Conchita Wurst - der Travestie-Star - hat es wahr gemacht: Die Diva mit
dem Vollbart gewann beim Eurovision Song Contest 2014 souverän - mit
Abstand. Es
ist der zweite Sieg Österreichs nach Udo Jürgens’ Triumph im Jahr 1966.

Wer oder was aber ist nun Conchita Wurst?

Eine Frau mit Bart oder ein Mann mit Busen? Ein kleiner Überblick über ihren medialen Werdegang.

Bei der Großen Chance 2011 spaltete sie erstmals die Geister. Im Sommer 2013 machte sie sich dran bei den deutschen Nachbarn im neuen RTL Wüstencamp die Leute zu verwirren. Oder empören? Oder doch eher betören? Denn Conchita, oder Thomas ist eine ganz Liebe/Lieber.

In acht Folgen, Beginn war 10. Juni (Moderator Andreas Jancke) wurden in "Dschungelcamp-Manier" die 12 Kandidatinnen auf die Unbillen der Wüste losgelassen. Unter 11 echten (wenn auch nicht alle Körperteile) Damen eben auch Conchita Wurst. Der/die hatte starke Nerven und kam bis ins Finale. Gewonnen hat sie nicht, dafür aber den Marktwert erheblich erhöht.

Conchita für Österreich beim Song-Contest 2014

Nun geht Conchita Wurst im Mai 2014 zum Eurovision Song Contest in die dänische Hauptstadt Kopenhagen. Sie hat es also doch geschafft.

Mit "Rise like a Phoenix" will er/sie Europa für Österreich erobern.

Was aber ist nun an Conchita "Mann“ und was ist "Frau“? Und: Ist ganz Europa plötzlich wahnsinnig tolerant geworden? Mal schauen.

So fing bei der Großen Chance 2011 der Rummel mit Conchita an

Bei der 2011 auf ORF eins laufenden Talenteshow „Die Große Chance“ begeisterte und verwirrte in der dritten Vorrunde ein berückend anzusehendes weibliches Wesen mit Superstimme; wäre da nicht der verflixte Bart gewesen. Unübersehbar, nicht zu ignorieren. Mann/Frau oder etwas dazwischen?

Wer oder was ist nun besagte Conchita Wurst?

Conchita Wurst aus dem kolumbianischen Hochland, ist das Alter Ego eines jungen Steirers: Thomas Neuwirth (22), seines Zeichens Ex-Starmaniac, der sich in der dritten Staffel von "Starmania" (2006) nur der Tirolerin Nadine Beiler geschlagen geben musste. Der in der damaligen Staffel, ob seiner dramatisch inszenierten Auftritte, auch als Drama-Queen tituliert wurde und schon damals gelegentlich seine Liebe zu Frauenkleidern bekundete.

Thomas Neuwirth aus der Steiermark, eine Geschlechtersuche

Geburtstag: 6. November 1988, Sternzeichen: Skorpion, Modeschüler, Homosexueller oder doch eher Transgender? Transgender (lateinisch: aus trans "jenseitig“, "darüber hinaus“ und englisch gender "soziales Geschlecht"), also ein Mann-zu-Frau Neigender.

Als Transfrau oder auch shemale bezeichnet man Menschen, die sich als Frau in Männerkörpern fühlen. Deshalb streben sie geschlechtsangleichende Maßnahmen an, um den (männlichen) Körper dem gefühlten Identitätsgeschlecht anzupassen, mit Kleidung, Make up, Perücke, aber auch mit Operationen. Für die Betroffenen ein wahrlich nicht leicht zu lösendes Problem.

Was Tom nun wirklich ist, einfach nur ein Travestiekünstler, Transgender oder Transsexueller, der Sehnsucht nach seinem idealen Geschlecht hat, kann nur er selbst beantworten. Und die Wahrheit geht auch nur ihn selbst etwas an.

Thomas Neuwirth - "Starmania" 2006 und die Zeit danach

Was wurde nach "Starmania" aus dem wirklich begabten Thomas (Tom)? Eine künstlich zusammengestellte Boyband sollte den begabten Nicht-Siegern von Starmania, Jonny, Martin, Falco und Tom eine gute Rampe ins Showgeschäft sein. JETZT ANDERS! hieß sie, die Boyband, die alle begeistern sollte. Aber bis auf ein paar gute Nummern und Auftritte hatte diese Band wenig Zukunft.

Travestiekunst als anderer Weg auf die Bühnen dieser Welt

Tom wäre nicht der erste begabte Musiker oder Schauspieler, der diesen Weg auf die Bühne wählt. Travestiekünstler gibt es als gute Vorbilder zur Genüge, und viele davon haben Kultstatus: Lilo Wanders alias Ernst-Johann Reinhardt im deutschen Raum oder Dame Edna Everage, die fiktive Figur des australischen Komikers Barry Humphries.

Conchita - Kunstfigur?

Für diese Theorie, dass "Conchita
Wurst" schlicht und einfach eine von Tom Neuwirth grandios erfundene
Kunstfigur ist, spricht vor allem sein eigenes Statement.

"Dem armenischen ESC-Teilnehmer Aram MP3, demzufolge Conchita Wurst sich
entscheiden sollte, "ob sie eine Frau oder ein Mann ist", richtete sie
über die Tageszeitung "Heute" aus: "Aram, mein Herz: Ich bin eine
arbeitende Frau und ein wahnsinnig fauler junger Mann in meiner
Freizeit, und das wird sich nicht ändern.
"

weiter lesen: Conchita Wurst


War die ORF-Show für Tom alias Conchita Wurst wirklich die große Chance?

Einen Fan eroberte Conchita Wurst auf alle Fälle: Show-Jurorin Karina Sarkissova. „Einfach geil!“, kommentiert sie seinen Auftritt begeistert. „Sie war die Erste, die mich zu Tränen gerührt hat!“ Ihr Kommentar: „Ich weiß nicht genau, ob du Mann oder Frau bist, aber du bist ein wunderschöner Mensch und so was von talentiert. Du bist jetzt und hier ein Star!“

Allerdings haben solche spontanen „Star-Prophezeiungen“ leider nur eine kurze Halbwertszeit.

Wer oder was nun Tom alias Conchita ist oder darstellt, ist in dieser Show nicht die Frage. Bei der Großen Chance ging es allein darum, ob jemand aus seinem Talent wirklich für ein breiteres Publikum interessant ist: Die Menschen berührt, staunen lässt, bezaubert, einige wenige Minuten mit seiner Performance gefangen nimmt. Nur das sollte zählen. Wenn das Tom als Conchita gelingt: Wunderbar.

Das Finale der großen Chance: und wieder siegte eine andere - Christine Hödl

Knapp daneben ist auch vorbei. Kein Sieg für Conchita/Tom. Die österreichischen Zuschauer haben entschieden. Gegen die Kunstfigur und für ein authentisch rüber kommendes Wesen, nicht gegen Tom/Conchita, aber mit großer Mehrheit für Christine Hödl. Auch wenn es in der Entscheidung vielleicht doch keine Rolle spielen sollte, denn nur die Stimme und die Performance sollten eigentlich bewertet werden: auch Christine Hödl entspricht nicht so ganz dem gängigen Frauenbild.

Tom lebt mit einem Mann in Partnerschaft, Christine zum Ausgleich mit einer Frau. Statistisch gesehen passt somit alles wieder. Auch wenn es für den Sieg nicht gereicht hat, die Aufmerksamkeit der Medien hatte eindeutig Conchita auf sich gelenkt und diese Chance wurde genützt.

Conchita Wurst/Tom Neuwirth und Baku: Eurovision Song Contest 2012

Wenn sogar die BILD-Zeitung dem österreichischen "möglichen " Teilnehmer unter dem Titel: "Eurovision Song Contest: Conchita Wurst - Diese Drag-Queen will für Österreich zum Grand Prix. Da würde Aserbaidschan Augen machen!" eine ganzen Spalte widmet, dann ist ein guter Schritt in die Aufmerksamkeit außerhalb von rot-weiß-roten Zaunlatten getan. Aufstieg in die C-Promiliga und in echte TV-Fegerformate wie Dschungelcamp & Co. Dass es wieder einmal nur zum zweiten Platz reichte, sollte Conchita/Tom nicht entmutigen. Mit echter Fairness wünschte er den Siegern Trackshittaz viel Erfolg in Baku.
PS: Sie wurden jämmerlich in Baku abgewatscht. Also war Daheimbleiben vielleicht die bessere Alternative?

Und nun folgte die zweite Chance für den Eurovosions Song Contest, als weiterer Schritt in die Medienwelt. Ein Song für Österreich.  Viel Glück.

Ein souveräner Sieg beim Eurovision Song Contest 2014

„Alles, was jetzt kommt, ist nur noch Zugabe,“ sagte noch Conchita Wurst vor dem Finale, um bezüglich der eigenen Chancen für den Eurovision Song Contest tiefzustapeln. Also hieß es: "Toi, toi, toi. Viel Glück und rise like a phoenix!" Und wie dieser Phönix aus der Asche stieg.
Immerhin 13 Länder voteten mit der höchsten Punktezahl. Satte 290 Punkte betrug dann das Voting, 52 Punkte Vorsprung zum Zweiten, dem Beitrag aus den Niederlanden.
zum Nachsehen:

Schlussbemerkung: Ob es nur dem großartigen, Bond-liken Song samt der tollen Stimme von Thomas Neuwirth/alias Conchita Wurst zu danken ist; oder ob es auch dem Respekt vor dem Mut und als Zeichen von fröhlicher gelassener Toleranz gegenüber denen, die etwas anders sind, zu werten ist, wird vielleicht die kommende Zeit zeigen.
Ein gutes Schauspiel hat die rassige Conchita auf jeden Fall an diesen ESC-Abenden 2014 geliefert. Österreich darf stolz sein.

Interview: Auch Conchita ist ganz Tom

Ein Interview mit einer Freundin bereits aus Kindestagen, klärt vielleicht doch ein wenig, die Faszination, die Conchita/Tom ausstrahlt.
Interview Kurier


Fotos: ©Orf/Ali Schafler. ©ORF/Hubert Mican, ©ORF/Milenko Badzic

Quellen: ORF; RTL.

Anmerkung: "shemale" Ich wurde darauf aufmerksam gemacht, dass dieser Begriff unter transidenten Menschen oft einen negativen
Beigeschmack hat. Der Begriff wird häufig in der Erotikbranche verwendet
oder dient als Beleidigung.
Die Bezeichnung wird hier auf keinen Fall in herabsetzendem Sinne verwendet.