
- Paguma larvata taivanica, Larvenroller - Gerhard Ott
Im Jahre 1986 wurde ein Teil der taiwanesischen Ländereien Hualien, Taijong Nantou im östlichen und zentralen Taiwan zum Nationalpark erklärt. Die Fläche von Taroko ist etwa so groß wie die Insel Rügen. Der Fluss Liwu hat eine gigantische Schlucht in den Marmor gewaschen. Der Park erstreckt sich von der Küste des Pazifischen Ozeans bis in alpine 3.700 Meter über dem Meeresspiegel. Etwa die Hälfte des geschützten Territoriums liegt 2.000 Meter über Normalnull. Durch verschiedene klimatische Verhältnisse wechseln Landschaft und Vegetation nach weniger Kilometern.
Geologie der Taroko-Schlucht in Taiwan
Hauptattraktion des Parks sind die riesigen Schluchten in den Marmorbergen. Korallen, Kammertierchen (Foraminiferen) und andere Kalk sammelnde Organismen lebten in erdgeschichtlichen Vorzeiten. Die Kalkhüllen der gestorbenen Tiere haben sich über Millionen Jahre hinweg zu mehr als einem Kilometer mächtig aufgesammelt. Der gewaltige Druck machte aus den Gehäusen der abgestorbenen Organismen Kalkstein. Vor rund 4,5 Millionen Jahren trafen die philippinische und eurasische Kontinentalplatte im Vorpazifik zusammen. Sie falteten ein riesiges untermeerisches Gebirge auf. Taiwan und umliegende Inseln sind nur die Bergspitzen davon. Regen und Flüsse formten die Gebirgslandschaft Taroko. Tropische Hitze in den Niederungen und Nebelbänke in den Höhen gehören zu den Merkmalen des Taroko.
Pflanzen im Taroko-Nationalpark
So gut wieder jeder Berg ist seine eigene Insel an Biodiversität auf der Insel Taiwan. Vier Monate Schneewinter sind auf den Gipfeln der Nanhu-Berge die Regel. Rund 160 alpine Pflanzenarten gibt es hier. Der Yushan-Wacholder, Engelwurz (Angelica morisonicola), der Nanhu-Rhododendron, seltene Weidenröschen (Epilobium) und Koniferen wachsen hier.
Tiere im Taroko-Nationalpark
Unbehelligt von menschlichen Einflüssen haben zahlreiche Tierarten hier ihren natürlichen Lebensraum:
- mehr als 30 Arten von Säugetieren, davon sechs endemisch auf Taiwan
- fast 150 Vogelarten, davon 14, die es nur auf Taiwan gibt
- 15 Arten von Amphibien (Froschlurchen), also die Hälfte aller taiwanesischen Arten
- mehr als 30 Reptilienarten
- fast zwanzig Arten von Süßwasserfischen und
- mehr als 250 Arten von Schmetterlingen
Endemiten nennt der Biologe solche Arten, die nur in einem einzigen Gebiet auf der gesamten Erde vorkommen. Auf Inseln gibt es sie besonders oft.
Der Mikado-Fasan (Syrmaticus mikado) ist ein Vogel, den es nur auf Taiwan gibt. Mit etwas Glück kann man einen Blick auf einen der endemischen Steinböcke (Capricornis crispus swinhoei) erhaschen. Von September bis November ist Brunstzeit. Man kann beobachten, dass die Tiere nicht nur in Felsen klettern können, sondern auch geschickt Geäst erklimmen. Für europäische Augen ungewöhnlich sind affenartige Säugetiere in alpiner Umgebung. Die Felsenmakaken (Macaca cyclopis) haben ihre letzten freien Refugien in den Bergen gefunden. Sie stehen bereits als gefährdet auf der Roten Liste der bedrohten Arten. Ein Vertreter der Schleichkatzen ist der taiwanesische Larvenroller (Paguma larvata), der noch verhältnismäßig weit über Südostasien verbreitet ist, wobei auf Taiwan eine Unterart (taivana) anzutreffen ist.
Zoologen nutzen den Taroko-Nationalpark für Studien der seltenen Tiere. Naturfreunde können große Teile des Parks erwandern.
