
- Kegel und "Kleines Haus" Staatstheater Mainz - K. Mieth
Das Kult-Stück des US-amerikanischen Schriftstellers Tennessee Williams „Die Katze auf dem heißen Blechdach“ unter der Regie von Sarantos Zervoulakos, feiert am 5. April 2012 im
"Kleinen Haus" des Staatstheaters Mainz Premiere. Der 1980 in Thessaloniki geborene Regisseur studierte Schauspielregie am Max-Reinhard-Seminar in Wien. Schon im Rahmen seines Studiums konnte er mit zahlreichen Inszenierungen Aufmerksamkeit erringen. Edward Albees "Wer hat Angst vor Virginia Woolf", Henrik Ibsens "Peer Gynt" oder Johann Wolfgang von Goethes "Iphigenie auf Tauris" markieren den Weg des erfolgreichen Theaterregisseurs. Zu seiner neusten Inszenierung für das Mainzer Staatstheater sagt er: "Die Familiengeschichte von Tennessee Williams - Die Katze auf dem heißen Blechdach - thematisiert, wieviel Lüge muss man akzeptieren, um das Gesicht wahren zu können, wieviel Geheimnis trägt ein jeder von uns in seiner Seele, wieviel davon ist ihm selbst bewusst, und welche Möglichkeiten bietet eine existente Lüge im Zusammenleben. Fragen, die am Anfang einer Reise stehen, für die uns Tennessee Williams mit seinen Figuren, ihren Abgründen, Sehnsüchten und Nöten eine starke Vorlage zur Verfügung stellt, die einem Ensemble die Auseinandersetzung – letztlich mit eigenen Lebenswahrheiten – ermöglicht."
Das Stück – Ein Familiengeflecht aus Täuschung und Verlogenheit
Das im Jahr 1955 uraufgeführte, mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnete Werk von Tennessee Wlliams greift Lebensthemen wie Täuschung und Verlogenheit auf. Im Stück um das Familiengeflecht des steinreichen „Big Daddys“, der seinen 65. Geburtstag feiert, wissen alle von dessen Krebserkrankung, ausser ihm selbst und seiner Frau. Dass er bald stirbt, will ihm keiner sagen, beerben aber wollen ihn alle. Nun ist zu diesem letzten Geburtstag die Familie auf dem Landsitz des Großgrundbesitzers vereint. Der älteste Sohn Gooper, ein kleingeistiger Rechtsanwalt mit seiner reizlosen Ehefrau Mae und ihren fünf nervigen Kindern - „Big Daddys“ kinderloser Lieblingssohn Brick und dessen Ehefrau Maggie. Brick ist gescheiterter Footballstar sowie Alkoholiker und versinkt in Selbstmitleid. Während er sich seiner Frau verweigert und sie in einen Ehekäfig sperrt, kämpft diese um ihren Anspruch auf Glück und stellt sich mutig den familiären Sticheleien auf ihre Kinderlosigkeit entgegen. Ihr Kampf, einer Katze auf einem heißen Blechdach gleich, gipfelt im Sprung ins Ungewisse. Mit der Lüge, sie erwarte ein Kind von Brick, erfüllt sie dem totgeweihten Familienoberhaupt dessen sehnlichsten Wunsch, täuscht dabei ihn und sich selbst, macht ihn glücklich und erschafft damit ein weites Lügengebilde.
Das "Kleine Haus" des Staatstheaters Mainz bietet Raum für Zukunftsvisionen
Die Familienverzweigung der Geschichte "Die Katze auf dem heißen Blechdach" aus den 1950er Jahren ist auch im Jahr 2012 aktuell, das Theaterstück ist Spiegelbild der Gesellschaft.
Wird die Frage aufgeworfen, was Theater in der heutigen Zeit leisten könne, in der sich täglich Katastrophenmeldungen mit Überlebensstrategien abwechseln, weist der Weg auf die szenische Umsetzung von Geschichten. "Theater schafft durch die szenische Darstellung der Geschichten Möglichkeiten der Besinnung, der Reflektion und Raum für Visionen. Visionen sind geeignet, Wege des Zusammenlebens in der heutigen Welt zu gestalten - eine Investition für die Zukunft.
Kultur - und im Besonderen das Theater - ist kein Luxusgut, auf das man in weniger guten Zeiten verzichten könnte, sondern ist grundsätzlicher Bestandteil für die Zukunft des städtischen Lebens", so der Intendant des Staatstheater Mainz, Matthias Fontheim und der kaufmännische Direktor Volker Bierwirth.
Die Architektur des „Kleinen Hauses“
Im bundesweit ausgelobten Architekturwettbewerb für das „Kleine Haus“ des Staatstheaters Mainz wurde unter 58 eingereichten Entwürfen einstimmig die rheinland-pfälzische Architektengemeinschaft AS-Plan ausgewählt und deren Architekt Klaus Möbius mit der weiteren Planung betraut. Dabei stand der Verbund beider Häuser, des vorne liegenden Bestandsgebäudes (Georg-Moller-Bau), sowie eines Neubaus am Tritonplatz, im Fokus. Mit der Unterbauung des Platzes konnten unterirdische Räumlichkeiten dazu gewonnen werden, oberirdisch gelangte der zentrale Mainzer Platz als öffentlicher Raum zu neuer Würde.
Zur Belichtung von unten liegenden Proberäumen für Orchester und Chor fluten zwei oben liegende Kegel der Künstlerin Ursula Bertram Tageslicht hinab, in der Nacht strahlt Kunstlicht aus dem Untergeschoß durch die Installationen in den Himmel. Am Tag wie in der Nacht bildet der Tritonplatz den Mittelpunkt. Beide Lichtinstallationen „Tag und Nacht“ führen das Auge des Betrachters auf der Achse vom Neubau zum Altbau und stellen den Bezug der Architektur aus beiden Jahrhunderten her. Der Neubau des "Kleinen Hauses" des Staatstheaters Mainz mit seinem variablen Spielraum zeigt sich flexibel, indem sogar Autos auf angrenzender Straßenhöhe auf die Bühne gebracht werden können.
Nach der Eröffnung des „Kleinen Hauses“ im Jahr 1979, startete ein Jahr später die Renovierung am Bestandsgebäude aus dem Jahr 1833. Im Jahr 2001 konnte das fertig restaurierte „Große Haus“ wieder der Öffentlichkeit übergeben werden, beide Häuser bieten großartige Inszenierungen.
Quellen: Vor-Ort-Recherche, Pressematerial Staatstheater Mainz, Baudezernat Stadt Mainz
