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Tiefenpsychologie: der Blick auf den Reichtum des Unbewussten

Tiefenpsychologie: Blick in das Unbewusste - © Andrea-Lopatta / pixelio.de
Tiefenpsychologie: Blick in das Unbewusste - © Andrea-Lopatta / pixelio.de
Die Tiefenpsychologie befasst sich mit dem Unbewussten. Dort findet man nicht nur verdrängte Wünsche und Ängste, sondern innere Kraftfelder für das Leben.

Tiefenpsychologie - diesen Begriff verbinden die meisten Menschen mit Sigmund Freud, der Psychoanalyse und den verdrängten Seiten in uns. Sigmund Freud, der Begründer der Psychoanalyse, machte mit seiner Arbeit im 19. Jahrhundert überhaupt erst wieder auf das Unbewusste aufmerksam. Darüber hinaus brach er das Tabu verdrängter sexueller Wünsche, was in einer Zeit, die von hohen moralischen Idealen und wissenschaftlichen Rationalismus geprägt war, einer Revolution gleich kam.

Die Psychoanalyse Sigmund Freuds ist zwar wesentliche Grundlage, aber trotzdem nur ein Gebiet der Tiefenpsychologie. Auch der Begriff Tiefenpsychologie wurde nicht von Freud selbst, sondern von dem Schweizer Psychiater Eugen Bleuler eingeführt. Neben Sigmund Freud gelten heute als Hauptvertreter der Tiefenpsychologie seine Schüler Alfred Adler und Carl Gustav Jung. Viktor Frankl, der Begründer der Logotherapie und Existenzanalyse, kann ebenfalls dazu gezählt werden.

Was versteht man unter Tiefenpsychologie?

Die Erforschung des Unbewussten steht im Mittelpunkt der Tiefenpsychologie. Dabei wird davon ausgegangen, dass das Unbewusste mit seinen psychischen Prozessen unser Verhalten und Erleben mit hoher Dynamik prägt, während das Bewusstsein nur ein Bruchteil dazu beisteuert. Unabhängig von den einzelnen Schulen geht es um verborgene Wünsche und Ängste, Triebe, Motive und innere Konfliktverarbeitung. Je nach Schule stehen dabei unterschiedliche seelisch-geistige Antriebskräfte im Zentrum des Interesses. In allen tiefenpsychologischen Richtungen spielt die Traumdeutung eine wichtige Rolle, da die Träume als Brücke zwischen dem Bewussten und Unbewussten verstanden werden.

Sigmund Freud (1856 - 1939) - Begründer der Psychoanalyse

Nach der Theorie Freuds ist das Unbewusste gekennzeichnet durch ein dynamisches Konfliktgeschehen zwischen den Instanzen ÜBER-ICH, ICH und ES. Lustprinzip und Realitätsprinzip bilden dabei widerstreitende Seelenkräfte, in denen (sexuelle) Bedürfnisse um die Anpassung ringen, die die soziale Umwelt fordert.

In dem Buch "Traumdeutungen" stellte Freud im Jahr 1900 erstmals seine Systematik des Seelischen vor. Träume bezeichnete er als "Königsweg zum Unbewussten" und nutzte sie in der Behandlung von Neurosen. Die einseitige Betonung des Sexualtriebes und die Deutung der Träume als lediglich verdrängte, sexuelle Wünsche wurde bereits von seinen Schülern kritisiert.

Alfred Adler (1870 - 1937) und die Individualpsychologie

In der Theorie des Unbewussten stellt Alfred Adler das Minderwertigkeitsgefühl eines Menschen in den Mittelpunkt. Dieses bewirkt ein lebenslanges Streben nach Überlegenheit und Macht und ist nach Adler der eigentliche Antrieb aller menschlichen Entwicklung. Weiterhin spielt bei Adler die Stellung in der Geschwisterreihe eine entscheidende Rolle. Davon ausgehend tritt jeder Mensch individuell mit der Welt in Beziehung und versucht sich seine Daseinsberechtigung innerhalb der Gemeinschaft zu erobern.

C. G. Jung (1875 - 1961) und die Analytische Psychologie

Für C. G. Jung war nicht die triebhafte, sondern die geistige Dimension des Unbewussten von zentraler Bedeutung. Die innere Welt des Unbewussten sah er in erster Linie als Reichtum geistigen und religiösen Menschheitswissens an. Dieses innere Wissen, das alle Menschen miteinander teilen, nannte er das "kollektive Unbewusste". Daneben existiert das "persönliche Unbewusste", welches alles psychische Erleben im Laufe der individuellen Lebensgeschichte beinhaltet. Beide Formen des Unbewussten dienen der Individuation, dem lebenslangen Entwicklungsprozess zur Ganzwerdung eines Menschen.

Viktor Frankl (1905 - 1997) spricht von "Höhenpsychologie"

Viktor Frankl stellte die geistige Dimension des Unbewussten ebenfalls in den Mittelpunkt seiner Theorie. in Abgrenzung zu der ersten und zweiten Wiener Schule der Psychotherapie von Sigmund Freud und Alfred Adler sprach er im Zusammenhang mit der Logotherapie auch von "Höhenpsychologie", um die geistige Dimension ausdrücklich zu betonen. Das Unbewusste spielte für Frankl als Sitz des unbewussten Geistes eine wichtige Rolle. Die Logotherapie und Existenzanalyse wird auch als dritte Wiener Schule der Psychotherapie bezeichnet. im Zentrum der Logotherapie steht die Sinnsuche des Menschen und seine Wertorientierung im Leben.

Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie

Psychotherapie auf Grundlage der Tiefenpsychologie findet Anwendung bei allen neurotischen, psychotischen und psychosomatischen Störungen. Im Gegensatz zur klassischen Psychoanalyse sitzen sich Therapeut und Patient gegenüber und arbeiten auf ein vereinbartes Ziel hin. Die Dauer einer tiefenpsychologisch orientierten Psychotherapie liegt bei 50 - 100 Stunden und findet in der Regel einmal wöchentlich statt.

Weitere tiefenpsychologisch fundierte Ansätze sind unter anderem folgende:

  • Autogenes Training nach J.H. Schultz
  • Hypnose / Hypnotherapie nach Milton Erikson
  • Katathymes Bilderleben nach H.C. Leuner
  • Transaktionsanalyse nach Eric Berne
  • Tiefenpsychologische Familentherapie

Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie wird, genauso wie die Verhaltenstherapie, von den Krankenkassen bezahlt.

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Bildquelle: © Andrea-Lopatta / pixelio.de

Christine Bartholomae - Christine Bartholomae, Diplom-Psychologin, Freie Journalistin und Autorin

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