
- Ballett Eclipse - Theaterhaus Stuttgart
Die Gründer von 1984 Werner und Gudrun Schretzmeier sind auch heute noch an jedem Programm als Regisseur und Ausstatterin beteiligt. Und auch Peter Grohmann experimentiert als Mann der ersten Stunde weiterhin mit. Im Jahr 2010 zum Beispiel mit der Produktion “Tanzdialog“, zu der er die Texte beisteuert, während die Tänzerin Laura Brückmann, die das Down Syndrom in sich trägt, zur Musik ihres Vaters tanzt.
Das Theaterhaus Stuttgart steht zu seinen Wurzeln ...
... und entwickelt sich laufend weiter. Aus kleinen Anfängen in Stuttgart Wangen ist ein Projekt erwachsen, das 2003 in die Rheinstahlhallen am Stuttgarter Pragsattel umgezogen ist und seither über vier Veranstaltungssäle mit insgesamt rund 2000 Sitzplätzen und eine großzügige logistische und gastronomische Peripherie verfügt. Wie finanziert sich so etwas, fragt sich da der Laie. Und die Finanzierung ist vielleicht, neben der kulturellen Vielfalt, das faszinierendste an diesem Kulturexperiment.
Wie eine Studie von Professor Dr. Thomas Knubben und Dr. Petra Schneidewind belegt, steht das Theaterhaus Stuttgart zu 70 Prozent auf eigenen Beinen! Dreißig Prozent sind zuschussfinanziert, das sind umgerechnet auf einen Besuch 5,89 Euro. Der Schnitt bei öffentlichen Häusern liegt bei 101 Euro.
Dem stehen fast 250 Arbeitsplätze und erhebliche wirtschaftliche, touristische und steuerliche Effekte gegenüber, die den Schluss nahe legen: Das Theaterhaus Stuttgart lohnt sich für die schwäbische Landeshauptstadt nicht nur kulturell, sondern sogar monetär. Möglich wird dies durch das gedeihliche Zusammenwirken von Trägerverein, Förderverein und Stiftung Theaterhaus Stuttgart in denen natürlich auch viel ehrenamtliches Engagement steckt.
Programmvielfalt ist Programm im Theaterhaus Stuttgart
Im Bereich Schauspiel und Tanz wird mit eigenen Ensembles ein innovatives und experimentelles Programm gestaltet. In den Bereichen Comedy, Kabarett, Pop- und Rockmusik, Literatur, Klassik, Neue Musik und Jazz bringen Künstler und Ensembles aus aller Welt eine kulturelle Vielfalt ins Schwäbische, die in einem Artikel kaum zu fassen ist.
Immer wieder werden gesellschaftliche Brennpunktthemen ebenso thematisiert, wie Randgruppenthemen. Der Dauerbrenner “Klamms Krieg“, Monolog eines verzweifelten Lehrers, gewinnt durch Pisadiskussion, Bildungsreform und Amokläufe in Schulen immer aufs neue verstörende Realität. “Die Grönholm Methode“ karikiert in Form eines auf die Spitze getriebenen Auswahlverfahrens für einen Managerposten, beängstigend realitätsnah die Mentalität der Macher der Weltwirtschaftskrise. Von der Schretzmeier Klassikerinszenierung “Wer hat Angst vor Virginia Wolf“ bis zum Improtheater “Der kleine Grinsverkehr“, in dem das Publikum den Fortgang des Stücks bestimmt, kann man im Theaterhaus Stuttgart eine anderswo kaum gebotene Vielfalt an Theaterexperimenten erleben.
Ähnliches stellt das Tanzensemble um Eric Gauthier in seinem Genre auf die muskulösen Beine. Besonders zu erwähnen im Programm 2010 sicherlich die Produktion “Don Q“ inspiriert von Cervantes und zu Ehren des 80. Geburtstags von Ballettlegende John Kranko.
Programmhighlights des Theaterhauses Stuttgart 2010
Natürlich ist auch 2010 der Longseller „Caveman“ wieder im Theaterhausprogramm. Was der Höhlenmensch dem modernen Menschen zu sagen hat, fasziniert mit unterschiedlichsten Darstellern jedes Jahr aufs Neue.
Aus dem Bereich Comedy/Kabarett nur einige Namen: Michael Mittermeier, Willy Astor, Urban Priol, Ingolf Lück, Die kleine Tierschau, Markus Maria Profitlich, Emil, Bruno Jonas und Mike Krüger.
Das Allgäuer Kultautorenduo Klüpfel/Kobr kommt zu einer Lesung aus dem neuen Kluftinger Roman “Rauhnacht“ nach Stuttgart. Ebenso lesen Axel Hacke und Harry Rowohlt. Ende des Jahres bringt Walter Sittler sein neues Erich Kästner-Programm “Vom Kleinmaleins des Seins“ auf die Theaterhausbühne. Susanne von Borsody zelebriert den “Mythos Khalo“.
Musikalisch darf man sich auf die Acapellastars Wise Guys oder den neuen Stern am Jazzhimmel Rebekka Bakken freuen.
Bei ca. 900 Veranstaltungen in einem Jahr kann hier natürlich nur eine kleine Auswahl des Angebots angerissen werden. Für jeden Kulturinteressierten finden sich in jedem Fall Perlen im Theaterhausprogramm. Und das Schönste, wenn man Kultur im Theaterhaus genießt: Man kann sich mit dem guten Gefühl auf einen der bequemen Sessel sinken lassen, dass nicht der Steuerzahler 100 Euro unter jeden Sitz geschoben hat.
