Thomas Mann und die Dekadenz

Thomas Mann - armonte
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Der Nobelpreisträger Thomas Mann und seine Neigung zum Abgründigen

Die Décadence ist eine literarische Strömung, die zwischen 1880 und 1910 in Deutschland sehr populär war. Zusammen mit dem Symbolismus, der Neuromantik und dem Ästhetizismus ist sie eine Ausdrucksform des Fin de siècle und entstand in Abgrenzung zum Naturalismus. Es gibt viele Überschneidungen, beider Strömungen, trotzdem ist Décadence nicht mit dem Begriff Fin de siècle gleich zu setzten. Fin de siècle prophezeit das Ende der Gesellschaft, während die Décadence eine selbstbewusste Gegenposition zur zeitgenössischen Gesellschaft sein und Misslichkeiten mit einem Gegenentwurf neutralisieren will. Ein Grund für die Begriffsvielfalt war ein starker Umbruch der Lebensverhältnisse und der literarischen Welt um die Jahrhundertwende, der von den verschiedenen Autoren unterschiedlich aufgefasst und verarbeitete wurde.

Entwicklung des Begriffs Décadence

Der Begriff der Décadence oder Litterature de décadence wurde ursprünglich vor allem von französischen Autoren entwickelt. Seine erste Verwendung fand sie bei Paul Bourget. Seit den 1880er Jahren ist der Begriff auch in der deutschen Literatur zu finden. Werke von Rilke, Hofmannsthal und die Frühwerke von Heinrich und Thomas Mann werden dieser Richtung zugeordnet. Die Autoren der Décadence sahen dem Ende des Jahrhunderts pessimistisch entgegen. Der zunehmende technische und wirtschaftliche Fortschritt, aber vor allem der Verlust des Bürgertums an Einfluss, lösten eine starke Machtlosigkeit aus, die in der Literatur ihren Eingang fand. Überall sahen sie Zeichen der Auflösung und des Niedergangs. In ihrer Wahrnehmung war es eine Zeit der gesellschaftlichen Fäulnis, der Krankheit und Neurosen.

Décadence bedeutet, gegen Fortschritt zu sein, ohne aber gleichzeitig zurück zur Natur zu wollen. Ein Streben nach Künstlichkeit als Gegenwelt zur Natur. Neben der Künstlichkeit war auch die Schönheit von entscheidender Wichtigkeit. Sie reichte bis zur Selbstaufgabe für das Schöne.

Wagner und Schopenhauer waren die gefeierten Künstler der dekadenten Autoren. Häufig wurde gerade mit oder zu Wagners Musik der Niedergang eingeleitet.

Auch eine ausgeprägte, bis zur Perversion reichende Sexualität war typisch für die Décadence. Dazu gehörte natürlich auch die Homosexualität. Sie findet sich unter anderem in Werken von Oscar Wilde, Thomas Mann, Kurt Martens, Paul Verlaines und Robert Musil behandelt.

Thomas Mann - ein Dekadent?

Thomas Mann ist einer der Autoren, der nicht zweifelsfrei einer Richtung zugeordnet werden kann. Manns Frühwerk wird zumeist als dekadent eingestuft, trotzdem verwendet er naturalistische Arbeitsweisen. So sind seine Figuren mit „naturalistischer Unerbittlichkeit“ gezeichnet, schreibt Wolfgang Beutin in der Deutschen Literaturgeschichte. Auch experimentiert er wenig mit Sprache und bleibt der Ausdrucksweise des 19. Jahrhunderts treu.

Seine Novelle der Tod in Venedig gilt mit den Buddenbrooks zusammen als sein dekadentestes Werk.

Viele der Autoren die heute und damals als dekadent galten, sahen sich selbst nicht als solche an. Thomas Mann ist einer der ganz wenigen, die sich schriftlich zur Strömung der Décadence bekannt hat. Durch seine Nietzsche-Lektüre war der junge Autor früh mit dem Verfall in Berührung gekommen. Im Spätwerk Manns verlieren sich die dekadenten Züge nach und nach.

Jasmin Seimann, Jasmin Seimann

Jasmin Seimann - Nach einem verletzungsbedingt abgebrochenen Tanzstudium fand ich schnell zu meiner zweiten Leidenschaft: Lesen und Schreiben. Ich ...

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