut und Trauer um die Toten gelingt dem Film dabei aber eine erstaunliche Gratwanderung zwischen Kritik an Krieg und Militär (vor allem ihrem statischen Umgang mit der Trauer der Zurückgebliebenen) und großem Respekt für die dienenden Soldaten. Er erzählt dabei keine große Geschichte, es geschieht eigentlich nur wenig während der 105 Minuten von "The Messenger", doch ist die Handlung vielmehr ins Innere verlegt. Ganz subtil finden zaghafte Veränderungen in Will statt: allmählich lässt er sich auf seine neue schwierige Aufgabe ein, öffnet sich einer neuen Beziehung und seinem schrulligen Vorgesetzten. Er übernimmt Verantwortung und findet ins Leben zurück. Das mag in manchen Szenen etwas abgedroschen erscheinen, doch ist es in den Kontext gebettet durchaus authentisch.
"The Messenger" bietet überzeugende, vielseitige Darsteller
Ganz wunderbar und faszinierend sind dabei die so disparaten und doch sehr harmonierenden Hauptdarsteller Woody Harrelson ("Natural Born Killers", "Zombieland") und Ben Foster ("Alpha Dog", "Todeszug nach Yuma"). Ben Foster stellt ein schon in früheren Rollen angedeutetes kunstvoll-breites Spektrum an Emotionen dar, verkörpert Wut, Sehnsucht und Unsicherheit gleichermaßen inbrünstig und eindringlich glaubwürdig. Und Woody Harrelson zeigt sich in so manchen Szenen erstaunlich zurückhaltend und menschlich, während er in anderen Momenten seine ganze auslandende Schrulligkeit zelebrieren kann.
Vielschichtig und zwiespältig zeigen sich Woody Harrelson und Ben Foster in einem Film, der selbst vielschichtig und von Zwiespalt geprägt ist, der Traurigkeit und Hoffnung gleichermaßen vermittelt und der einem gesichtslosen Krieg ein ganz persönliches, individuelles Antlitz verleiht. Politische Aussagen bleiben dabei zwar vollständig außen vor, doch lässt dies die Situation nur zeitloser erscheinen. "The Messenger" lässt Krieg und das Leid, das er mit sich bringt, mit neuen Augen sehen.
Preise und Auszeichnungen für "The Messenger"
Neben zahlreichen anderen Nominierungen bei Festivals erhielt "The Messenger" auch zwei Oscarnominierungen: für den besten Nebendarsteller Woody Harrelson und das beste Original-Drehbuch. Woody Harrelson gewann schließlich als bester Nebendarsteller bei den Independent Spirit Awards und bei der National Board of Review. Ein ganz besonderer Preis wurde dem Film bei der Berlinale 2009 zuerkannt: der von Friedensgruppen gestiftete Friedensfilmpreis für Filme, die ihre ästhetischen Mittel "in besonderer Weise in den Dienst des friedlichen Miteinanders und des sozialen Engagements" stellen. Außerdem erhielt "The Messenger" in Berlin den Silbernen Bären für das beste Drehbuch. Ben Foster nahm diesen Preis entgegen.
Originaltitel: "The Messenger“
Regie: Oren Moverman
Produktionsland und -jahr: USA 2009
Filmlänge: ca. 105 Minuten
Verleih: Senator Film
Darsteller: Ben Foster, Woody Harrelson, Jena Malone, Samantha Morton, Eamonn Walker
