
- Lebensfreude - Ulrich Grasberger/Pixelio.de
Im Sommer mit den Kindern eine Nacht unter freiem Himmel verbringen: „Für fast alle Kinder ist so eine Nacht ein unvergessliches, spannendes und sehr abenteuerliches Ereignis (...)“. Und genau darum geht es in diesem Buch. Der Autor Thomas Lang zeigt praktische und einfache Methoden, um Abenteuer im Kinderalltag möglich zu machen. Ausgangspunkt ist die Lebenswelt heutiger Kinder, die von Konsum und Medien bestimmt wird. Kinder wachsen in einer Erwachsenenwelt auf, wo große Einkaufszentren und Straßen die Stadtbilder dominieren. Spielen ist oft nur auf Spielplätzen möglich, die in vielen Gegenden aber gar nicht vorhanden sind. Fernsehen und Computer ersetzen immer häufiger Spielkameraden und begrenzen die Möglichkeiten, Primärerfahrungen zu machen. Deshalb, so der Autor, ist es wichtig, dass Eltern und Pädagogen den Kindern helfen, Abenteuer zu erleben.
Abenteuer helfen Kindern beim Sammeln von Primärerfahrungen
Zunächst unterscheidet Lang zwischen Primär- und Sekundärerfahrungen. Primärerfahrungen bestehen aus Erlebnissen, die mit allen Sinnen wahrgenommen und aktiv miterlebt werden. Sie helfen den Heranwachsenden, sich und die Umwelt bewusster wahrzunehmen. Sekundärerfahrungen werden in erster Linie durch die Medien angeboten. Charakteristisch für sie ist die Tatsache, dass nur ein Teil der Sinne miteinbezogen wird, und dass sie gar keine oder nur eingeschränkte Einflussmöglichkeiten zulassen. Abenteuer sieht der Autor als „eine Form des intensiv Sich-selbst-Erlebens.“ Kinder lernen bei Abenteuerspielen ihre Fähigkeiten einzusetzen. Sie sammeln dabei wichtige Erfahrungen, die ihnen beim Entwickeln einer selbstbewussten Persönlichkeit helfen können. Sie sitzen nicht nur „in der ersten Reihe“ wie beim Fernsehen, sondern sind Teil des Geschehens. Bei einer Schnitzeljagd, um nur ein Beispiel zu nennen, nehmen die Kinder unmittelbar an den Ereignissen teil, sammeln Primärerfahrungen, die ihnen bei Computerspielen verwahrt bleiben.
Abenteuerwelten und die kindliche Entwicklung
Es gibt unterschiedliche Abenteuerwelten, die mit der Entwicklung der Kinder zusammenhängen. Lang beschreibt acht Grundthemen, die für Kinder zwischen 6 und 13 Jahren von großer Bedeutung sind und die jeweils mit einer Abenteuerwelt verknüpft sind. Zu jedem einzelnen Thema werden konkrete Beispiele genannt. Die Themen sind: 1. Jagen und Sammeln, 2. Sich ein eigenes Haus bauen, 3. Pflegen und Hüten, 4. Entdecker und Erfindergeist, 5. Handwerk und Handel, 6. Freundschaften, Gruppen und Banden, 7. Körpererfahrungen, 8. Fantasiewelten.
Hier zeigt sich, dass der Autor ein guter Beobachter ist, der aus seiner langjährigen beruflichen Erfahrung in der Arbeit mit Kindern berichten kann. Er beschreibt Spielszenen, die in unterschiedlicher Form über Generationen hinweg immer wieder auftauchen. Jagen gehört beispielsweise dazu. Kinder versuchen alles mögliche zu fangen: von Insekten über Frösche bis hin zu Mäusen. Das Fangen steht stärker im Vordergrund als Überlegungen darüber, was mit der Beute anzufangen sei. Weitere konkrete Ideen werden anhand der acht Themen im nächsten Kapitel dargestellt.
Abenteuer in Familie und Kinderalltag integrieren
Nachdem er die Lebenswelt und die kindliche Entwicklung beschrieben hat, kommt Lang zum praktischen Teil. Er zeigt Wege, wie man das Abenteuer in der Familie und im Kinderalltag integrieren kann. Sei es beim Erforschen der Elemente oder beim Erleben der Jahreszeiten. Seine Ideen sind in der Regel unkompliziert und lassen sich mit wenig Aufwand betreiben. Ein großer Wert wird dabei auf das Entdecken der Natur gelegt. Kinder sollen dazu animiert werden, Pflanzen zu säen, zu pflegen und wenn möglich auch zu ernten. Viel Platz ist hierfür nicht unbedingt nötig, es genügen schon ein paar Blumentöpfe auf der Fensterbank. Aber auch klassische Abenteuerspiele wie Schnitzeljagd oder Räuber-und-Gendarm werden beschrieben. Beim Erforschen der vier Elemente Feuer, Wasser, Luft und Erde ergeben sich unzählige Möglichkeiten, Abenteuer zu gestalten. Weil einige Abenteuer, wie das Töpfern im selbstgebauten Ofen, gefährlich sind, wird das Buch durch ein kurzes Kapitel zum Thema Aufsichtspflicht und Haftung ergänzt.
Jugendfarmen und Aktivspielplätze
Zum Schluss wird das Konzept der Jugendfarmen und Aktivspielplätze beschrieben. Hierbei handelt es sich um Plätze innerhalb von Großstädten, wo die Kinder zwar geschützt sind, aber trotzdem viele Freiheiten beim Spielen haben. Diese Freiheiten werden unter anderem dadurch erreicht, dass fertige Spielgeräte kaum vorhanden sind. Kinder können alles aktiv selbst gestalten und auch wieder verändern, wenn es ihren Vorstellungen nicht mehr entspricht. Tiere sind fester Bestandteil der Jugendfarmen und werden von den Kindern gemeinsam gepflegt und gefüttert. Dadurch lernen sie Verantwortung zu übernehmen und auch die Tiere zu schätzen. Eine pädagogische Betreuung gehört sowohl bei den Jugendfarmen als auch bei den Aktivspielplätzen dazu. Die Angebote sind stark handwerklich orientiert und die Teilnahme ist freiwillig. Aktivspielplätze und Jugendfarmen stellen Alternativen zu konventionellen Vergnügungsparks und Spielplätzen dar. Sie ergänzen die Möglichkeiten, Abenteuer im Kinderalltag zu integrieren . Der Schwerpunkt des Buches liegt aber im privaten Bereich. Es zeigt Eltern ganz konkret, wie sie ihre Kinder unterstützen und ihnen „Erlebnisse zum Staunen und Entdecken ermöglichen können.“
Thomas Lang: Kinder brauchen Abenteuer, 3. Auflage, Reinhardt München Verlag 2006, 103 Seiten, Preis: 12,90.
