
- Thymian - Öl hilft gegen Pilze und andere Keime - Manfred Reyelt / pixelio.de
Pilzinfektionen nehmen zu und ebenso die Schwierigkeiten, diese zu behandeln. Insbesondere Hefepilze der Gattung Candida albicans sind bei abwehrgeschwächten Patienten als Krankheitserreger gefürchtet. Die Resistenz einzelner C. albicans-Stämme gegen Antimykotika hat die Suche nach therapeutischen Alternativen forciert. In der traditionellen Medizin verwendet man häufig essenzielle (ätherische) Öle, so auch Thymian-Öl.
Der französische Arzt Paul Belaiche behandelte seine Patienten mit essenziellen Ölen in topischer, oraler und inhalativer Anwendung, also über die Haut, den Mund oder die Lunge. In seinem dreibändigen Buch über Phyto- und Aromatherapie verglich er die Wirkung von 33 ätherischen Ölen: Darunter zeigte Oregano (Origanum vulgare)-Öl die höchste spezifische Wirksamkeit gegen Candida albicans, gefolgt von Thymian-Öl. Innerlich und in kleinen Dosen verabreicht kam es dabei zu keinen unerwünschten Nebenwirkungen, äußerlich angewendet kann Thymian-Öl Hautirritationen hervorrufen.
Auch Thymian hat antifungale Eigenschaften
Der Echte Thymian (Thymus vulgaris) ist wild weit verbreitet im Mittelmeerraum. Die in vielen Unterarten vorkommende Pflanze wurde in der Universität Marseille genau unter die Lupe genommen. Roger Giordani und Mitarbeiter wollten mangels neuer und wirkungsvoller Antimykotika (Anti-Pilz-Mittel) herausfinden, ob Heilpflanzen sich mit Medikamenten in der Wirkung ergänzen. Hiermit verband sich die Hoffnung, die Dosis von zum Beispiel Amphothericin B zu verringern. Dieser altbekannte Wirkstoff zur Therapie schwerer Mykosen hat teilweise erhebliche Nebenwirkungen (Nierenschäden!).
Wirkungsverstärkung von Anti-Pilz-Mitteln
Das ätherische Thymian-Öl wurde weltweit in Laborversuchen als äußerst wirksam getestet. Als Messkriterium für die Pilz bekämpfende Wirksamkeit bestimmten die Wissenschaftler die Minimalkonzentration (MIC), die das Wachstum von Candida albicans verhindert. Von Thymian-Öl des Chemotyps Thymol (Gehalt 63 %) benötigte man nur geringste Mengen (MIC < 1μl/ml). In Anwesenheit von Thymian-Öl erhöhte sich die antifungale Wirkung von Amphothericin B. Gemeinsam attackieren sie verstärkt die Zellmembran der Pilze.
Vorsicht vor Selbstversuch
Thymian-Öl steht an erster Front für eine mögliche zukünftige Antimykotika-Kombinationstherapie. Weitere Untersuchungen zur Toxizität, Dosierung und Nebenwirkungen sind aber vor einer Anwendung beim Menschen vorgeschrieben. Gerade bei der Anwendung natürlicher Mittel wie essenzieller Öle in Kombination mit Antibiotika wird zu äußerster Vorsicht geraten.
Bitte beachten Sie, dass ein Suite101-Artikel generell fachlichen Rat - zum Beispiel durch einen Arzt - nicht ersetzen kann.
Vertiefende Informationen:
Belaiche P: Traite de phytothérapie et d'aromathérapie. Vol 1-3, Maloine (1979)
Giordani R, Regli P, Kaloustian J, Mikail C, Abou L, Portugal H: Antifungal effect of various essential oils against Candida albicans. Potentiation of antifungal action of amphotericin B by essential oil from Thymus vulgaris. Phytother Res 18 12 (2004) 990-5
Steneberg A: Der echte Thymian (Thymus vulgaris). Umwelt & Gesundheit 17 2 (2006) 77-8
van Vuuren SF, Suliman S, Viljoen AM: The antimicrobial activity of four commercial essential oils in combination with conventional antimicrobials. Lett Appl Microbiol 48 4 (2009) 440-6
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