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Thomas Glavinic - Wie man leben soll (Rezension)

Thomas Glavinic - Wie man leben soll - dtv
Thomas Glavinic - Wie man leben soll - dtv
Man ist 17. Und dick. Man geht noch zur Schule und hätte endlich gerne eine Freundin. In Thomas Glavinic' Roman hat man es als Protagonist nicht leicht.

Dem Österreicher Thomas Glavinic gelingt es in diesem kurzweiligen Roman wieder, seinen Protagonisten mit einer einzigartigen, besonderen Stimme seine Geschichte erzählen zu lassen. Diesmal dürfen die Leser einen Roman, komplett in der "man"-Form erzählt, genießen. Mit einem übergewichtigen, John Lennon-Brille tragenden und grüblerischen Erzähler, der einen mithilfe von Zitaten aus Lebenshilfebüchern durch sein Leben führt.

Man heißt Charlie Kolostrum - und sieht auch so aus

Seinem Namen macht Charlie bereits zu Beginn der Geschichte im Alter von 17 Jahren alle Ehre. Trotzdem hat er es irgendwie - ganz ohne Charme, Mut oder Draufgänger-Qualitäten - geschafft, eine Freundin zu finden. Von ersten sexuellen Erfahrungen bis zum Gefühl, dass man eigentlich mit fast jeder Frau, die einem begegnet, schlafen will und sich nicht so wirklich sicher ist, ob die eigenen Empfindungen Liebe sind oder nicht, ist alles dabei.

Dabei erzählt Charlie mit viel Humor und hat auch kein Problem damit, sich selbst auf den Arm zu nehmen. Auch wenn er sensibel, schüchtern und was das Leben betrifft ziemlich ahnungslos ist, schafft er es irgendwie durch die Schule und zur Universität. Dort schreibt er sich - nach dem Kriterium, in welchen Vorlesungen die meisten hübschen Frauen sitzen - für Kunstgeschichte ein.

Man stolpert durch die Welt - irgendwo muss man ja ankommen

Charlie hat das Glück, von Tante und Onkel - genannt die Tankels - und von seiner geliebten Großtante Ernestine finanziell unterstützt zu werden. Aber irgendwann wird auch ihm klar, dass es Zeit zum Erwachsenwerden ist. Ein Job und Freundinnenwechsel stehen bevor, aber wenn er sich ganz ehrlich ist, weiß Charlie immer noch nicht so recht, wie man leben soll.

Was Thomas Glavinic hier gelungen ist, ist ein komischer Roman mit einem seltsamen Hauptcharakter, den man nichtsdestotrotz schnell ins Herz schließt. Lautes Lachen beim Lesen ist hier nicht ausgeschlossen und wenn die Situation selbst nicht lustig ist, zaubert einem Charlies Formulierung ein Lächeln aufs Gesicht.

Man kommt ins Kino

Von vielen als Glavinic' bester Roman gelobt, vollbringt dieses Buch sicher eines: unterhaltsame Lesestunden. Charlie Kolostrum durch sein typisches und zugleich außergewöhnliches Leben zu begleiten, wird selbst Lesemuffeln eine Freude bereiten.

Der Stoff wurde sogar mit Robert Stadlober und Robert Palfrader verfilmt. Den äußerst erheiternden Trailer kann man sich auf der Filmseite ansehen. Erscheinungstermin ist der Oktober 2011.

Auch der Film hat den Nerv der Geschichte absolut getroffen und ist ein richtiger Kinotipp. Für Lesefaule oder Fans des Buches ein absolutes Muss.

Auf der Homepage des Autors finden sich Infos und Links zu seinem anderen verfilmten Roman "Der Kameramörder". Außerdem Extras zu seinem neuestem Roman sowie Videos, Hör- und Leseproben und alles, was das Leserherz sonst noch begehrt.

Thomas Glavinic: Wie man leben soll. dtv 2004. Taschenbuch, 240 Seiten. 8,90 Euro.

Nadine Gemeinböck, Nadine Gemeinböck

Nadine Gemeinböck - Nadine Gemeinböck begann ihre Karriere im zarten Alter von 3 Jahren, mit dem sie das Lesen und Schreiben erlernte. Von dahin war es ...

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