Thomas Plischke - Die Zombies

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Cover "Die Zombies" - parallelwelten.wordpress
In seinem neuesten Roman führt Plischke seine Leser in eine Welt voller Wesen, die sie bis dahin so sicher noch nicht gekannt haben

Am Anfang des Buches lernt der Leser Lily kennen. Lily, deren Vorfahren von den karibischen Inseln stammen, schreibt derzeit an einer Arbeit für ihr Studium, in der es um das Thema Untote in den verschiedenen Kulturen geht.

Auf der Beerdigung ihres Großvaters lernt sie den attraktiven Victor kennen, der ihr verspricht, ihr etwas zu zeigen, das für ihre Arbeit interessant sein könnte. Er nimmt sie mit in einen Club, wo sie in einem bizarren Spiel gegen zwei „Zombies“ antritt. Als einer der „Schauspieler“ sie beißt, denkt sich Lily nicht viel dabei.

Erst als ihr Appetit beginnt, sich zu verändern und rohe Tauben auf dem Speiseplan stehen, beginnt sie zu begreifen. Sie ist tot. Und doch lebendig.

Ab diesem Zeitpunkt teilt sich die Handlung in drei Stränge. Einerseits begleitet man Lily und Victor (der ebenfalls ein Zombie ist) in ihrem Leben als Untote.

Andererseits fährt man mit Lilys Freund Gottlieb nach Deutschland, wo er das Erbe seines Vaters antritt. Gottliebs Familie ist schon seit Generationen der Jagd nach Untoten verschrieben. Ihre Aufgabe ist es, Nahtstellen (Stellen an denen besonders böse Energie aus der Erde strömt und wo Zombies entstehen können) zu finden und zu verschließen. Und Untote zu vernichten.

Die dritte Handlung spielt in Monza, wo der junge Ben zusammen mit seiner Freundin Alice das Geheimnis der „Alten“ lüften will, denen sich jedes Kind an der Schwelle zum Erwachsenwerden stellen muss. Das kleine Dorf, in dem beide leben, heißt Manger (manger auf Französisch: essen, ein eindeutiges Zeichen also, worum es in diesem Dorf wirklich geht)

Erst kommt der Alltag, dann folgt der Horror

Der Aufbau des Buches von Thomas Plischke ist sehr interessant und weicht deutlich von anderen Büchern dieses Genres ab. Anfangs scheint alles normal zu sein. Eine junge Frau, die an einer Arbeit schreibt. Ein Mann, der die Firma seines Vaters erbt und leiten muss. Zwei Jugendliche, die zusammen den Mythos um die Rituale in ihrem Dorf lösen wollen.

Nach und nach jedoch beginnt die Handlung beinahe schon ins surrealistische abzuweichen.

Lily mutiert offenbar zum Zombie, doch nicht jene Art, die nur hirnlos durch die Gegend läuft und Menschen frisst. Sie ist intelligent und beinahe schon menschlich, nur dass sie eben tot ist.

Gottlieb rüstet sich zum Kampf gegen die Zombies, die Firma seines Vaters dient zur Zombiejagd.

Und in Manger gehen merkwürdige Dinge vor, so sind die „Alten“ realer, als es anfangs den Anschein hatte. Und es verschwinden immer wieder Fremde, die das Dorf zufällig besuchten. Ihre Autos wandern in die Schrottpresse von Bens Onkel, ebenfalls ein Detail, das in Zusammenhang mit den neuen Informationen einen grausigen Aspekt erhält.

Gegen Ende treffen sich die drei Handlungsstränge, auch wenn man anfangs nicht wusste, wie sie miteinander verbunden sein sollen.

Alles endet in Manger bei einem blutigen Ritual der Zombies. Und es endet nicht besonders gut.

Eine neue Art von Zombie

Thomas Plischke erfindet in seinem neuesten Roman ebenfalls eine neue Art Zombie. Bisher waren Zombies immer eindeutig Tote, die durch schwarze Magie wieder zum Leben erweckt wurde. Ihr Verstand jedoch blieb offenbar tot, denn ein echter Zombie tut bekanntlich nichts anderes als herumirren und Menschen fressen.

Solche Zombies sind in Plischke's Roman ebenfalls vertreten, doch die meisten ähneln mehr Vampiren als dem typischen Zombie.

Sie sind tot und leben dennoch. Sie sind unsterblich und ernähren sich von Fleisch. Einzig, dass manche die Ewigkeit nicht überdauern und zu einem echten hirnlosen Zombie werden ist etwas, das sie eindeutig von den Vampiren unterscheidet. Die Zombies leben in einer abgeschlossenen Gemeinschaft, nur wenige Leute (wie zum Beispiel die Bewohner von Manger) wissen überhaupt, dass sie existieren. Sie geben sich den Anschein von Zivilisiertheit, doch schon bald merkt der Leser, dass sie im Grunde auch nur Monster sind.

Wer Plischke liest, braucht einen guten Magen

Wer Thomas Plischke liest, bekommt einen guten Einblick in das Leben der Zombies, wie man sie bisher noch nicht kannte. Intelligente Wesen anstatt seelen- und hirnlose Verrückte, das ist, worum es Plischke hier geht.

Doch der Leser braucht auch einen guten Magen. Denn nicht jeder mag die Schilderung von geschlachteten Menschen, deren Fleisch zusammen mit einer Sauce aus Gehirn serviert wird. Oder abgeschnittenen Köpfen, die quicklebendig in einem Glas voll Wasser schwimmen und Fleisch fressen.

Als Fazit lässt sich sagen, dass es sich durchaus lohnt, „Die Zombies“ zu lese, da sie sich mit einem Thema beschäftigen, das in der Fantaysy – Literatur so nicht sehr weit verbreitet ist. Doch wie gesagt, der Leser muss auf einiges gefasst sein und sollte möglichst davor und danach eine lange Zeit kein Fleisch gegessen haben.

Thomas Plischke: Die Zombies, Piper 2010, ISBN: 3492267467, 12,95 Euro

Anna Waldenmair - Im Moment bin ich Studentin für Lehramt Englisch und Geschichte. ich schreibe schon seit einigen Jahren nebenbei Gedichte und ...

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