
- Thomas Gottschalk, Sommerausgabe Wetten, dass...? - ZDF / Carmen Sauerbrei
Nach dem 04. Dezember 2010 wurde alles anders: Thomas Gottschalk verlor nach dem tragischen Unfall des Kandidaten Samuel Koch in "Wetten, dass...?“ nach eigenem Bekunden die Lockerheit, die er für die Moderation der Samstagabendshow als unverzichtbar ansah. Seitdem setzte ein Rätselraten ein, wo der Moderator künftig unter Vertrag stehen wird. Am 15. Juli 2011 beendete die ARD alle Spekulationen um die Zukunft des Showstars, in dem sie den Beginn einer Zusammenarbeit mit Gottschalk bekannt gab. Ab Januar 2012, so die ARD per Pressemitteilung, trete der gebürtige Bamberger von Montag bis Donnerstag für das Erste vor die Kamera.
Thomas Gottschalk und die ARD haben sich offenbar geeinigt: Vom Januar 2012 an wird sich der Moderator und Entertainer viermal in der Woche vor der "Tagesschau“ zu Wort melden. Nach Angaben des Senders stehen unterhaltsame Themen des Tages auf dem Programm. In der Live-Show, die über eine Sendezeit von 30 Minuten konzipiert ist, wird Gottschalk Gäste aus den Bereichen Lifestyle, Entertainment und Kultur empfangen und das aktuelle Zeitgeschehen mit zugeschalteten Experten diskutieren. Die Zuschauer sollen sich über Internet aktiv an der Sendung beteiligen können und über Twitter, Facebook oder Skype direkt an den Diskussionen teilnehmen. Ein Studiopublikum, so die Pressemitteilung, werde es nicht geben.
Monika Piel und Volker Herres zur Verpflichtung von Thomas Gottschalk
Die Verhandlungen waren nach Information von Suite101.de Chefsache: Programmchef Volker Herres und Monika Piel, die Intendantin des WDR, waren die Verhandlungsführer in dieser Angelegenheit. So sieht Piel die Verpflichtung von Gottschalk als großen Gewinn: "Thomas Gottschalk ist eine stilprägende Persönlichkeit der deutschen Fernsehunterhaltung und eine Bereicherung für das Programm. Ich freue mich, dass der WDR federführend für die innovative Sendestrecke ist. Thomas Gottschalks Wurzeln liegen in der ARD und ich bin froh, wenn er zu uns zurückkehrt." Das ZDF wusste nach eigenem Bekunden am Tag vor der Pressemitteilung von ARD und Gottschalk noch nichts davon; eine Kündigung des bis 2012 laufenden Vertrages lag nicht vor.
Auch Volker Herres, Programmdirektor Erstes Deutsches Fernsehen, nahm zu der Verpflichtung Gottschalks Stellung: "Mit der Verleihung des Grimme-Preises an Thomas Gottschalk in diesem Jahr war diese Entwicklung natürlich angelegt. Über die Qualitäten des Showmoderators hat die Grimme-Jury seinerzeit geurteilt: 'Mit seiner immer wieder verblüffenden und frischen Mischung aus Fröhlichkeit, Schlagfertigkeit, Unbefangenheit und intelligentem Witz schafft er es, Menschen mit ganz unterschiedlichen Hintergründen und aus verschiedenen Generationen zusammenzubringen und blendend zu unterhalten.' Genauso ist es!" Die redaktionelle Federführung für das neue Vorabend-Format liegt beim WDR und bei der WDR mediagroup.
Gottschalk auf einem unsicheren Programmplatz
Die Produktion der Sendung soll Grundy Light Entertainment übernehmen. Der Moderator und die Produzenten arbeiten nach Information der ARD derzeit in Los Angeles am Konzept der Show. Frank Beckmann, der Vorabendkoordinator Erstes Deutsches Fernsehen: "Unterhaltende Formate waren stets Bestandteil des Vorabends im Ersten. Dass wir vor der 'Tagesschau' mit einem der größten Entertainer neue Wege beschreiten können, freut mich über alle Maßen." Ob sich Gottschalk damit einen Gefallen tut, wird aber auch bezweifelt. Ein Fernsehfachmann aus Düsseldorf verweist auf die teils schlechten Quoten, die die Vorabendsendungen "Das Duell“ und "Marienhof“ in den zurückliegenden Monaten einfuhren.
Die Meinung des Spezialisten: "Es ist ein unglücklicher Sendeplatz. Der Slot vor der 'Tagesschau' ist nicht ganz einfach, weil viele potenzielle Zuschauer den Fernseher zu der Zeit noch gar nicht eingeschaltet haben. Auch ist die Konkurrenz durch 'Gute Zeiten, schlechte Zeiten' sehr stark. Die ARD setzt mit Gottschalk auf steigende Werbeeinnahmen, weil Piel sagte, dass die Verpflichtung kostenneutral für den Sender sei. Doch ob der Sender es schafft, die für die Berechnung der Werbeeinnahmen so wichtige Zielgruppe der 14-49-jährigen Zuschauer an sich zu binden, darf durchaus bezweifelt werden. Fernsehserien liefen und laufen zu dieser Zeit viel besser, als Talk. Und internet-affines Publikum, also junge Leute, die mit Twitter und Facebook umzugehen wissen, bleiben vermutlich bei GZSZ.“
Thomas Gottschalk zu seinem neuen Vertrag
Keine gute Prognose, die der Fachmann aus dem Bereich Product Placement damit stellt, aber eben auch nur eine von vielen möglichen Meinungen. Doch was sagt Thomas Gottschalk selbst zu der Verpflichtung? "Das erinnert ein bisschen an meine Radio-Anfänge in der ARD. Immerhin habe ich insgesamt mindestens zehn Jahre meines Lebens täglich vor dem Mikrofon gesessen. Der Ernst des Lebens gehört in die 'Tagesschau'. Aber es gibt ja Gott sei dank neben Politik, Seuchen und Finanzkrisen auch noch den ganz normalen täglichen Wahnsinn. Für den bin ich in Zukunft zuständig. Ich freue mich auf meine 'Tagesshow' und fühle mich dieser Herausforderung durchaus gewachsen", so der Moderator über die ARD-Pressestelle.
Eine offene Frage zum Schluss
Eine Frage blieb jedoch offen: Nach dem Unfall von Samuel Koch sagte Gottschalk wie bereits eingangs erwähnt, dass ihm die Unbeschwertheit abgegangen sei, die er als Voraussetzung für eine Präsentation einer Show wie "Wetten, dass...?“ erachte. Wovon bei der Moderation der Sommerausgabe 2011 der Samstagabendshow nichts zu spüren war. Wieso aber verpflichtet die ARD einen Showmaster, dem nach eigenen Angaben die Lockerheit fehle? Oder ist diese zurück, wie sein Auftritt in Mallorca vermuten lässt? Wenn ja, dann hätte er auch "Wetten, dass...?“ weitermoderieren können, anstatt in den harten Konkurrenzkampf des Vorabendprogramms abzusteigen und vier Shows die Woche vor einem Bruchteil seiner Zuschauer abzuliefern, so der bereits zitierte Fachmann.
