Tintin - wie Tim und Struppi die Welt eroberten

Tim und Struppi - Hergé
Tim und Struppi - Hergé
Von Hergé erfunden, von Tausenden geliebt. Tim und Struppi ist und bleibt Europas bekanntestes Comic.

Tim und Struppi, die im französischen Original Tintin und Milou heißen, stellen Europas erfolgreichste Comic-Figuren aller Zeiten dar. Seit über achzig Jahren begeistern die beiden eine treue Fangemeinde. Im Oktober kommt ein neuer Tim und Struppi Film in unsere Kinos.

Der Zeichner Georges Rémi, genannt Hergé

Georges Rémi, der sich später mit Künstlernamen Hergé nannte, wurde 1907 in Brüssel geboren. Seine ersten Zeichnungen wurden in der lokalen Pfadfinderzeitung herausgebracht, kurz darauf ebenfalls in dem nationalen Pfadfinderblatt. Nach dem Schulabschluss begann Hergé die Arbeit als Illustrator bei der Zeitung Le XXe Siècle wo er Totor, einen belgischen Pfadfinder und Tims direkten Vorgänger kreierte. Hergé steht übrigens für die Initialen von Georges Rémi, RG.

Die Anfänge von Tim und Struppi

1929 wurden zum ersten Mal Les Aventures de Tintin (zu Deutsch Die Abenteuer von Tim) in der Zeitung Le Petit XXe abgedruckt. Ein Jahr zuvor war Hergé zum Chefredakteur dieser wöchentlichen Beilage des Le XXe Siècle ernannt worden. Tims Abenteuer erscheinen bald als eigenständige Ausgabe, ab 1934 übernimmt der Casterman Verlag sämtliche Publikationen. Mit dem Einmarsch deutscher Truppen in Belgien verschwindet die Zeitung Le XXe Siècle. Alle laufenden Tim und Struppi Produktionen werden gestoppt. 1942 ändert Casterman das Format. Ab nun sollen die Bände maximal 62 Seiten haben, dafür werden sie in Farbe gedruckt. Hergé kürzt bereits bestehende Bände, beziehungsweise verkleinert das Format, sodass von nun an drei bis fünf Comic-Bilder in eine Zeile passen. Dieses Format wurde bis heute beibehalten.

Die Figuren bei Tim und Struppi

In Hergés Comic begleiten wir den jungen Reporter, auf Deutsch heißt er Tim, im französischen Original Tintin, von Land zu Land. Tim ist stets unterwegs zu neuen exotischen Orten und begegnet meist noch auf der Reise dorthin einem neuen Abenteuer dessen Herausforderung er sich stellt. Dabei erwähnenswert ist, dass Tim eigentlich im Journalismus tätig sein sollte, dies aber bis auf kurze Ausnahmen während seiner Abenteuer beiseite zu schieben scheint. Der ständige Begleiter Tims ist sein schneeweißer Foxterrier Struppi (Milou). Während Struppis Sprechblasen in den ersten Bänden noch direkt an Tim gerichtet werden, sind seine Kommentare in den weiteren Abenteuern nur noch für den Leser, nicht mehr aber für die anderen Comic-Figuren zu verstehen. Tim und Struppi treffen auf ihren Streifzügen diverse Charaktere, die sich im Laufe der Serie entweder zu Freund oder Feind entwickeln. So lernen wir Kaptain Haddock (Capitaine Haddock) als treuen Begleiter kennen, Professor Bienlein (Professor Tournesol) als zerstreuten aber liebenswerten Intellektuellen, die Detektive Schulze und Schultze (Dupond et Dupont) und nicht zu vergessen Tims Gegenspieler Rastapopoulos.

Tim als Kind seiner Zeit

Nicht nur Tims Kleidung passt sich im Lauf der Serie an Moderneres an, auch politische Blickwinkel wurden neu überdacht. Einige Jahre nach dem Erscheinen der ersten drei Bände wurde Hergé aufgrund selbiger des Rassismus bezichtigt. Tim im Kongo und Tim in Amerika waren einige Zeit in manchen Ländern sogar verboten. Hergé entschuldigte sich später für die ursprünglich gegen die Ureinwohner des jeweiligen Landes gerichteten, xenophoben Anspielungen.

Die klare Linie als neuer Stil

Mit den Tim und Struppi Comics wurde eine neue Stilrichtung geprägt. Hergé, der sich selbst übrigens nie als Künstler sah, ist der Urvater der sogenannten Klaren Linie. Bei dieser Technik verzichtete er auf die damals üblichen Schattierungen und Schraffierungen bei den Comic-Zeichnungen. Zwar werden bei der Klaren Linie die Entwürfe noch von mehreren Strichen skizziert, bei dem Endprodukt jedoch bleibt ausschließlich eine einzige klare Umrandung stehen. Zusätzlich füllte Hergé alle Flächen einfärbig aus. Dies lässt ein sehr zweidimensionales Bild entstehen und fordert das ganze Können eines Illustrators um dem Betrachter mit dieser reduzierten Technik trotzdem ein eindeutiges und umfangreiches Bild bieten zu können.

Hergés letztes Album

Während der Arbeit am 24. Tim und Struppi Album verstarb Hergé plötzlich. Er litt seit längerem an Anämie und erlag schließlich überraschend einer Lungenfehlfunktion. Tim und die Alpha-Kunst endete auf Seite 42 und wurde 4 Jahre nach Hergés Tod 1987 doch noch publiziert. Hergé hatte schon sehr lange Zeit an der Geschichte dieses Bandes getüftelt, doch durch sein Ableben werden wir nie erfahren, ob es Tim gelungen wäre sich aus der prekären Lage zu befreien, in der er sich auf der letzten Seite befindet.

Ein Museum für Hergé

Für eingefleischte Tintinologen ein absolutes Muss ist das Musée Hergé am Rand von Brüssel. Über 800 Fotos und 80 originalen Bildzeichnungen können das ganze Jahr über dort besichtigt werden.

Tim und Struppi auf der Leinwand

Der internationale Erfolg ließ auch die Filmangebote nicht lange auf sich warten. Schon 1961 erschien der erste Tim und Struppi Film, Tim und Struppi und das Geheimnis des goldenen Vlieses. 1957 hatte bereits eine belgisch/französische TV-Serie mit den Abenteuern von Tim und Struppi begonnen. Auf etliche Kino und TV-Produktionen können die Comic-Helden mittlerweile zurückblicken und im kommenden Herbst ist es wieder so weit. Der Oktober 2011 sieht die deutsche Premiere von Tim und Struppi - Das Geheimnis der Einhorn vor. Produziert von Peter Jackson und unter der Regie von Steven Spielberg kommt die erste Tim und Struppi Hollywood-Produktion heraus.

Julia Stipsits, Foto: Marisa Vranjes

Julia Stipsits - Als Schauspielerin gehen meine Interessen vorwiegend in die künstlerische Richtung. Was nicht heißt, dass es nicht auch einmal ...

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