
- Urkomische Satire - Deutscher Taschenbuch Verlag
Wer ist paranoid, hypochondrisch, benimmt sich daneben, ernährt sich schlecht, trinkt viel zu viel Alkohol und schreibt besoffen E-Mails? Wer fühlt sich als Schwarzes Schaf, Opferlamm und Sündenbock? Der Schriftsteller im Stadium zwischen dem geschriebenem und noch nicht veröffentlichten Buch, der Autor, der noch keinen Verlag gefunden hat für sein neues Baby. So einer ist Thomas Glavinic, der Roman-Doppelgänger des gleichnamigen österreichischen Autors.
Wenn Murphy's Theorie sich beweist
Unser Held leidet sich durch den Alltag, indem er darauf wartet, dass sein neuester Roman "Die Arbeit der Nacht" zu Beginn des Buches vom Hanser Verlag verlegt wird und gegen Ende des Buches den Deutschen Buchpreis gewinnt. Sehr unterhaltend und für viele Lacher sorgend, schildert Glavinic einen unglücklichen Vertreter von Murphy's Theorie. Sprich: Alles, was schief gehen kann, geht schief im Leben der Romanfigur. Dass sein Zahnimplantat in die Zugtoilette fällt, er nachts peinliche Mails schreibt, er ständig verkannt wird und sein Haar ausfällt sind nur ein paar Beispiele.
Daniel Kehlmann, der Short Message Sender
Und dann ist da noch sein überaus erfolgreicher Schriftstellerfreund Daniel Kehlmann. Dieser hat scheinbar nichts besseres zu tun, als Thomas ständig mit den Rekordzahlen seiner verkauften Bücher per SMS zu versorgen. Sein Ruhm steigt im proportionalen Verhältnis zu Glavinics Versagen. Doch Glavinic glaubt an sich, je mehr er verliert und je unerträglicher sein Leben und seine Mitmenschen werden. Er leidet geradezu an Selbstüberschätzung: "Jemand schreibt in der 'Süddeutschen', Daniel sei der beste Autor seiner Generation. Ich zucke zusammen. Das bin doch ich!"
Jeder ist der, der er ist
"Das bin doch ich" ist eine überaus gelungene Satire auf den Literaturbetrieb, die sich noch nicht einmal die Mühe macht, reale Namen zu fiktionalisieren. Es kommt also nicht nur ein Daniel Kehlmann vor, der mit dem Buch "Die Vermessung der Welt" gerade seinen literarischen Durchbruch feiert, sondern auch ein Literaturkritiker namens Dennis Scheck, ein Verleger des Hanser Verlags namens Michael Krüger und so weiter.
..., dann lachen sie noch heute
Mit seinem Roman "Das bin doch ich" schaffte Glavinic, was er mit "Die Arbeit der Nacht" nicht erreichte: Er kam auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises. Das überaus frivole, den voyeuristischen Blick des Publikums bedienende Werk "Das bin doch ich" wurde ein Bestseller. Dieser ist nun in der Taschenbuchausgabe erhältlich und sorgt für kurzweilige Unterhaltung. Bleibt nur zu hoffen, dass der echte Thomas Glavinic ein etwas besseres, ja gesünderes Bild von sich selbst hat, als im Roman beschrieben. Denn der Irrwitz stand hier Pate. Und wenn seine Leser nicht gestorben sind, dann lachen sie noch heute.
Thomas Glavinic: Das bin doch ich. Deutscher Taschenbuch Verlag 2010. Taschenbuch, 240 Seiten. Euro 9,90.
