Thomas Hitzlsperger von Stuttgart zu Lazio Rom

Ex-Kapitän der Schwaben will sich in Italien für die WM empfehlen

Nach seiner Demontage beim VfB Stuttgart sucht Thomas Hitzlsperger Zuflucht bei Lazio Rom. Mit guten Leistungen will er sich Jogi Löw als WM-Stammspieler empfehlen.

Sag zum Abschied leise servus – angesichts des stillen Abgangs von Thomas Hitzlsperger zu Lazio Rom mag sich so mancher Fan des VfB Stuttgart an den alten Schlager erinnert haben. Keine Blumen, keine standing ovations: Kurz vor Ablauf der Winter-Transferfrist bestieg der Ex-Kapitän des Bundesligisten ohne großes Tamtam den Flieger gen Süden. Und war weg.

Als Kapitän war Hitzlsperger lange Stütze des VfB Stuttgart

Noch zu Saisonbeginn war der gebürtige Münchner über jede Personaldiskussion erhaben. Als Spielführer war er lange eine feste Stütze des Teams und genoss bei Kollegen und Trainer Markus Babbel gleichermaßen eine Menge Respekt. Fans und Reporter mochten ihn für seine ruhige Art und kluge, differenzierte Interviews – ist Hitzlsperger doch einer jener seltenen Profis, die ihre Freizeit lieber lesend als vor der Playstation verbringen.

Doch dann stürzte der VfB in der vergangenen Hinrunde in eine schwer zu erklärende Krise. Alle spielten schlecht, kaum ein Pass kam mehr an. Der ambitionierte Klub dümpelte in der Abstiegszone, Babbel geriet in Bedrängnis. Und um ein Zeichen zu setzen, rotierte der Coach Hitzlsperger erst immer häufiger aus dem Team und nahm ihm schließlich sogar die Kapitänsbinde weg. Eine Demontage auf Raten, eher aus Hilflosigkeit denn aus sachlichen Gründen. Denn Hitzlsperger spielte zwar schwach – aber auch nicht schwächer als seine Kollegen.

Hinter Khedira, Träsch und Kuzmanovic nur noch Nummer vier

Den sensiblen Profi nahm die Degradierung sichtlich mit. Im Winter-Trainingslager schob er zwar Extraschichten, kam aber auch unter dem neuen VfB-Trainer Christian Gross nicht zum Zuge. Hinter Khedira, Träsch und Kuzmanovic war er zuletzt nur noch die traurige Nummer vier auf seiner Lieblingsposition im defensiven Mittelfeld.

Als 18-Jähriger war Hitzlsperger 2000 aus der Jugend des FC Bayern zu Aston Villa nach England gewechselt. Beim Klub aus Birmingham arbeitete er sich in die erste Mannschaft hoch, absolvierte 99 Profispiele und erwarb sich dank seiner Schussgewalt den Spitznamen „Hitz the Hammer“. 2004 wurde er erstmals in die deutsche Nationalelf berufen, wo er es bislang auf 51 Einsätze und 6 Tore brachte, ein Jahr später holten ihn die Schwaben aus der Premiere League an den Neckar.

Wichtige Tore als Beitrag zur Deutschen Meisterschaft 2007

Auch beim VfB ging es für den Familienmenschen, der sechs Geschwister hat, lange Zeit steil bergauf. Mit wichtigen Toren trug er 2007 wesentlich zur Deutschen Meisterschaft der Stuttgarter bei. Das schönste davon erzielte er im entscheidenden letzten Saisonspiel gegen Cottbus, als er einen Eckball aus 18 Metern per Volley-Abnahme im Gehäuse des Gegners versenkte. 2008 machte ihn der damalige Trainer Armin Veh dann sogar zum Kapitän.

In 125 Bundesligaspielen hat Hitzlsperger für die Schwaben 20 Treffer erzielt, doch nun ist seine Zeit abgelaufen. „Das Ende war für mich natürlich nicht befriedigend und auch nicht schön, aber so ist Fußball“, verabschiedete er sich via VfB-Homepage von den Fans. Bei Lazio Rom erwartet ihn nun ein hartes Stück Arbeit: der Traditionsklub kämpft in der Serie A gegen den Abstieg.

Bundestrainer Löw riet explizit zum Vereinswechsel

Den soll Hitzlsperger verhindern helfen – und natürlich möchte er sich in Rom auch für die WM in Südafrika empfehlen. Bundestrainer Löw hatte ihm ja zwecks Spielpraxis explizit zu einem Vereinswechsel geraten. Da Torsten Frings in der Nationalelf keine Rolle mehr spielt und sich Leverkusens Simon Rolfes schwer verletzt hat, sind Hitzlspergers Chancen auf den Platz vor der Abwehr im DFB-Team gestiegen. Um ihn wirklich zu bekommen, muss er jedoch im hellblauen Lazio-Trikot ein paar gute Spiele abliefern.