Editor's Choice

Thriller-Serie "24": Nach Staffel 8 ist Schluss

Kiefer Sutherland – Ende einer Profilaufbahn als Terroristenjäger

Aktueller Cast von 24 - 20th Century Fox
Aktueller Cast von 24 - 20th Century Fox
Kiefer Sutherlands "Jack Bauer" tritt nach der 8. Staffel der Erfolgsserie aus dem US-Fernsehen ab. Ein Kinofilm zum Abschluss soll folgen.

Es war klar, dass irgendwann Schluss sein würde. Kiefer Sutherland, Hauptdarsteller und Co-Produzent der populären Thriller-Serie „24“ gab unlängst bekannt, dass die Serie auf dem US-Sender FOX nicht fortgesetzt werde. Das Drehbuch zu einem Kinofilm, der das Erfolgsformat ehrenvoll ins Nirvana schicken soll, befindet sich bereits in der Frühphase. Zeit, Bilanz zu ziehen.

24“-Finale: Das Ende einer TV-Ära

Am 26. März 2010 trat für viele treue Fans der Echtzeitserie das Undenkbare ein: Kiefer Sutherland und das Produktionsteam gaben die Einstellung des beliebten TV-Formats bekannt. Diesen Mai sollen die letzten Episoden über die amerikanischen Fernsehschirme flimmern. Dass das Ende der Serie nah war, dürfte sowohl Beteiligten als auch dem Publikum klar gewesen sein, erweist es sich doch als problematisch Jahr um Jahr terroristische Angriffe auf die Vereinigten Staaten glaubhaft und facettenreich zu inszenieren. Von atomaren Bedrohungen über biologische Gefahren bis hin zu politisch motivierten Bombenangriffen, Zug- und Flugzeugattacken, ja sogar bis zur Unterwanderung des Weißen Hauses – alles war bereits Thema der Thriller-Serie. Der konsequente Schritt, die Serie jetzt zu beenden, zu einem Zeitpunkt nach wie vor hoher Beliebtheit, mag für manchen Anhänger schmerzlich sein und dem Ende einer TV-Ära gleichen. Es ist aber der einzige Weg, um nicht irgendwann auf Grund mangelnden Interesses und immer gleicher Plots dem Quotentod zu erliegen und mit fadem Beigeschmack in die Annalen der TV-Chroniken einzugehen.

Jack Bauer: Heldenfigur des 21. Jahrhunderts

Anno 2001 belebte „24“ dank ihres innovativen Echtzeitkonzeptes das Thriller-Genre neu und zeigte, dass die Grenzen zwischen Kino und Fernsehen nicht unüberbrückbar waren. In jeder Hinsicht arbeitete das kreative Team auf höchstem Niveau – sowohl, was die aufwändige Produktion als auch das ausgeklügelte Serienkonzept angeht. Im Zentrum der Geschichte steht Spezialagent Jack Bauer (Kiefer Sutherland), der staatsbedrohende Krisen abzuwenden hat. Die Uhr läuft in Echtzeit mit und so stehen die 24 Episoden pro Staffel für 24 Stunden im Leben Bauers und seiner Kollegen von der CTU, der Anti-Terror-Behörde.

Jack Bauer ist ein moderner Held mit Ecken und Kanten. Die Wurzeln des toughen Terroristenjägers liegen eher bei John McClane – herrlich rau verkörpert von Bruce Willis in der „Stirb Langsam“-Filmreihe – als beim Gentlemen-Agenten James Bond. Bauer agiert glaubwürdiger als Bond und trifft teils Momententscheidungen, die er später bereut. Er ist das Gegenstück zum perfekten Helden, der die Welt rettet, ohne sich schmutzig zu machen. Bauer schreckt auch nicht vor harten Verhörmethoden, Folter und Mord zurück, um die Vereinigten Staaten vor Gefahren zu schützen.

CTU-Agent Bauer rettet in Staffel 8 noch einmal die Welt

Nach sechs Staffeln unterzog sich die Serie „24“ einem Facelift und kehrte nach Ende eines längeren Autorenstreiks in Hollywood ein Jahr später auf die Fernsehschirme zurück. In der Zwischenzeit wechselten nicht nur einige Produzenten der Serie und der Produktionsort (von Los Angeles nach Washington D.C.), sondern auch der liberale Barack Obama wurde Präsident der Vereinigten Staaten. Diese Veränderungen in der Realpolitik Amerikas schlugen sich auch in der neuen Staffel von „24“ nieder. Plötzlich wurde die Anti-Terror-Einheit aufgelöst und Bauer wurde für sein hartes Vorgehen und seine menschenrechtsverletzenden Handlungen vor Gericht gestellt. Schließlich benötigte das FBI seine Hilfe in einer internationalen Krise und Bauers junge Kollegin reagierte auf seine Verhörmethoden angewidert. Für ihre Neuerungen erntete die Serie positive Kritiken und ein Quotenhoch im 7. Jahr.

In der aktuellen 8. Staffel rettet Jack Bauer noch ein Mal die Welt, zumindest die Welt von New York. In dieser letzten Staffel der Serie ist der Big Apple Zielscheibe terroristischer Attacken. Logiklöcher und sich wiederholende Thematiken schleichen sich trotz nach wie vor hohem Drehbuch- und Produktionsniveau zusehends in die Serie ein. Seinen letzten Auftrag im Dienste Amerikas wird Jack Bauer aber nicht im Fernsehen lösen, sondern im Kino. Die Kinofassung des Thriller-Formats soll die Geschichte Jack Bauers definitiv beenden. Dazu wurde der auf Action und Adrenalin spezialisierte Drehbuchautor Billy Ray eingespannt, der für kreative Actionhits wie „Flightplan“ und „State of Play“ verantwortlich zeichnet.

„24“: Höchste Zeit, die TV-Koffer zu packen?

Trotz steigender Produktionskosten und leicht sinkender Quoten hätte FOX die Serie um mindestens eine weitere Staffel verlängern können. In dem Fall hätten Brannon Braga („Star Trek – The Next Generation“), Manny Coto („Odyssey 5“, „Star Trek: Enterprise“) und die anderen Produzenten einen plausibleren Plot als den der aktuellen Staffel präsentieren müssen, um das Publikum im Anschluss daran auch noch ins Kino zu locken. Die Entscheidung gegen die Verlängerung im TV könnte sich sogar als lukrativ erweisen: denn bei moderaten Produktionskosten und einer weltweiten Fanbasis dürfte die Kinofassung für 20th Century FOX ein finanzieller Erfolg werden.

Widar Wendt, Widar Wendt

Widar Wendt - Widar Wendt stammt trotz seines seltenen norwegischen Vornamens aus dem beschaulichen Norden Deutschlands. Als Kind der 80er und 90er ...

rss