Tierbaby-Boom im schönsten Bergzoo Deutschlands in Halle (Saale)

Ameisenbär-Nachwuchs kam am 20.6.2011 auf die Welt - Foto: Gundula Klämt (20.8.2011)
Ameisenbär-Nachwuchs kam am 20.6.2011 auf die Welt - Foto: Gundula Klämt (20.8.2011)
Ameisenbären, Weißgesicht-Saki-Affen, Schnee-Eulen, Große Maras, Elefanten und viele der Arten im Zoo Halle haben Nachwuchs.

An den steilsten Hängen des Bergzoos Halle an der Saale, der den gesamten Reilsberg an der Reilstraße erschließt, leben kletterwütige Westkausakische Steinböcke und Mähnenspringer, die in den Felswüsten und Gebirgen der Westküste Nordafrikas zu Hause sind. Die Vegetarier sind wegen der Jagd auf sie gefährdet und werden zunehmend durch Haustiere verdrängt. Im Juni 2011 gab es vierfachen Steinbock-Nachwuchs. Während sich die Weibchen und Jungen im unteren Areal aufhielten, verweilten die Böcke mit ihren imponierenden Hörnern im oberen Bereich.

Der Bergzoo Halle ist artenreicher und größer als er vermuten lässt

Der an einer Hauptverkehrsachse gelegene Zoologische Garten entführt seine Besucher auf Wanderschaft hinauf und hinab in eine exotische Tierwelt. Vom Aussichtsturm bietet sich den „Bergsteigern“ ein Rundum-Ausblick über die Stadtgrenzen hinaus. Am Fuße des über die Kirchturmspitzen der Stadt hinausragenden Zoo-Turms befindet sich im hohen Bogen eine Großflugvoliere. In ihr leben seltene Arten von Reihern, Möwen und Enten sowie Schwarzstörche. Mit 18 Jungen waren die Lachmöwen 2011 wohl am fruchtbarsten. Auch Pinguin „Hedwig“ ist hier untergebracht, da er erblindete und sich auf der Pinguinanlage nicht mehr zurechtfand. Die Humboldt-Pinguine bekamen 2011 jüngsten Zoomeldungen zufolge elf Küken.

Namenloses Ameisenbärchen

Schon vierfach leisteten die Bergzoo-Exemplare „Stella“ und „Pedro“ des vom Aussterben bedrohten Großen Ameisenbären ihren Beitrag zum Europäischen Erhaltungszuchtprogramm (EEP). Der Ameisenbär-Nachwuchs von 2007 und 2009 lebt inzwischen im Zoo Dortmund und im Longleat-Safaripark in Warminster/England. Das kleine Ameisenbärchen, das 2011 Huckepack auf der mütterlichen Schwanzwurzel über das Gehege chauffiert wird, kam am 20. Juni auf die Bergzoo-Welt (Foto 1). Sein Geschlecht konnte bislang noch nicht festgestellt werden; darum ist es noch namenlos.

Auch Weißgesicht-Saki-Mädchen „Luise“ erhält ihre Art mit

Zur 110. Geburtstagsfeier des Bergzoos Halle wurde „Luise“ als zwölfter Nachwuchs der Weißgesicht-Sakis „Lorenzo“ und „Mareike“ nach etwa fünf Monaten Tragezeit am 23. Mai 2011 geboren. Ihre 1,5 bis 2,5 Kilogramm wiegenden Eltern leben schon seit über elf Jahren in der Parkanlage Halle. Der am 28. September 2011 zwanzigjährige Lorenzo ist vom Zoo Barcelona zugezogen. Mareike ist am 2. August 2011 sechzehn Jahre alt geworden und stammt aus dem Tierpark Krefeld. Mutter Mareike schleppt Luise auf ihrem Rücken herum und lässt sie nicht aus den Augen (Foto 2). Die anderen Saki-Mitbewohner im Affenhaus „Elias“, „Jorane“ und „Sophia“ kamen 2006, 2008 und 2010 im Bergzoo auf die Welt. Die Früchte, Insekten und Blätter fressenden Weißgesicht-Sakis - bei denen allerdings nur die Männchen ein weißes Gesicht haben - sind durch die schier unaufhaltsame Zerstörung ihrer Lebensräume in den Tropischen Regenwäldern gefährdet.

Schnee-Eulen sind glücklicherweise kaum gefährdet

Drei Schnee-Eulen-„Kücken“ schlüpften nach rund 33 Tagen Brutzeit am 20. Juni 2011 im Zoo Halle. Die Jungtiere der Familie der Ohreulen und Käuze sind im Alter von zwei Monaten schon fast so groß wie ihre 1,6 bis 2,5 Kilogramm schweren Eltern, aber noch ziemlich unbeholfen. Das Nest haben sie nach knapp 42 Tagen verlassen und lümmeln nun in der Voliere herum. Haben sie Hunger, kreischen sie und prompt bringt Mama oder Papa ihnen ein Hühnerküken, von dem noch die Beine aus dem Schnabel gucken (Foto 3). Das Gefieder der Jungvögel ist mit grauen Flecken und Bändern besprenkelt. Nur der flauschige Flaum um die Augen ist schon schneeweiß, wie das gesamte Federkleid der großen Männchen. Das Weibchen trägt weiterhin dunkelgraue Tupfen. So erkennt man erst mit Verschwinden der Baby-Federkleider die Geschlechter der drei neuen Schnee-Eulen.

Großer Mara sieht aus wie eine Kreuzung aus Hase und Eichhörnchen

Wahrlich seltsame, aber dennoch possierliche Getiere bekamen Nachwuchs. Das Wesen aus der Ordnung der Nagetiere und der Familie der Meerschweinchen heißt Großer Mara und ist von Natur aus in der „Pampa“ der Gras- und Buschsteppen Südamerikas beheimatet. Der Kopf erinnert an ein Eichhörnchen, der Körper an den eines Hasen. Fliehen sie, machen sie große Sprünge. Das brachte ihnen den Beinamen „Pampashasen“ ein. Das Junge im Bergzoo Halle (Foto 4) folgt seiner Mutter als Miniaturausgabe durch das Gemeinschaftsgehege zusammen mit den Vikunjas, die ebenfalls ein Junges zu vermelden haben. Vikunjas sind Paarhufer aus der Familie der Kamele und kommen in den Hochebenen der Anden vor. Infolge von Lebensraumzerstörungen, Jagd und Verdrängung sind sie in ihrem natürlichen Bestand gefährdet.

Graue Riesen seit 2006 mit viel Auslauf

Im Sommer vor fünf Jahren (2006) bezogen die Afrikanischen Steppenelefanten als größte Landsäugetiere der Welt ihr auf 3.000 Quadratmeter vergrößertes Außengehege mit Planschbecken (Foto 5). Die kleine Elefantenherde, bestehend aus einem Respekt einflößenden Bullen, der das Gewicht von sechs Kleinwagen auf die Waage bringt, mehreren Weibchen und einem Baby-Elefanten, fühlt sich sichtlich wohl auf dem Gelände. Jungtier „Panya“ kam 2007 nach einer Tragzeit von 22 Monaten auf die Zoowelt. Die Geschlechtsreife erreichen die grauen Riesen erst im Alter von circa zehn Jahren. In freier Wildbahn leben Elefantenbullen als Einzelgänger oder in losen Verbänden mit anderen Junggesellen. Nur die weiblichen Tiere schließen sich mit ihren Jungtieren zu Herden zusammen.

Die Art des Afrikanischen Elefanten ist wegen des Elfenbeins vom Aussterben bedroht

Die Existenz des Afrikanischen Giganten ist durch Wilderei und zerstörte Lebensräume in den Busch- und Baumsavannen sowie Steppen auf dem afrikanischen Kontinent vom Aussterben bedroht. Die Wilderer hatten es auf die Stoßzähne abgesehen. Trotz des Handelsverbotes mit Elfenbein seit 1990, wird in Zentral- und Westafrika weiter gewildert. Korruptionsfälle und mangelnde Handelskontrollen begünstigen den Elfenbeinhandel. Im Elefantenhaus sind viele Informationstafeln zum Thema zu finden.

Geboren am 20. Oktober 2009: Tigerbaby "Ranga" noch immer in kritischem Zustand

Malaysische Tiger werden außer im Bergzoo Halle nur noch in zwei weiteren europäischen Zoos, in Berlin und in Prag, gehalten. In Freiheit sind sie vom Aussterben bedroht, da in Asien immer noch der Aberglaube verbreitet ist, dass erlegte Tiger Ansehen brächten und von Menschen gegessene Körperteile der Raubkatze Potenz und Kraft spenden würden. Umso dramatischer sind die Lähmungserscheinungen der Hintergliedmaßen des Babys „Ranga“ von Tigerin „Cindy“. Die Therapie zeigt erste Erfolge, aber ob Ranga je richtig laufen können wird, bleibt zweifelhaft, so die Pressemitteilung des Zoos vom 16. August 2011.

Jedes Jahr wieder neue Tierbabys

Weiterer drolliger Nachwuchs des Jahres 2011 kann von den „kleinen schönen Affen“, so die Bedeutung des Gattungsnamen Calliminco der Sprintamarinen, den Alpakas, den Südpudus aus der Familie der Hirsche, dem Göttinger Minischwein mit lustig wippendem Ringelschwänzchen, den Zwergzebus (ein Bullenkalb!), den quirligen Erdmännchen und vielen anderen Tierarten erlebt werden. Schwerer zu entdecken ist der erstmals seit 1947 geschlüpfte Gänsegeier. In den kommenden Jahren können gewiss immer wieder süße Babys der rund 1.700 Tiere im Bergzoo Halle erwartet werden.

Quelle: Besuch im Bergzoo Halle am 20. August 2011

Gundula Klaemt - Liebe Leserinnen und Leser, als universitärer Master of Science (M.Sc., früher Dipl.-Ing.) in "Umweltschutz" interessieren ...

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