Therapeutisches Klettern

Klettern als Prävention, Therapie, Rehabilitation für Jung und Alt

Klettern am Fels - Dmitrij Schloss
Klettern am Fels - Dmitrij Schloss
Therapeutisches Klettern ist eine neue, innovative und vielseitige Therapiemethode. Sowohl bei physischen als auch bei psychischen Störungen sehr erfolgsversprechend.

Das Klettern galt lange Zeit als Sportart, die nur von einigen wenigen Bergbegeisterten regelmäßig wahrgenommen wurde. Mittlerweile hat es sich jedoch als Trendsportart im Outdoor- und sogar, in Form von Kletterhallen, im Indoorbereich etabliert. Da jedem Menschen die ureigene Fähigkeit zu klettern innewohnt und es somit eine der natürlichsten Bewegungen ist, ist es kaum verwunderlich, dass es sich zu einer so beliebten Sportart gewandelt hat und selbst als Therapieform immer häufiger eingesetzt wird.

Warum gerade Klettern als Therapie?

Wie bereits erwähnt ist Klettern, so wie auch Schwimmen und Laufen, eine natürliche Bewegung, im Gegensatz zu beispielsweise dem Training an Geräten. Hinzu kommt beim Klettern, dass wir ihn alle haben beziehungsweise hatten, den Trieb zu klettern. Am deutlichsten ist es bei Kindern zu sehen, die ihren Bedürfnissen einfach nachgeben und schon als Kleinkinder versuchen, Gartenmauern zu erklimmen und später dann auf Nachbars Apfelbaum die Früchte klauen. Dieser Trieb zu klettern geht bei vielen im Alter verloren, doch sobald man sich auch später ein-, zweimal daran versucht, ist man hochmotiviert und vom Klettertrieb erneut gepackt. So zeigt sich auch, dass Klettern eine der wenigen Therapiemöglichkeiten ist, die auch nach der eigentlichen Therapie von den Patienten als Freizeitsport weitergeführt wird. Klettern lässt sich weiterhin auch problemlos an jede Alters- und Fitnessstufe anpassen. So können sich Senioren ebenso wie Kinder bedenkenlos an eine Kletterwand wagen, wobei hier natürlich auch immer der Therapeut die Grenzen und Fähigkeiten seiner Patienten erkennen muss, um angemessen unterstützen und fördern zu können. Generell sollte auch der Therapeut mit dem Klettern mehr als nur ein wenig vertraut sein und es bestenfalls schon selbst jahrelang betreiben.

Psychische Aspekte des therapeutischen Kletterns

Neben der großen Motivation für diese Therapieform und damit einer positive Einstellung gegenüber der Therapie, spielen auch noch weiter psychische Faktoren eine Rolle.

Therapeutisches Klettern:

  • Stärkt Vertrauen und Selbstvertrauen
  • Stärkt Konzentration und Aufmerksamkeit
  • Hilft bei psychischen Erkrankungen, wie z.B. Depressionen
  • Hilft bei Verhaltens- und Persönlichkeitsstörungen

Therapeutisches Klettern kann folglich gezielt bei psychischen Problemen eingesetzt werden, wobei dieser stärkende Charakter des Kletterns natürlich immer ein positiver und willkommener Nebeneffekt ist, der auch beim Sportklettern oder dem therapeutischen Klettern mit einer gänzlich anderen Zielsetzung zu Tage tritt.

Physische Aspekte des therapeutischen Kletterns

Meist wird das Klettern als Therapie von Physiotherapeuten und Sportmedizinern eingesetzt. Damit hat die Therapie folglich auch als Schwerpunkt, physische Störungen zu beheben oder zu lindern. Hier lässt sich Klettern beinahe auf jedem Gebiet der physischen Leiden ergänzend oder ausschließlich einsezten. Klettern hat den Vorteil, dass es, im Gegensatz zum Gerätetraining, auch viele der kleinen und wichtigen Muskeln beansprucht und meist in geschlossenen Muskelfunktionsketten arbeitet. Eine weitere Besonderheit ist, dass notwendigerweise eine statische und dynamische Muskelarbeit kombiniert wird, wobei das die dynamische Arbeit sowohl exzentrisch als auch konzentrisch sein kann. Auch werden hier dreidimensionale und koordinativ anspruchsvolle Bewegungsmuster geschult, wobei es kaum zu einem fehlerhaften Erlernen der Bewegung kommen kann, da das Klettern aufgrund seines Anspruchs nur ökonomisch sinnvolle Bewegungen zulässt. Einsatzmöglichkeiten des therapeutischen Kletterns:

  • Skoliosepatienten
  • Beinachsentraining, z.B. bei Knie- und Sprunggelenksverletzungen
  • Kraftausdauertraining für Knie-, Hüft-, Arm- und Schultermuskulatur, z.B. nach entsprechenden Operationen
  • Verbesserung der Mobilität der Gelenke
  • allgemeine Prävention
  • Morbus Parkinson
  • Multiple Sklerose
  • Schlaganfall

Gerade bei Patienten mit Krankheiten, die Einfluss auf die Beweglichkeit, Kraft, Koordination und Ausdauer haben, hat sich therapeutisches Klettern als sehr wirkungsvolle und motivierende Therapie bewiesen. Therapeutisches Klettern steht als Therapie gerade erst an seinem Anfang und birgt noch viele Möglichkeiten, die von innovativen und kreativen Therapeuten noch entdeckt und entwickelt werden wollen.

Bitte beachten Sie, dass ein Suite101-Artikel generell fachlichen Rat - zum Beispiel durch einen Arzt - nicht ersetzen kann.

Hannah Baumbach, Hannah Baumbach

Hannah Baumbach - 1987 in Nürnberg geboren hat sie als älteste von drei Kindern 2006 ihre Gymnasialkarriere erfolgreich abgeschlossen und ...

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