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Thomas Raab und sein Metzger

Ein sehr persönliches Autorenportrait des Wiener Künstlers

Thomas Raab - Thomas Raab
Thomas Raab - Thomas Raab
Thomas Raabs „Der Metzger muss nachsitzen" war u. a. für den Friedrich-Glauser-Preis nominiert und „Der Metzger sieht rot" ist bereits in den Bestsellerlisten vertreten.

Thomas Raab schreibt spannende, mitunter witzig-skurrile Kriminalliteratur. Geschichten, die für den Leser wie eine schöne Reise anmuten. Hier geht es nicht ums Buchstabenfressen mit dem einzigen Ziel, rasch anzukommen, um endlich zu erfahren, wie ein Kriminalfall endet. Hier geht es ums Abenteuer im Kopf, ums Lesen an sich, um das Spiel mit der Sprache und darum, die vielen kleinen Geschichten und philosophischen Betrachtungen zwischen den Zeilen zu entdecken und zu genießen.

Raabs Krimi-Erstling „Der Metzger muss nachsitzen“ erschien 2007 und wurde prompt für den Friedrich-Glauser-Preis, der bedeutendsten Auszeichnung deutschsprachiger Kriminalliteratur, sowie für den LITERAturpreis für Belletristik nominiert. Sein zweiter Kriminalroman „Der Metzger sieht rot“ mischt bereits kurz nach seinem Erscheinen kräftig in den Belletristik-Bestsellerlisten mit.

Glücklicher Zufall oder kann man das steuern?

„Steuern geht gar nicht“, ist Thomas Raab überzeugt. „Da ich eigentlich nicht zu schreiben begonnen habe, damit ein Buch draus wird, sondern nur so nebenbei aus reiner Freude ohne Absicht, grenzt das für mich generell alles an ein Wunder und verschafft mir eine wunderbare Lektion fürs Leben: Freude ohne Zwang und der Himmel kommen oft ganz von selber.“

Thomas Raab wurde 1970 in Wien geboren, absolvierte das Studium der Mathematik und Sportwissenschaften und gleichzeitig öffentliche Auftritte als Singer-Songwriter, Pianist und musikalischer Leiter einer renommierten Wiener Musicalschule und diverser Musiktheaterproduktionen. Seit 1997 lebt er als freischaffender Autor, Komponist, Interpret und Pädagoge in Wien und kann auf zahlreiche Tourneen, Förderpreise und CD-Veröffentlichungen verweisen, wie etwa auf sein aktuelles Album „Bekenntnis“.

Was liegt ihm näher – die Musik oder die Literatur?

„Das sind so verschiedene Dinge, die lassen sich nicht vergleichen. Schreiben ist ein Selbstgespräch, ein stiller Prozess. Musik hingegen ist Exhibitionismus unter heftiger Anteilnahme eines hoffentlich vorhandenen Publikums. Grundsätzlich fällt es mir leichter, ein Buchkapitel zu schreiben, weil das die absolute Freiheit bedeutet, ohne irgendeine Vorgabe. Das ist wie eine Entdeckungsreise durch den Urwald des eigenen Ichs, spannend! Ein Lied zu schreiben ist dagegen die Komprimierung von Gedanken, eingerahmt von einer genau zu definierenden Musik, für die Lebensdauer weniger Minuten. Wobei wiederum die Tüftelarbeit, das Entwickeln und Konkretisieren von Ideen ungemein Spaß macht.“

In „Der Metzger muss nachsitzen“ erzählt Thomas Raab vom philosophierenden und Rotwein trinkenden Restaurator Metzger, der unfreiwillig seinen geruhsamen Alltag und seine selbst gewählte Einsamkeit verlässt, um herauszufinden, was vor 25 Jahren tatsächlich an seiner Schule passiert war.

Wie viel Thomas Raab steckt im Willibald Metzger?

„Fünf Monate nach dem Tod meines Vaters, hab ich mit dem ersten Metzger begonnen. Und ich glaube fest, nicht ich bin auf ihn, sondern er ist zu mir gekommen, mit meinem Vater im Rucksack. Mein Vater hat während diverser Familienspaziergänge begeistert und mit großer Akribie und Bedächtigkeit alte, wertvolle Möbel aus Containern herausgekramt und heimgeschleppt. Er voran, wir fünfzig Meter dahinter. Zuhause wurde im Wohnzimmer herumrestauriert. Während wir Kinder uns damals dafür geniert haben, sind diese Möbel heute unsere Prachtstücke."

Was er mit dem Willibald Adrian Metzger noch vor hat?

„Wer sich zu viel vornimmt, der nimmt sich auch zuviel, vor allem die Phantasie. Schreiben nach Plan ist für mich undenkbar, ist vorausschaubar und folglich viel zu langweilig. Ein schrecklicher Gedanke, zu wissen, dass ich morgen Kapitel soundso, übermorgen den Plot mit dieser und jener Leiche und in zwei Monaten das bestimmte Ende schreiben müsste."

Der Metzger muss nachsitzen

Kalt ist es und betrunken ist er, der schrullige Restaurator Willibald Adrian Metzger, als er eines Tages im wahrsten Sinne des Wortes über eine Leiche stolpert. Aber es ist nicht irgendein Toter, der da liegt, sondern sein ehemaliger Schulkollege Dobermann, der ihm seine Gymnasiastenzeit zur Hölle gemacht hat. 25 Jahre lang hat der Metzger nichts von seinen Schulkameraden gehört, nun trifft er an einem Abend gleich den nächsten in der Person des Polizeiinspektor Pospischill, der von Metzgers Schilderungen nicht gerade überzeugt ist. Als sie am Fundort eintreffen und die Leiche verschwunden ist, vermutet die Polizei, dass sich Metzger in seinem Rausch alles nur eingebildet hat, und der ist sich auch nicht mehr sicher. Als am nächsten Morgen der Schuh des Toten in einem Plastiksack an der Wohnungstür hängt und Willibald Adrian Metzger bald darauf den Zeigestab seines ehemaligen Klassenvorstands in seiner Werkstatt findet, entschließt sich der schrullige Eigenbrödler, wenn auch widerwillig, diesen Spuren der Vergangenheit nachzuforschen.

Thomas Raab: Der Metzger muss nachsitzen. Verlag Leykam 200. Hardcover, 228 Seiten. Euro 19,90.

Der Metzger sieht rot

Im zweiten Kriminalroman findet sich Willibald Adrian Metzger in einem Fußballstadion wieder. Er, der feinsinnige Restaurator, der Massenveranstaltungen hasst, begleitet seine geliebte Danjela Djurkovic zu einem Spiel ihrer Lieblingsmannschaft. Was ihm sofort aufstößt sind die bösartigen Zurufe der Fans, mit denen sie den afrikanischen Tormann Owuso ausbuhen. Dann, mitten im Spiel, bricht dieser zusammen und stirbt. Er wurde vergiftet. Als Danjela Djurkovic Nachforschungen anstellt und von Ultras derart verprügelt wird, dass sie in Lebensgefahr schwebt, sieht der sonst so friedliche Metzger rot und macht sich daran, die Wahrheit aufzudecken. Er ahnt, dass hinter dem Mord und dem Anschlag auf seine Angebetete mehr steckt, als sein Freund Kommissar Pospischill vermutet. Im Zuge seiner Recherchen trifft er auf die eigenartigsten Charakteren und philosophiert mitunter über Putzfrauen und homöopathische Mittel.

Thomas Raab: Der Metzger sieht rot. Verlag Leykam 200. Hardcover, 228 Seiten. Euro 19,90.

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Ilona Mayer-Zach, Sabine Windsor

Ilona Mayer-Zach - Geboren in Graz, Wahlwienerin. Studium der Publizistik- und Kommunikationswissenschaften; Medienkundlicher ...

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