Die Glaubensrichtungen im alten Ägyten variierten je nach Region oder auch sozialer Zugehörigkeit. So schreibt es das bekannte amerikanische Medium Sylvia Browne in ihrem neuesten Buch „Alle Tiere kommen in den Himmel“ (Reichel Verlag). Dabei konnten Tiere die Eigenschaften der Götter aufzeigen, wie bei Horus, der seinen Falkenkopf trug, weil man ihm falkenähnliche Eigenschaften zusprach. Oder die Göttin Bastet, die als Katze dargestellt wurde und damit Fruchtbarkeit und die Aufzucht von Kindern symbolisierte.

Thoth ist in der ägyptischen Mythologie der Gott des Mondes, der Magie, der Wissenschaft, der Weisheit und des Kalenders. Er hat den Kopf eines Ibis. Anubis, der altägyptische Gott der Totenriten wie Einbalsamieren und Mumifizieren, hat den Kopf eines Schakals. Die Göttin Maat trug eine Straußenfeder als Emblem. Diese Feder wurde beim Totengericht gegen das Herz des Verstorbenen aufgewogen - so wurde das Gewicht der Sünden festgestellt. Hathor, die allumfassende Göttin der Mutterschaft, Fruchtbarkeit und Liebe wurde entweder mit einem Kuhkopf oder mit Kuhhörnern und einer Sonnenscheibe auf dem Kopf dargestellt.

Kleinere Hausgötter waren für die Unterschicht zuständig

Die oben genannten Gottheiten waren die wichtigsten Götter neben Isis, Osiris, Ptah und dem großen Sonnengott Re (auch Ra genannt). Aber es gab noch viele andere Göttinnen und Götter, die entweder eine kleinere Rolle spielten oder nur in bestimmten Regionen Ägyptens überliefert waren.

Nach Sylvia Browne gab es zum Beispiel eine ganze Menge Hausgötter, die über das Haus und die Familie wachten. Sie waren hauptsächlich für die Unterschicht zuständig, während der Pharao und die reiche Oberschicht die großen Gottheiten feierten. Fast alle Götter hatten unabhängig vom Status ihrer Anhänger animalische Attribute.

Der Tierkult im alten Ägypten: Apis, der heilige Stier

Als sich die ägyptische Bevölkerung weiterentwickelte, gingen einige dieser Göttinnen und Götter in etwas über, was wir als Tierkult bezeichnen würden. Das vorher mit der Gottheit assoziierte Tier wurde zum eigentlichen Objekt der Verehrung. Einer dieser von den Ägyptern verehrten Gottheit war der Apis, der heilige Stier von Memphis, der als Verkörperung des Gottes Ptah verehrt wurde. Ptah wiederum war nicht nur der Gott der Handwerker und Kunsthandwerker, sondern soll auch die Welt erschaffen haben. Es gab immer nur einen heiligen Stier zur jeweiligen Zeit, der als Apis verehrt wurde und er hatte vermutlich verschiedene Merkmale, an denen man ihn als heiliges Gefäß des Gottes Ptah erkennen konnte. Dieser lebendige Stier wurde wie einen Gott behandelt, er hatte einen eigenen Stamm Priester und bewohnte den Tempel von Ptah in Memphis. Der ranghöchste Priester des Tempels soll in der Lage gewesen sein, die verschiedenen Bewegungen und Taten des Stieres zu deuten und konnte so die Zukunft voraussehen und die Fragen der verschiedenen Anbeter beantworten. Die weniger bedeutsamen Priester waren damit beauftragt, den Stier zu hegen und zu pflegen und ihm die Geschenke der Anhänger zu überbringen. Wenn ein Apis-Bulle starb, wurde sofort ein anderer Stier gesucht, der die nötigen heiligen Kennzeichen trug und der tote Stier wurde mumifiziert und bei einer großen Feierlichkeit in einem eigenen Grab bestattet.

Die Katzengöttin Bastet

Obwohl der Kult um den Stier Apis eine große Anhängerschar hatte, ist er nicht mit dem großen Zuspruch vergleichbar, den die Göttin Bastet hatte. Bastet wurde von einer Katze repräsentiert. Sie war die Göttin der Fruchtbarkeit und der Aufzucht von Kindern. Entweder trug sie einen Katzenkopf oder sie wurde ganz als Katze dargestellt. Der Kult um die Göttin Bastet erlangte seinen Höhepunkt vor etwa 2000 oder 3000 Jahren und begründete die hohe Stellung der Katze in der ägyptischen Gesellschaft.

Die Ägypter waren gut darin, Tiere zu domestizieren, insbesondere die Wildkatze. Es gab im alten Ägypten zwei einheimische Katzenarten: die wilde Dschungelkatze und die Afrikanische Wildkatze. Sie waren größer als die heutigen Katzen durchschnittlich sind und viel gefährlicher. Sie konnten problemlos giftige Schlangen, ja sogar Kobras töten und – was weitaus wichtiger war – sie vertilgten auch Mäuse, Ratten und anderes Getier, das es auf die Ernte in der königlichen Kornkammer abgesehen hatte.

Tierkult heilige Katze

Ihre Eigenschaft, Schädlinge zu vertilgen, machte die Katze wertvoll. Daher wurde sie schnell domestiziert und in fast jedem Tempel und mit Sicherheit in jeder Kornkammer wurden mehrere Katzen gehalten, die das Ungeziefer dezimierten. In den Tempeln der Göttin Bastet kümmerten sich die Priester mindestens um ein paar Dutzend, wenn nicht sogar um Hunderte von Katzen. Weil sie sich schnell vermehren, wurden Katzen zum festen Bestandteil in fast jedem Dorf, jeder Stadt und jedem Land Ägyptens. Viele wurden Hauskatzen, viele lebten in Tempeln und viele wandelten einfach auf der Straße.

Je beliebter die Katze wurde, desto heiliger wurde sie auch für die alten Ägypter. Sie sorgte nicht nur dafür, dass die Schädlinge nicht überhand nahmen, sondern versorgte den Haushalt auch mit hübschen Haustieren. Mit der Beliebtheit der Katze wuchs auch die Beliebtheit der Göttin Bastet und bald bewirkten die Katzen einen weiteren Nebeneffekt und wurden zur wachsenden Einnahmequelle. Die Mumifizierung von Katzen wurde immer beliebter, weil viele mumifizierte Katzen der Göttin Bastet zusammen mit Geld und Lebensmitteln geopfert wurden.

Ein kaiserliches Dekret beendete den Tierkult

Je heiliger die Tiere wurden, desto mehr Gesetze wurden zu ihrem Schutz in Kraft gesetzt. Der griechische Historiker Herodotus behauptet sogar, dass jemand, der absichtlich ein heiliges Tier tötete, hingerichtet wurde. Diodorus, ein weiterer griechischer Historiker, sagte, dass selbst jemand, der aus Versehen eine Katze überfuhr, vom ägyptischen Mob gelyncht wurde, selbst wenn der Pharao versuchte, zu intervenieren.

Der Kult um die Göttin Bastet lief aus, als er per kaiserlichem Dekret im Jahr 390 vor Christus verboten wurde. Unter der Regierung des alten Roms nahm der Glaube an die früheren Gottheiten drastisch ab und wurde völlig ausgemerzt. Heutzutage werden in Ägypten noch immer Katzen toleriert oder auch als Haustier gehalten, aber sie haben keinerlei religiöse Bedeutung mehr.

Quelle und Buchtipp (mit freundlicher Genehmigung des Reichel-Verlags):

Sylvia Browne: Alle Tiere kommen in den Himmel – Das spirituelle Leben unserer Tiergefährten, Reichel Verlag 2011, ISBN 978-3-941435-12-4