Theoderich, Sohn eines einfachen Stammesführers mit der Herrschaft über eine von vielen zersplitterten Gruppierungen des ursprünglich aus Südskandinavien stammenden Gotenvolkes, wurde 453 n.Chr. mitten in die Unruhen und Spannungen der ausgehenden Völkerwanderung hinein geboren.

Durch die zunehmende politische Bedeutungslosigkeit des Weströmischen Reiches befand er sich im Südosten Europas nahe dem neuen Zentrum der Macht: Byzanz. Während im eigentlichen Kernland des Römischen Reiches, der Apenninhalbinsel, schon seit dem 4. Jahrhundert die reelle Macht in den Händen von meist germanischen Heermeistern lag, nahm die Bedeutung der „barbarischen“ Stammesführer im Osten erst von der Mitte des 5. Jahrhunderts an mit dem Aufstieg des Alanen Aspars zu.

Ehren am byzantinischen Hof

Auch Theoderich kam nach seinen Feldzügen durch Südosteuropa in Konstantinopel zu hohen Ehren. Er wurde, trotz häufiger und oft auch kriegerischer Auseinandersetzungen mit dem oströmischen Kaiser Zeno I, zum Heermeister und Patrizier ernannt und konnte sich gegen seinen Rivalen und „Stammesbruder“ Theoderich Strabo und dessen Sohn Rikimer durchsetzen und die Thrakischen und Pannonischen Goten unter sich vereinen. Damit war er seinem Hauptziel, nämlich alle Goten in einem großgotischen Staate zu vereinen, schon einen großen Schritt näher.

Feldzug in Italien

Als ihm im Alter von 35 Jahren die Herrschaft über Italien in Aussicht gestellt wurde, zögerte er nicht, seine Truppen samt Familien quer durch Europa zu führen.

Als er nach zahlreichen Schlachten gegen Odoaker einen Lebensraum für sein Volk erkämpft hatte, wurde er sogleich durch den religiösen Unterschied zwischen den Goten, die arianisch – christlich und dem weströmischen Volk, das katholisch – christlich war vor ein neues, großes Problem gestellt. Der daraus resultierende Konflikt mit der Kirche führte denn auch viel später zu einer negativ verzerrten Darstellung Theoderichs seitens der katholischen Geschichtsschreiber.

Ständig musste er sein Reich vor den Einfällen der Vandalen, Burgunder und Franken beschützen. Konflikte mit dem Senat und dem neuen Oströmischen Kaiser führten zu Hinrichtungen großer Gelehrter, die in Machtintrigen verwickelt waren, was ihm erneut den Ruf eines ungelehrten, dumpfen Barbaren einbrachte.

Nichtsdestotrotz wurde er von seinem eigenen und einigen benachbarten Völkern abgöttisch verehrt, denen er freundlich gesinnt war und Lebensraum in seinem Reich zusprach (so gewährte er z.B. den Baiuvaren die Ansiedlung im Donauknie).

Fürst aller Goten

Nach dem Tod des Königs der Westgoten, der sein Schwiegersohn gewesen war, konnte Theoderich im Jahre 511 das Ost – und Westgotenreich unter sich vereinen. Bis zu seinem Tode 526 n.Chr. blieb dieses Reich auch erhalten, wurde dann aber geteilt und fiel schließlich in den Herrschaftsbereich Karls des Großen.

Theoderich strebte des weiteren einen Bund zwischen allen arianisch – gläubigen germanischen Stämmen an, versuchte den Machtbereich der Franken einzudämmen und somit das Gleichgewicht in Europa zu erhalten.

Er war aber trotz seiner hervorragenden Ausbildung durch die größten Gelehrten seiner Zeit zu Konstantinopel ein Kind seiner Zeit, seines Volkes und seines Ranges. Er mordete, führte unzählige Schlachten und intrigierte, wo es ihm nötig schien.

Dank seiner zahlreichen Fähigkeiten und politischen Weitsichtigkeit, hatte er die kaiserliche Macht erneuern und einen großen Teil des Weströmischen Reiches erobern und einen können. Er war der letzte große König der Goten und wurde damit in der Geschichte zu Theoderich dem Großen.