Thomas Glavinic: Das bin doch ich

Der junge Autor, bekannt geworden durch seinen "Kameramörder", erzählt mit autobiografischem Ansatz, was der Wunsch nach Erfolg aus einem Literaten so macht

Der österreichische Autor, gebürtig aus der Steiermark, schreibt teils humorvoll, teils etwas selbstverliebt einen Auszug aus seiner eigenen Biografie. Unspektakulär, fast karg kommt einem als Leser das Leben des jungen Mannes vor, der mit einer liebevollen und vor allem verständnisvollen Ehefrau und einem kleinen Sohn Verantwortung für eine kleine Familie hat. Angerissen werden im Roman (das Buch ist als Roman, nicht als Autobiografie ausgewiesen) Familiengeschichten, Kindheitserinnerungen gewürzt mit kurzen Gesprächseinlagen mit Künstlerkollegen und Freunden.

Was das Buch so erfrischend macht, sind die Figuren, Menschen die es ja wirklich gibt – der Leser darf Anteil nehmen an Glavinics Leben, so zu sagen. Das Buch könnte man als „Miniatur-Container“ der österreichischen Literatur sehen, es gibt Einblick in den Alltag eines Schriftstellers von heute. Das neueste Manuskript ist abgegeben, das Warten auf ein Feedback des Lektorats zieht sich in die Länge – eine Arbeit zu einem neuen Thema zu beginnen ist in dieser Zeit undenkbar. Was zählt sind die Überlegungen, ob sich das neue Buch so gut verkaufen wird, dass die kleine Familie davon leben wird können. Autor und Hauptfigur wollen vor allem Anerkennung und wirtschaftlichen Erfolg. Schon gar, als ob der erfreulichen Verkaufszahlen von Freund Daniel Kehlsmanns Buch, Glavinics Mutter ausruft: „Wann schreibst Du denn mal so was?“ Der Romanheld bemüht sich um Aufmerksamkeit in der Branche, besucht einschlägige Veranstaltungen, sucht den Kontakt zu „wichtigen“ Personen wie Verlegern, Agenten und Presse und ist höchst unzufrieden mit sich, weil er es nie schafft, sich und sein Tun in ein gutes Licht zu rücken. Im Gegenteil, vor lauter Nervosität, spricht er immer wieder in zu großem Ausmaß dem Alkohol zu.

Zweite Geschichte unter der Oberfläche

Neben der klaren Geschichte des Autors auf der Suche nach seinem Erfolg, liegt subtil daruntergelegt die Erzählung über die Suche nach dem Selbst, nach der eigenen Identität und wieweit man sich selbst verleugnet, um gesellschaftlichen Erwartungen zu entsprechen. Auch wenn manches überspitzt oder untertrieben dargestellt sein mag, den Literaten Daniel Kehlmann und dessen Triumphe, die im Buch beschrieben werden, entsprechen der Realität. Die Wünsche und Träume, auch wie der Kollege und Freund auf der Shortlist, oder wenigstens auf der Longlist der Bestsellerlisten aufzuscheinen, sind nachvollziehbar. Etwas, das dem ehrgeizigen Schriftsteller im wahren Leben letzt endlich auch gelingt – und zwar genau mit diesem Buch, erobert er sich einen Platz auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises.

Sprache im Alltagskleid

Die Sprache ist schlicht, vordergründig artifizielle Elemente sucht der Leser hier vergeblich. Doch gerade diese Einfachheit suggeriert das wahre Leben. Damit besticht auch Thomas Glavinic in seinem Erfolgsroman „Der Kameramörder“, genau so kommt Unfassbares im unauffälligen schlichten Alttagskleid daher. Die Rezensentin Daniela März tituliert den Roman in „Die Zeit“ als „schlitzohriges Täuschungsmanöver“, das den Leser über seinen eigene verdorbenen und giereigen Voyeurismus stolpern liese, denn es halndelt sich bei „Das bin doch ich“ um einen Roman und nicht um ein Tagebuch und auch um keinen Tatsachenbericht. Anders amüsierte sich der Kritiker Alexander Cammann, der Glavinics satirischen Blick auf den Literaturbetrieb in „Die Tageszeitung“ besonders hervorhob.

Thomas Glavinic, Das bin doch ich. Carl Hanser Verlag

CJ, Jon

Christina Jonke - Geboren in Villach, Kindheit in Napplach im Mölltal und Triest, lebt jetzt in Klagenfurt. Nach VS und AHS, Lehre zur ...

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