
- Dr. Thomas Goppel nach seiner frei gehaltenen Rede - Markus Müller
Der Kreisverband Traunstein des Bayernbundes e.V. veranstaltete unlängst im Gasthof „zur Post Oberwirt“ in Chieming eine Informationsveranstaltung zum Thema „Bayern – Messlatte für Europa“. Als Referent konnte kurzfristig der ehemalige bayerische Staatsminister Dr. Thomas Goppel (CSU) gewonnen werden, der aus privaten Gründen in der Region weilte. Goppel sitzt seit 1974 im Bayerischen Landtag und ist unter anderem Vorsitzender des Gesprächskreises christlich-sozialer Katholiken, Aufsichtsratsvorsitzender des Kolping-Bildungswerk Bayern und Präsident des Bayerischen Musikrates.
Der Veranstaltung wohnten auch der CSU-Kreisvorsitzende und Landtagsabgeordnete Klaus Steiner, Landrat Herrmann Steinmaßl, der ehemalige Ministerialdirigent Dr. Helmut Wittmann, Chiemings Erster Bürgermeister Benno Graf, Altbürgermeister Max Brunner sowie verschiedene Kreis- und Gemeinderäte bei.
Bayernbund als überparteilicher Zusammenschluss landesverbundener Bürger
Der Kreisvorsitzende des Bayernbundes Heinrich Wallner verwies darauf, dass der Bayernbund als überparteilicher Zusammenschluss landesverbundener und staatsbewusster Bürger in oder aus Bayern im vergangenen Jahr "bereits sein 90-jähriges Bestehen feiern durfte“. Ziel und Auftrag des Bayernbundes sei es, wie es hieß, unter anderem die christlich-abendländische Tradition und die Eigenstaatlichkeit Bayerns zu bewahren, die heimische Kultur, Brauchtum und Sprache aller Stämme zu erhalten, den Landschafts- und Naturschutz voranzubringen, die föderative deutsche Ordnung zu stärken und ein Europa der Regionen zu fördern. Bürgermeister Graf sprach davon, dass Europa gerade jetzt im Zuge der Euro-Krise wieder in aller Munde sei und vor großen Aufgaben stehe. Viele europäische Länder hätten schwer zu tun, „die Messlatte Bayerns zu erreichen“.
Goppel: EU als Ozeandampfer auf unruhiger See
Eine Lanze für die bayerische Identität und Eigenständigkeit brach Referent Dr. Thomas Goppel, der „die zentrale Lage unseres Landes in der Mitte Europas“ als großen Vorteil bezeichnete. Die mittlerweile aus 27 Staaten bestehende EU könne aber nur Erfolg haben, „wenn das Miteinander wie in einem eingespielten Orchester automatisch funktioniere“, betonte der 64-jährige CSU-Politiker mit Hinweis auf seine Funktion als Präsident des Bayerischen Musikrates. Derzeit sei es eher wie auf einem Ozeandampfer auf unruhiger See: „Allen is zum Speibn´, aber keiner kann aussteigen“. Nur wenn es gelinge, die Menschen für die gemeinsame europäische Sache zu begeistern, „hat dieses Europa eine gute Chance, die anstehenden schwierigen Etappen zu meistern“, zeigte sich der frühere bayerische Europaminister überzeugt.
Bayerns Vielfalt als Messlatte für Europa
Bayerns Vielfalt müsse Europa als Messlatte und Vorbild dienen, appellierte Goppel. So habe Bayern, in dem bereits 55 Prozent der Bürger Nicht-Bayern seien, in den vergangenen Jahrzehnten durch Zuwanderung unglaublich viel Kraft hinzugewonnen. Im Sinne von „Vernetzung statt Vereinheitlichung“ sollten die europäischen Länder an einem Strang ziehen, ihre Kräfte bündeln und dennoch ihre spezifischen Eigenheiten bewahren, so der gebürtige Unterfranke. Eine große Bedeutung spiele hier auch das christliche Menschenbild und „wie wir miteinander umgehen“. Wenn eigene Fehler gemacht würden, so Goppel, „müsse man diese auch anderen zugestehen und das, was ich anderen zumute, muss ich auch bei mir selbst akzeptieren können“.
EuRegio Salzburg–Berchtesgadener Land–Traunstein funktioniert
„Insbesondere für uns als Grenzregion ist eine funktionierende Europäische Union von größter Bedeutung“, betonte Landrat Steimaßl und verwies auf die erfolgreiche EuRegio Salzburg – Berchtesgadener Land – Traunstein. Die EuRegio sei in vielen Lebensbereichen wie etwa Tourismus, Verkehr, Kultur, Bildung, Wirtschaft, Jugend, Raumordnung, Natur- und Umweltentwickelung, Land - und Forstwirtschaft oder Sport eine wichtige Plattform und ein funktionierender Motor für die Zusammenarbeit zwischen bayerischen und Salzburger Gemeinden, Behörden und Einrichtungen. „Das 21. Jahrhundert ist in Europa ein Jahrhundert des Friedens, der Freiheit und des Demokratie, es ist euer Jahrhundert, macht was draus“, wandte sich der „überzeugte Europäer“ Steinmaßl an die anwesende Dorfjugend.
Bayerns Eigenständigkeit müsse weiter hochgehalten werden
Der CSU-Stimmkreisabgeordnete Steiner mahnte an, dass Europa nur funktioniere, „wenn man den laufenden Betrieb nicht über Kredite finanziert“. Die zunehmende Verschuldung sei nicht nur eine große Gefahr für die EU, sondern auch eine schwere Hypothek für die nachkommenden Generationen. Vor Gleichmacherei und Vereinheitlichung warnend, verwies Steiner exemplarisch auf das bewährte differenzierte bayerische Schulsystem, das keine Gesamtschulen nötig habe. Auch das Projekt „Bairisch in Kindergarten und Schule“ der Bayernbund-Kreisverbände Traunstein und Rosenheim sei ein ganz besonderer Ausdruck bayerischer Eigenständigkeit.
Am Ende der Veranstaltung bekam Referent Goppel aus den Händen des Bayernbund-Kreisvorsitzenden Heinrich Wallner ein Buch über die Chieminger Haus- und Hofgeschichte überreicht. Für die musikalische Umrahmung des geselligen Frühschoppens sorgte eingangs die Chieminger Blasmusik.
