
- Tikal - oliver brunner
Tikal ist die wohl königlichste Stätte der neuen Welt. Die Maya, ihre Erbauer, haben zahlreiche Bauwerke geschaffen. Angefangen bei Copan in Honduras über El Mirador in Guatemala bis hin zu Palenque und Chichen Itzá in Mexiko. Viele Menschen der westlichen Welt dürften Tikal, wenn auch unbewusst, schon einmal gesehen haben, denn im ersten Star-Wars-Film wird mit ihr die Basis der Rebellen in Verbindung gebracht.
Die Maya
Die Maya waren eine hochentwickelte Kultur, deren Einfluss sich von Yukatan in Mexiko bis hin nach Honduras erstreckte. Zum Zeitpunkt der Eroberung der neuen Welt durch die Europäer war ihre Blütezeit schon vorüber. Sie hatten damals bereits ihre prunkvollen Städte, die teilweise mitten im Urwald lagen, verlassen. Über den Grund dafür sind sich Forscher bis heute nicht einig. Hungersnot, Naturkatastrophen und ähnliches sind gängige Theorien.
Tikal
Die Stadt Tikal nimmt, wie schon erwähnt, eine Sonderstellung in der neuweltlichen Archäologie ein, da sie in vielerlei Hinsicht andere Ballungsräume der Maya in den Schatten stellt. Sie stellte zu deren Blütezeit eine große wirtschaftliche und militärische Macht dar. Es gelang ihr, andere bedeutende, aber rivalisierende, Städte zu unterwerfen oder zumindest zu isolieren. Sie war zudem, nach heutigem Kenntnisstand, die größte aller Maya-Metropolen, auch wenn dieser Ruf ein wenig gelitten hat, da das schon erwähnte El Mirador, gerade erst ausgegraben wird und sein Umfang nur in Ansätzen ermessen werden kann. Die Vorstellung, dass es noch eine größere Stadt als Tikal zu dieser Zeit gegeben haben soll, ist allerdings schwer zu bewerkstelligen. Denn vom Eingang der Stadt bis zum Zentrum mit den zwei großen, die Baumwipfel überragenden, Tempeln, hat man einen ordentlichen Fußmarsch durch den tropischen Regenwald zu bewältigen. Insgesamt wird die Anlage auf eine Größe von 65 Quadratkilometern geschätzt. Die Gegend ist geprägt von hoher Luftfeuchtigkeit und endlosen Moquitoschwärmen. Die Brüllaffen kreischen von den Bäumen herab und auch der Quetzal, der Wappenvogel Guatemalas, ist dort zu Hause. Der Umfang von Tikal wird auch klar, wenn man sich die Bevölkerungszahl ansieht. Allein im Stadtzentrum gab es ungefähr 50.000 Menschen. Mit der näheren Umgebung könnte die Einwohnerzahl allerdings zu Höchstzeiten um die 200.000 gelegen haben. Eine solche Menschenmenge dürfte zu dieser Zeit in Europa nur Paris beherbergt haben. Die große Blütezeit Tikals war mit ziemlicher Sicherheit das achte Jahrhundert nach Cristus. Große Tempelanlagen und andere Bauten entstanden zu dieser Zeit.
Nicht alle Geheimnisse sind gelüftet
Trotz großer archäologischer Anstrengungen, und dem Fakt, dass Tikal die am besten untersuchte Maya-Stätte überhaupt ist, bleibt einiges dieser einstigen Metropole bis heute im Dunkeln. Es gibt immer noch zahlreiche Bauten, die nicht ausgegraben sind. Das bezieht sich natürlich auf die randständigen Gebäude. Die Maya-Forschung sollte also noch einige Zeit Freude an diesem Juwel finden, wenn auch immer mehr Aufmerksamkeit dem oben genannten El Mirador, noch tiefer im guatemaltekischen Regenwald, geschenkt wird. Aber bis dieses wirklich erforscht ist, dürfte noch einige Zeit vergehen und Tikal als Aushängeschild der Maya-Architektur bestehen bleiben.
Quelle: Lucas Vidgen und Daniel C. Schechter. Guatemala. Lonely Planet.
