Tierpark Hagenbeck in Hamburg

Chinesischer Leopard - Heinz-Jürgen Rippert
Chinesischer Leopard - Heinz-Jürgen Rippert
Jedes Jahr, gerade im Frühjahr und Sommer, ist der Tierpark Hagenbeck immer wieder ein Highlight für Hamburg-Besucher - besonders wenn Tiernachwuchs da ist.

Jetzt ist wieder die Zeit für neuen Tiernachwuchs bei Hagenbeck. Zwei kleine Kamtschatka-Braunbären toben herum und haben ihre Vorliebe für das Plantschen im Wasserbecken entdeckt. Zwei seltene Chinesische Leoparden, ein Zebra, ein Pavian, ein Katta, Gazellen, Mähnenspringer, Bisons, Muntjaks, Capybaras und viele Enten- sowie Gänsebabys sind auf die Welt gekommen. Es gibt aber auch sonst immer etwas neues in dem Hamburger Privatzoo zu entdecken.

Der Tierpark Hagenbeck kann auf eine über 100-jährige Geschichte zurückblicken

Der Ursprung von Hagenbecks Tierpark geht auf das Jahr 1848 zurück. Carl Hagenbeck sen., Inhaber einer Fischgroßhandlung, stellte damals am Spielbudenplatz in St. Pauli einige Seehunde in Holzbottichen aus - mit Erfolg. 1863 eröffnete er eine Handels-Menagerie am Spielbudenplatz. Sein Sohn Carl Hagenbeck jun. wollte nicht mit Fischen handeln, ihn zog es zum internationalen Tierhandel, exotische Tiere waren gefragt. Er übernahm die Geschäfte seines Vaters und machte daraus ein weltweit tätiges Unternehmen. Die Tiervorführungen fanden zwischenzeitlich am Neuen Pferdemarkt in St. Pauli statt, bis er mehrere Grundstücke in Stellingen, damals Schleswig-Holstein, aufkaufte und seine Visionen von Freigehegen in einer künstlich gestalteten Landschaftsszenerie verwirklichte. 1907 wurde Hagenbecks Tierpark schließlich eröffnet. Nicht unerwähnt sollte bleiben, daß zu Beginn des 20. Jahrhunderts nicht nur exotische Tiere, sondern auch exotische Menschen, also Schwarzafrikaner, Indianer und Eskimos bei sogenannten "Völkerschauen" vorgeführt wurden. Man kann das als üblen Auswuchs der Kolonialzeit sehen.

Im japanischen Garten mit seinen Brücken und Skulpturen drehte in den 20ger Jahren der berühmte Regisseur Fritz Lang einige exotische Stummfilmszenen.

Hagenbecks Tierpark verbessert und modernisiert heute sein Konzept

Was mit der "Löwenschlucht" begann, die erste gitterlose Freisichtanlage für Raubtiere, stellte eine Revolution der Zoogestaltung dar, die ständig erweitert wurde. Die ganze Anlage wurde als begrünter Park mit vielen Teichen konzipiert.

Im Zweiten Weltkrieg wurde Hagenbecks Tierpark weitgehend durch Bomben zerstört. 120 Großtiere kamen dabei ums Leben. Neun Mitarbeiter starben ebenfalls bei dem Inferno. 14 Elefanten und ein Nashorn überlebten dagegen. Schon vor Kriegsende wurden die Schäden teilweise beseitigt und der Betrieb weitergeführt.

Nach dem Krieg - Stellingen gehörte schon längst zu Hamburg - expandierte das Unternehmen Hagenbeck und renovierte die zentrale Felsenanlage, legte neue Freigehege an und verschrieb sich dem Artenschutz.

Zur Zeit leitet übrigens Joachim Weinlig-Hagenbeck das Familienunternehmen.

Artenschutz - heute ein zentrales Anliegen von Hagenbecks Tierpark

Tierhandel ist schon lange passé. Heute ist Artenschutz ein zentrales Anliegen der großen Zoologischen Gärten - weltweit. Durch die modernen Kommunikationstechniken sind alle Tiergärten vernetzt und tauschen genetische Daten der vom Aussterben bedrohten Tierarten aus und widmen sich der Zucht dieser Spezies. Bei Hagenbeck sind das asiatische Elefanten, Orang-Utans, Chinesische Leoparden, Sibirische Tiger, südamerikanische Riesenotter, persische Wildesel und Kamtschatka-Bären. Tiernachwuchs dieser Arten wird - nach der entsprechenden Aufzuchtzeit - geeigneten Tierpartnern in anderen Zoos zugeführt, vorausgesetzt, die genetischen Daten passen.

Weitere Attraktionen des Tierparks

Hagenbecks Tierpark verfügt heute über eine 25 Hektar große Parkanlage und ein 6 Kilometer langes Wegenetz. Dort leben 1.850 Tiere von 210 Tierarten. Die Gehege wurden teilweise modernisiert oder neu konzipiert, wie das Orang-Utan-Haus, das als runder Kuppelbau gestaltet wurde, mit aufdrehbarer Kuppel. Ein Highlight, wie das neue Elefantenhaus und das großzügig ausgebaute Elefantengelände. Eine neue Arktiswelt für Eisbären, Walrösser, Robben und arktische Vögel ist im Bau und wird voraussichtlich im April 2012 eröffnet.

Ohne Zweifel eine weitere Attraktion ist das Tropen-Aquarium, das 2007 eröffnet wurde. Auf 8.000 Quadratmetern kann der Besucher 14.300 Tiere von 300 Arten bestaunen. Ein verschlungener Dschungelpfad führt vom Eingangsbereich, wo Kattas und Loris sich frei bewegen können, über vier Ebenen, vorbei an tropischen Echsen, Krokodilen, Giftschlangen, Vögeln, Fledermäusen, hinunter zu den verschiedenen Aquarien mit Korallenriffen, Muränen, Rochen, in allen Farben schillernden Fischen bis zu Riffhaien.

Beim Park-Spaziergang über die von zahlreichen Bäumen gesäumten Wege sollte man auf die unterschiedlichsten Baumarten achten. Die heimische Stieleiche ist zahlreich vertreten, daneben gibt es Rotbuchen und die mächtige Blutbuche. Silberahornbäume wachsen da, Douglasien und Schwarzkiefern. Daneben kann man botanische Raritäten bewundern, etwa die Hemlocktanne, die Japanische Lärche, Fächerahorne, Riesen-Mammutbäume oder Wellingtonien und zwei Exemplare des Urwelt-Mammutbaums.

Kinder interessieren sich wahrscheinlich mehr für die lebensgroßen Saurierfiguren, die 1908 von dem Bildhauer Josef Pallenberg aus Zement modelliert wurden.

Informationen:

Hagenbecks Tierpark ist, neben einigen Buslinien, mit der U-Bahn-Linie U2 zu erreichen: Station Hagenbecks Tierpark. Mit dem PKW über die Autobahn A7, Ausfahrt Stellingen.

Eintrittspreise: Einzelkarte 17 €, Kinder (4 bis 16 J.) 12 €. Familienkarte 1: 2 Erwachsene, 2 Kinder 53 €. Familienkarte 2: 2 Erwachsene, 3 Kinder 61 €. Kombi Einzelkarte (Tierpark + Tropen Aquarium): Erwachsene 27 €, Kinder (4 bis 16 J.) 18 €. Daneben gibt es noch Gruppen- und Jahreskarten.

Öffnungszeiten: Ganzjährig ab 9 Uhr geöffnet. Geschlossen wird im Frühjahr/Sommer um 18 beziehungsweise 19 Uhr. Heiligabend und Silvester ist bis 13 Uhr geöffnet.

Telefon: (040)530033-0

Quellen:

- Tierpark Hagenbeck

- Tier International: Die Arche Noah Hamburgs, Jubiläumsausgabe 2007

- Fotos aus eigenem Archiv

Heinz-Jürgen Rippert, Blende11, Hamburg

Heinz-Jürgen Rippert - Jahrgang 1954, absolvierte ich den zweiten Bildungsweg bis zum Abitur in Braunschweig. Davor fuhr ich zwei Jahre als Marinesoldat zur ...

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