
- Tiere in Berlin - Norman Oelker
Wer in Bezug auf Tiere an Berlin denkt, der hat bestimmt zunächst die beiden Zoos und vielleicht noch die fast hunderttausend Hunde, welche in der Stadt leben, im Sinn. Wer aber die Augen offen hält, dem offenbart sich in der Stadt noch eine ganz andere Tierwelt. In vielen Arten und Größen wimmelt es in der Hauptstadt geradezu von Bewohnern ohne Steuermarke. Darunter sind Tiere, die die Schulweisheit nicht unbedingt in der Stadt ansiedelt.
Vielfältiges Tierleben im Großstadtdschungel
Da ist einmal die Vogelwelt, die mit weit über 100 Arten vertreten ist. Darunter sind selten anzutreffende Vögel wie Rotmilane, Baumfalken, Silberreiher oder Dohlen. Berlin ist u. a. auch die Hauptstadt der Spatzen. Etwas weniger auffällig, da doch schwerer zu beobachten, ist die Fischwelt mit ungefähr 25 Arten. Hinzu kommen nicht zuletzt die Säugetiere mit über 60 Arten. Hier auch solche wie der Rothirsch oder der Waschbär. Die Artenvielfalt der Insekten zu erfassen würde wohl zu weit führen. Erwähnt seien hier nur als Beispiel die Schmetterlinge mit Hunderten Arten. Die Statistik der Artenzahlen kann als nicht vollkommen genau angesehen werden. Vieles in der Erfassung spielt sich auch im ehrenamtlichen Bereich ab oder ist aus Mangel an Mitteln zu ungenau.
Tiere aus der Nähe
Man muss nicht einmal in die Parks und Wälder der Stadt, um die dort vermutete oder gewohnte Fauna anzutreffen. Immer öfter kommen Tiere auch zum Menschen und nicht selten am helllichten Tag. Etwas weniger geliebt in Form von Ratten und Mäusen in U- und S-Bahnschächten, etwas possierlicher mit Eichhörnchen in Parks, Kaninchen auf Friedhöfen oder wie jeden Winter die Vogelwelt auf den Balkonen. So denn dort Futter vorhanden ist. Man kann nicht behaupten, dass sich in Berlin Fuchs und Hase Gute Nacht sagen. Wenn um vier Uhr morgens in Helle-Mitte in den noch menschenleeren Geschäftspassagen die Kaninchen ihren Geschäften nachgehen und einige Hundert Meter weiter am Hellersdorfer Graben zwischen Plattenbauten Füchse unterwegs sind, dann kann sich dieses Bild doch schon einmal aufdrängen. Dasselbe Szenario kann sich aber auch an anderen, zentraleren Ecken der Stadt abspielen, z. B. am S-Bahnhof Steglitz.
Nicht nur niedlich und kuschelig
Wenn Krähen an Berliner Imbissbuden frei hängende Abfallsäcke aufreißen, um an den von menschlichen Stadtbewohnern verschmähten Inhalt zu gelangen, dürfte das nur das Personal der betroffenen Gastronomie ärgern. Wer in Gegenden mit hoher Elsternpopulation allzu Aufsehen erregendes auf seinem Balkon liegen lässt, sollte sich auch nicht wundern. Weniger harmlos sind dagegen ungebetene Besucher in den Vorgärten der Berliner Randbezirke. Wildschweine sind höchstens auf Fotos kuschelig oder niedlich anzusehen. Auch Untermieter wie Marder, welche sich auf dem Dachboden oder in Motorräumen von Autos aufhalten, sind trotz ihres possierlichen Äußeren nicht immer beliebt.
Füttern verboten
Wie es schon in der Bibel heißt: Sie säen nicht, sie ernten nicht, der Herr ernährt sie trotzdem. Und nicht nur er. Unsere Mitbewohner wissen genau, was in unseren Gärten, Grünanlagen und Mülltonnen noch zu holen ist. Und das mit erfreulich wenig Aufwand. Und gibt man ein wenig auf die Zweibeiner acht, sogar ohne Stress. Apropos Zweibeiner und Stress: Das Füttern und Halten der meisten Wildtiere ist generell verboten. Nach dem Berliner Landesjagdgesetz können dafür bis zu 5000 Euro Geldbußen erhoben werden (§ 29, Abs. 1 NatSchG Bln und §§ 34 und 50 LJagdG Bln). Also lieber etwas Abstand halten und keine falsch verstandene Tierliebe.
