
- Thirsty Moon - Lunar Orbit - FUEGO/Friedel Muders
Klar, ganz ohne Nostalgie kommt man nicht aus, wenn man sich in die Deutsche KrautRock-Musik Geschichte bewegt. Aber es darf auch ein wenig mehr sein als nur Gefühlsduselei, zumal die Qualität des Gebotenen dazu nachhaltig Anlass gibt. Hier geht es um Thirsty Moon, einer der Kult Bands der Bremer Rock & Fusion-Musik-Szene in den 70er Jahren des verflossenen Jahrtausends. Wer dabei war und das waren damals nicht wenige und bei weitem nicht nur Bremer, wird wohl mehr kulturelle Keime erinnern als nur die Neue Vahr Süd. Das „Viertel“ in Bremen wurde eigentlich erst so richtig geboren, bei Radio Bremen gab es Größen wie Anne Rottenberger und Christian Günther, die Energie des Beat-Club im TV war noch spürbar, Bremer Klubs wie „Lila Eule“ oder „Römer“ waren noch voller Magie und der KrautRock hatte bisweilen einen hohen Grass-Anteil. Im Jazz war Radio Bremen schon führend; Gondel und Post Aula Kultstätten für internationale Stars.
Thirsty Moon – bremisch, bodenständig, gut
Neben aller internationaler Offenheit hatte Bremen aber auch einige kleine, feine Eigengewächse zu bieten. Eines war (und ist) Thirsty Moon. Gegründet Anfang der 70er von den Brüdern Norbert und Jürgen Drogies wurden sie schnell eine feste Größe. Trotz oder gerade wegen einiger Wechsel waren sie in der Stadt wohlbekannt und beliebt. Konzerte wurden noch von „Hand-zu-Hand“ weiter gegeben; Internet war nicht. Das waren Freundestreffen, auf die man sich schon die ganze (Schul-) Woche über freuen konnte. Gelegentlich durfte man auch mal bei den Proben zuhören.
Das diese Jungs dann auch noch von einer „richtigen“ Plattenfirma unter Vertrag genommen wurden hatte was und man war schon ein wenig stolz auf diese Thirsty Moon. Und wer schon so angesagt war, der tourte natürlich auch mal aus Bremen heraus, auch wenn das damals in keinem Vergleich zum heutigen Fahrplan vieler Bands stand.
Lunar Orbit – Live At Stagge’s Hotel 1976
Stagge’s Hotel hatte damals ohne Frage Kult Status! Ein Konzert hier musste einfach gut werden. Thirsty Moon liefern mit dieser CD ein eindrucksvolles Beispiel dafür. LPs von ihnen gab es schon, die Musik war in weiten Kreisen angesagt, aber diesmal war der besondere Kick die Besetzung: Norbert Drogies zupfte den Bass, Bruder Jürgen die Gitarre. Dazu gesellte er Sounds vom Tape und seine Stimme. Junior Weerasinghe bearbeitete die Drums; Serge Weber spielte E-Piano und Clavinet. Und Rainer Neumann pustete die Luft durch das Saxophon. So machten die fünf 73 Minuten lang Musik, wie sie bestens in diesen Jahren aufgehoben war. Rock mit viel Kraft und Power, erweitert um jazziges und erstklassige Improvisationen. Irgendwer vergab dafür den Stempel „KrautRock“; egal, Hauptsache es gefällt! Neun Titel fanden Eingang auf die CD, acht Kompositionen von Jürgen Drogies, eine, der eher selten gespielte Hendrix-Song „Third Stone From The Sun“. Da stampft der Beat und treibt die Melodie-Instrumente zu immer tolleren Improvisationen. Aber Thirsty Moon war auch immer Teamplay, sodass die CD ein einmaliges Dokument für den damaligen musikalischen Zeitgeist ist. – Sicherlich auch heute nichts für die Fans des Dudelfunk, für alle Freunde der Deutschen Rock Musik aber, und besonders mit einem gewissen Interesse an unserer musikalischen Vergangenheit, eine ganz starke Empfehlung!
Sireena Records – mit viel Liebe zurück zu den Keimen
Mit dem ambitionierten Label Sireena Records hat sich ein weiterer kleiner Verlag auf eine wundervolle Nische deutscher Musikkultur spezialisiert. Auch wenn die Aufnahmen dem heutigen Gehör etwas vergangen rüberkommen mögen, so transportieren sie doch erstklassige Energie aus der Zeit ihrer Entstehung. Absolut keine Tiefkühlkost, sondern leckere Frische! Man kann den jungen Fans von heute nur wünschen in ein paar Jahrzehnten ähnlich qualitatives Material aus der Jetzt-Zeit wieder zu finden, wie es diesen Menschen gelungen ist.
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