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Dazu, ein Buch zu schreiben, gehört nicht viel. Buchstaben sind wiederverwendbar, müssen nur selten mehrmals bezahlt werden und neben Papier sind auch andere Datenträger mittlerweile sehr billig zu haben. So kommt es denn auch, dass wirklich viele Menschen sich dazu berufen zu fühlen scheinen, Gedanken oder auch einfach nur Worte zu Papier zu bringen. Manche aber schaffen neben dem eigentlichen Text etwas mehr. Ein „Darüber-Hinaus“, ein „Zusätzlich-Zum“ und ein „Ja-Genau“, das den Unterschied zum bloßen Buch, zum runter geschriebenen Inhalt und zum da friss, was man dir hinwirft, ausmacht. Einer von diesen ist Ralph B. Mertin.
Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zu Besserung
Sich selbst als jemanden bezeichnend, der zum Einen nicht gerne schreibt und sich zum Anderen verweigert, über die Qualität seiner Literatur selbst zu urteilen, macht Ralph B. Mertin ein Angebot, dass abzulehnen nicht nur dumm, sondern auch gefährlich ist. Er schreibt gleich drei Thriller, die zu lesen nichts kosten wird und verspricht, für den sicherlich nicht eintretenden Fall unzureichender Resonanz, von weiteren belletristischen Veröffentlichung abzusehen. Seine Leser allein sollen dabei nicht nur über das Voranschreiten des jeweils interessantesten Romans entscheiden, sondern auch über dessen Verbreitung und damit auch den jeweiligen Erfolg.
Die ersten vermeintlich großen Schritte dazu sind bereits unternommen und daher zeichnet sich ab, dass das kleine Stück erpresserischen Wahnsinns, das aus Mertins Sätzen...:
„Ich schreibe, weil ich irgendwann vor der Wahl stand, meine Fantasien an Menschen oder einer Tastatur auszulassen.
Wer meine Texte kennt, wird meine Entscheidung begrüßen. Leicht war sie nicht.“
und:
„Sollte ich diesen Vorsatz, unabhängig aus welchem Grund, nicht einhalten können, erfolgt die endgültige Akzeptanz des Unvermeidlichen, die Löschung dieser Seite und mein offensichtlich lang überfälliger, literarischer Suizid.“
… herauszulesen ist, sich nicht bewahrheiten wird.
Die Homepage thrilleronline.de
Die Homepage selbst, auf der er seine Romane nach und nach veröffentlichen wird, ist liebevoll aber unaufdringlich gestaltet. Auch ist sie im krassen Gegensatz zur Vielzahl an „vergleichbaren“ Vermarktungsideen weder vollgepfropft mit Werbung, noch bedrängt sie den Leser mit flehenden Bitten oder grafisch aufgemotzten „Eyecatchern“ und schon gar nicht nervt sie mit Java hier und Java da. Die Seite konzentriert sich auf das eigentliche Angebot und bietet neben wirklich gelungenen – und lobenswert sparsam verwendeten – Fotos zum Thema schlicht die Romane und ein Minimum an Informationen über den Autor.
Dass dazu auch Links zu Facebook, VZ und Twitter gehören, stört so wenig, wie es normal geworden ist. Jedenfalls bietet sich so auf einfache Art der direkte Kontakt zum Autor und eventuell auch die eine oder andere Möglichkeit, auf ihn Einfluss zu nehmen. Und bei welchem Roman hat man das schon. Wer darauf allerdings besteht, sollte sich beeilen, denn sicher wird bei größer werdender Fangemeinde Mertins Zeit knapp werden, auf alle Leseranfragen einzugehen.
Der Romanstoff auf thrilleronline.de
Sind bisher, das Projekt Thrilleronline.de startete erst Ende Dezember 2010, auch nur wenige Buchseiten abrufbar, so zeichnet sich ab, dass drei spannende Plots auf einen Autoren gestoßen sind, der kunstvoll vermag, detailreiche und glaubwürdige Bilder im Kopf des Lesers zu platzieren. Daher ist, wer das bei Geschichten, die einem schaudern sollen, mag, auf Thrilleronline.de sicher richtiger als in einer schnöden Buchhandlung. Da kann man zwar auch ein paar Seiten „zur Probe“ lesen, sitzt aber nicht in der eigenen Wohnung und kann auch nicht noch schnell mal zur Tür gehen, um zu prüfen ob man hinter sich wirklich abgeschlossen hat.
Dass die Spannung nicht geringer wird, weil man auf Gedeih und Verderb den anderen Lesern und nicht zuletzt dem Autor ausgeliefert ist, was das Vorankommen der eigenen Lieblingsgeschichte(n) angeht, ist übrigens ein sehr interessantes Gefühl, das zu beschreiben den wenigsten leichtfallen wird. Es zeichnet sich bei dem starken Tobak, der einem auf Thrilleronline.de geboten wird, aber ab, dass man über die eine oder andere Pause ganz glücklich sein wird. Denn zwischendurch ein wenig Abstand vom Bösen im Menschen zu gewinnen, kann auch ganz gesund sein.
Anspruch, Hoffnung oder Zwangslage: die Strategie hinter ThrillerOnline.de
Seine eigenen Fähigkeiten der Welt zeigen und die Ansprüche an sich selbst mit denen der umgebenden Gesellschaft abgleichen, das trauen sich die wenigsten. Erst recht wenn sie dazu ihr Innerstes nach außen kehren und Fantasien, die nicht jeder hat – und wohl viele auch gar nicht haben wollen – der Öffentlichkeit preisgeben müssen. Ralph B. Mertin wagt das und sucht auf seiner Projektseite ThrillerOnline.de gleichzeitig nach Publikum und Verlagen, die dieses Publikum zu bedienen bereit sind.
Ganz gleich, ob er beide befriedigen wird oder nicht: Hier ist einer zum „Autoren“ geworden, dem alles erspart bleiben wird, was Zuschussverlage, kostenpflichtige E-Book-Converter und ISBN-Schacherer dem modernen Schriftsteller antun könnten. Er hat sich (wie gesagt) entschieden.
