Die Studierenden des Erweiterungsfaches an der PH Ludwigsburg sammelten innerhalb eines halben Jahres Material, das die Bedeutung von Theaterarbeit an den Schulen stärker ins Bewusstsein der Bildungsträger rücken sollte. Die intensive Theaterarbeit, die auf Gabriele Czernys Konzept SAFARI basiert, veränderte junge Menschen einer Hauptschule grundlegend. Die Sozialkompetenz der Hauptschüler wurde wesentlich gestärkt.
Diese Entwicklung wurde anhand verschiedener wissenschaftlicher Verfahren dokumentiert. Qualitative und quantitative Interviews, aber auch Videoaufnahmen während der einzelnen Unterrichtsblöcke veranschaulichen, wie die Schüler selbstbewusster auftreten. Ihre Körperhaltung verändert sich, ihre Sprache, auch der Respekt gegenüber den anderen. Dies förderte vor allem die Teamfähigkeit der Gruppe insgesamt. Zudem fördert die Theaterarbeit Kreativität, flexibles Denken und Kommunikationsfähigkeit. Genau jene „Soft Skills“, die mittlerweile in fast jeder Stellenanzeige Raum einnehmen.
Voraussetzungen für erfolgreiche Theaterarbeit
Die wichtigste Voraussetzung für gelungene Theaterarbeit ist die Zusammenarbeit im Team. Es muss absolutes Vertrauen aufgebaut werden. Keiner darf ausgelacht oder beleidigt werden, wenn er etwas nicht gleich hinkriegt. Alle müssen sich auf den Prozess einlassen, da schon ein einzelner die Atmosphäre zerstören kann, in der man sich einfach einmal ausprobieren kann, ohne gleich Angst haben zu müssen, dass man sich blamiert. In der Testklasse musste während dem Projekt daher ein Junge ausgeschlossen werden, der sich überhaupt nicht auf die Konzentrationsübungen einlassen konnte. Alle anderen Teilnehmer sind jedoch mit gestärktem Selbstbewusstsein zum Abschluss auch auf der schuleigenen Bühne gestanden.
Bedeutung für die schulischen Rahmenbedingungen
Theater als Fach müsste, wenn es in Deutschland zu einem „Pflichtfach“ gemacht werden könnte, einen besonderen Rahmen im Schulalltag finden. Die Klassenstärke sollte möglichst geteilt werden, die Gruppe sollte sich gemeinsam weiterentwickeln können. Ein genaues Konzept aller Faktoren müsste hier genauer ausgearbeitet werden, die als oberstes Ziel Vertrauen und respektvollen Umgang innerhalb der Theaterklassen fördern.
Theater als Pflichtfach – eine Utopie oder Zukunftsmusik?
Theater als Pflichtfach würde nicht nur die Persönlichkeitsentwicklung und die Kommunikationsstärke unserer Jugendlichen fördern. Sie könnte als Erweiterungsfach an der Schule eine ideale Ergänzung zum Sprachunterricht bieten. Gelesene Stücke, die auswendig auf die Bühne gebracht werden und mit Sinn hinterlegt dargestellt werden, fördern das Verständnis und graben sich tief in das Gedächtnis. Wer in der gymnasialen Oberstufe in der „Dreigroschenoper“ gespielt hat, der wird so manche Zeilen auch Jahre später noch zitieren können:
„Meine Herren, heute sehen Sie mich Gläser abwaschen und ich mache ein Bett für jeden. Und Sie geben mir einen Penny und ich bedanke mich schnell und Sie sehen meine Lumpen und das lumpige Hotel und Sie wissen nicht, mit wem Sie reden. Und Sie wissen nicht, mit wem Sie reden […].“
Es wäre schade, wenn die Theater AG an deutschen Schulen unser einziger Versuch bleibt, die junge Generation zu selbstbewussten und pflichtbewussten jungen Bürgern zu erziehen.
