
- Thilo Sarrazin - wikimedia
Offenbar scheint die überraschend große öffentliche Zustimmung, die Thilo Sarrazin momentan erhält, Wirkung zu zeigen: In neuesten Interviews räumen sowohl Bundeskanzlerin Angela Merkel, als auch SPD Chef Sigmar Gabriel direkt oder indirekt ein, dass Sarrazin zumindest teilweise recht hat. Wohlgemerkt nur in den Punkten, die konkrete Probleme ansprechen.
Gabriel bezeichnete Sarrazins Thesen als "dämlich" und "gewalttätig"
Trotzdem ist dieser unerwartet sanfte Ton der Politikgrößen schon erstaunlich, wenn man sich die Schärfe der Entrüstungen und Angriffe der letzten Tage auf Thilo Sarrazin so ansieht. In einer Meldung vom 25. August 2010 hieß es noch, dass Gabriel Sarrazins Thesen als „dämlich“ bezeichnete. Außerdem wäre sein Buch “sprachlich so was von gewalttätig“, dass man es nicht lesen dürfe.
Teilweise Zustimmung für Sarrazin
Auch Bundeskanzlerin Merkel schlug einen ähnlichen Tenor an und sagte der türkischen Zeitung Hürriyet, Sarrazins Vorwürfe seinen “Unsinn“ und sie könne “die Äußerungen nicht akzeptieren“. In einem Interview mit dem RBB Radio erklärte Sigmar Gabriel nun: „Ich finde, vieles, was er darin beschreibt, erleben wir ja. Ist doch gar keine Frage. Dafür muss er auch nicht aus der SPD und schon gar nicht aus der Bundesbank fliegen.“ Vielmehr ginge es bei dem geplanten Parteiausschlussverfahren Sarrazins um die vermeintliche „Kernthese“ in seinem Buch, die aussagt “dass Menschen genetisch disponiert sind und bestimmte Verhaltensweisen sich nicht etwa kulturell vererben, sondern genetisch, biologisch“.
Kanzlerin Merkel: "offen darüber sprechen"
Auch Kanzlerin Merkel sagte in einem Interview der “Bild am Sonntag“: “ In Deutschland darf es keinen Ort und keine Viertel geben, wo unsere Polizei das Recht nicht durchsetzen kann“. Bemerkenswerter dürfte aber ihre Aussage sein, in der sie direkt eine statistisch höhere Gewaltbereitschaft strenggläubiger muslimischer Jugendlicher anspricht: "Das ist ein großes Problem und wir können offen darüber sprechen, ohne dass der Verdacht der Fremdenfeindlichkeit aufkommt."
Sarrazin ist sich dem innerparteilichen Druck der Kanzlerin bewusst
Thilo Sarrazin scheint den Grund für dieses plötzliche, wenn auch nur indirekte Einlenken zu kennen: "Was glauben Sie, wie viele tausend Briefe und E-Mails von CDU-Anhängern in ihre Parteizentrale geschickt worden sind. Da spürt sie: Hier bricht was auf, was schwer zu beherrschen ist. Deshalb kommt es zum Kesseltreiben."
Bundespräsident Wulff wird vor einem politischen Schauprozess gewarnt
Unterdessen geht Sarrazin davon aus, dass Bundespräsident Wulf ihn im eingeleiteten Abberufungsverfahren als Bundesbankvorstand persönlich anhören wird. In einem Gespräch mit dem “Focus“ sagte Sarrazin: “Der Bundespräsident wird sich genau überlegen, ob er eine Art politischen Schauprozess vollenden wird, der anschließend von den Gerichten kassiert wird.“
Sarrazin dachte an Rücktritt
Thilo Sarrazin gibt aber auch zu, dass er über einen freiwilligen Rückzug nachgedacht hat: "Ich habe in diesen Tagen der öffentlichen Kritik schon manchmal an Rücktritt gedacht, aber mit jedem Tag hat auch die Unterstützung vieler so spürbar zugenommen, dass ich nun nicht kneifen will".
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