Thomas Kinkade, der „Painter of Light“, gilt als einer der erfolgreichsten Maler der Gegenwart – und das nicht nur in Amerika. Auch in Europa hat heute 52-jährige Kalifornier, der sich selbst als „meist gesammelter lebender Künstler Amerikas“ bezeichnet, in den letzten Jahren eine Riesen-Fangemeinde um sich scharen können.

Der Maler des Lichts berührt die Herzen der Menschen

Die Werke des selbst ernannten „Malers des Lichts“ zeigen ausgesprochen idyllische Motive: traumhafte Gärten in leuchtenden Farben, von sanften Wasserläufen durchzogene Landschaften und liebliche Cottages, die in der hellen Augustsonne genauso schön strahlen wie in der Abenddämmerung oder im tiefsten Winter. Das Licht des Himmels, das Licht von Laternen am Wegrand und das Licht aus den Fenstern machen die Gemälde vertraut und schön – und gerade die verschneiten Winterbilder berühren die Herzen der Menschen zur Weihnachtszeit ganz besonders.

Kalender und Weihnachtsgeschenke mit Kinkade-Motiv

Keine Frage: Thomas Kinkade ist ein Phänomen. Ein umstrittenes, zugegebenermaßen, denn für die exzessive Vermarktung seiner Kunst steht er bei seinen Kritiker heftig in der Diskussion. Nicht nur, dass er seine Gemälde über Teleshopping-Kanäle vermarktet, auch sonst fördert er den Verkauf auf jede erdenkliche Weise und hat sogar den deutschen Versandhandel im Sturm erobert: Die lichtdurchfluteten Kinkade-Motive begegnen uns auf den verschiedensten Sammlerartikeln. Ob Puzzle, Windlicht oder Uhr – alles was bemalt oder bedruckt werden kann, zeigt Motive des Künstlers. Und als Weihnachtsgeschenk sind die stimmungsvollen Kinkade-Motive insbesondere auf Kalendern und Kerzen immer ein Volltreffer. Faszinierend sagen die einen, furchtbar kitschig die anderen.

Das geheimnisvolle N in den Bildern von Thomas Kinkade

Kunstkritiker mögen sein Talent bezweifeln, von der Wärme, die von den erleuchteten Fenstern und heiteren Landschaften ausgeht, kann sich allerdings kein Betrachter freisprechen. Seine Fans lieben Thomas Kinkade für seine Bilder, mit denen er ihnen Momente des Glücks schenkt und eine leise Ahnung vom Paradies gibt. Auf seiner Webseite beschreibt Thomas Kinkade seine Inspiration so: “My mission as an artist is to create glimpses of a world that are tranquil, peaceful and full of the beauty of God's creation. That's what I mean when I talk about sharing the light.” Ruhe, Frieden und die Schönheit der Schöpfung Gottes – das ist es, was der Maler dem Betrachter vermitteln möchte. Und nicht nur das: Häufig sind kleine Botschaften in seinen Werken versteckt – eine Zahl beispielsweise und der Buchstabe N. Sie stehen im engen Zusammenhang zueinander, denn die Zahl zeigt an, wie oft der Buchstabe N – er symbolisiert den Vornamen von Kinkades Ehefrau Nanette – im Motiv versteckt ist. Den Rekord halten 156 Ns in einem Bild der Golden Gate Bridge.

Media Arts Group - Milliardenumsätze mit aufgepeppten Kunstdrucken

In den Museen sucht man Kinkade-Bilder (bisher) vergeblich, allerdings verkaufen in Amerika mehrere Hundert Galerien ausschließlich Kinkade-Bilder. Seine Werke hängen in schätzungsweise 12 bis 15 Millionen amerikanischen Haushalten. Kaum jemand dürfte über ein Original verfügen, denn Kinkade verkauft nur Kunstdrucke seiner Werke. Mit seiner Firma „Media Arts Group“ hat sich das Marketinggenie selbst den größten Kunstverlag der Welt aufgebaut, der Milliardenumsätze macht. Hier werden seine unverkäuflichen Originalbilder mit Hilfe eines geheimen Verfahrens codiert und auf Spezialpapier gedruckt.

Zertifizierung nach Veredelung mit kleinen Farbtupfern

Die „Berliner Zeitung“ verriet im Februar 2002 in einem Artikel über den „Kitschkönig“ einige Details der Produktion: „In mehreren Schritten werden die Drucke geschnitten, auf Leinwand aufgezogen, mit ein paar Pinselstrichen veredelt und einem Zertifikat versehen. Die Veredelung findet in Gruppen von sechs sogenannten Highlightern statt. Die Lithografien werden von ihnen punktuell bemalt, das heißt, jeder Maler pinselt Farbtupfer auf ein paar Stellen des Bildes, bevor er es nach wenigen Minuten an den nächsten weiterreicht, der wiederum selbst mit dem Pinsel einige Stellen ‚aufhellt‘. Die Highlighter werden vom Meister persönlich geschult.“

Das ist also das Erfolgsgeheimnis der Marke Kinkade: Bis zu 1.200 Posterdrucke werden pro Tag mit Original-Pinselstrichen versehen und auf diese Weise zu zertifizierten und wertvollen Unikaten gemacht, die bis zu 5.000 Dollar kosten können – und manchmal auch mehr, wenn der Künstler höchstpersönlich für den letzten Farbtupfer noch einmal den Pinsel führt.

Familiensinn, Gottesfurcht und die Liebe zur Natur

Für Thomas Kinkade zu arbeiten, ist für die fast 600 Mitarbeiter des Unternehmens eine große Ehre, denn für sie und viele seiner Fans ist er weit mehr als ein Künstler: der „Painter of Light“, der mit seinen Werken Liebe, Glaube und Hoffnung symbolisiert. In Büchern, auf Videos und auch vor großem Publikum predigt der gläubige Christ Familiensinn, Gottesfurcht und Liebe zur Natur. Immer wieder zitiert er den berühmten Bibel-Vers Johannes 3,16: „Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat.“

Painter of Light - Inspiration aus der Schöpfung Gottes

Im Jahr 2009 sprach er in einem Interview, das Reverent Anthony Harper der „Christian Intermountains News“ mit Thomas Kinkade führte, Klartext über seine Inspiration: „Meine Überzeugung ist, dass Künstler eine große Chance haben, den Menschen einen Spiegel vorzuhalten, sie an Gottes Schöpfung zu erinnern. (…) Wir fahren durch die Schönheit dieser Welt, ohne anzuhalten, ohne Notiz zu nehmen von der Schöpfung aus Gottes Hand. (…) Meine Arbeit strahlt Licht aus. Das Licht, das ich darzustellen versuche, ist nicht einfach nur das sichtbare, wahrzunehmende Licht, sondern ebenso das Licht der strahlenden Liebe Gottes. Die Wahrnehmung von Menschen in Frieden, wenn man in die Fenster hineinschaut; eine völlige Behaglichkeit und Ruhe, die Menschen heute mehr denn je benötigen."

Weitere interessante Details zum Phänomen Thomas Kinkade sind nachzulesen im einem „Zeit Online“-Artikel aus dem Jahr 2005: Aus dem Rahmen gefallen und in der aus dem Jahr 2001 stammenden „Focus“-Reportage Heile Welt für Millionen.

Die Namen der Kinkade-Töchter finden sich in vielen Bildern wieder

Zur Person: Kinkade wurde am 19. Januar 1958 in Sacramento geboren und wuchs in der kalifornischen Kleinstadt Placerville auf. Nach dem Highschool-Abschluss besuchte er die die University of California, Berkeley und das Art Center College of Design in Pasadena. 1982 heiratete er seine Frau Nanette, mit der er vier Töchter hat: Merritt (*1988), Chandler (*1991), Winsor (*1995) und Everett (*1997). Und wer jetzt glaubt, diese Namen im Zusammenhang mit den Bildern schon einmal gesehen zu haben, der irrt nicht: Kinkade hat seinen Kindern viele Motive gewidmet. Fast jeder kennt zum Beispiel das Bild „Everett's Cottage“, das er 1998 seiner jüngsten Tochter zu Ehren präsentierte.