
- Umzug mit Seecontainer - Gabriele Hefele
Zuerst war da einmal die Idee: Wenn seinerzeit vor mehr als 400 Jahren die Spanier mit ihrer Armada von Cadiz an der Atlantikküste entlang durch den Ärmelkanal bis in die Niederlande schippern konnten, dann muss das doch umgekehrt auch gehen. Von der Nordsee an die Costa del Sol den Hausstand nicht mit großen Umzugs-Lastkraftwägen über Land transportieren, sondern auf einem Containerschiff in einem Seecontainer liefern lassen.
Für Auswanderer nach Übersee wie in die USA, nach Kanada, Australien, Neuseeland und jetzt auch immer mehr nach China ist das nichts Besonderes, da ist ein Umzug der Utensilien von Möbeln bis zum Motorrad per Containerfrachter das Normale, einzig Bezahlbare. Aber für Auswanderer innerhalb Europas? Klar, wer vom hessischen Binnenland in die Schweiz oder von München in die Toskana zieht, der braucht über eine Alternative zum Umzugs-Lastwagen gar nicht erst nachzudenken. Wer aber von küstennahen Orten an Nord- und Ostsee oder in überschaubarer Entfernung zu einem Adriahafen aus - wie etwa Triest - in die Ferne zieht, der sollte ernsthaft über Containerbeladung nachdenken.
Der Trick: Gekaufte Seecontainer als billigen Lagerraum
Der Kauf ist gar nicht so schwierig, wie es sich anhört: Internationale Umzugsfirmen kennen sich damit aus, wie das mit der Containerverschiffung geht. Man braucht zunächst eine Umzugsfirma, die den Container vor die Haustür des alten Wohnortes anliefert und von dort bepackt wieder zum Hafen bringt. Jetzt kommt der pfiffige Rat: Normalerweise kostet der Container vor Ort auch noch etwas Miete pro Tag, bevor er wieder auf die Reise geht, deshalb lohnt es sich, die ausführende Reederei anzurufen und gleich den Container zu kaufen! Voraussetzung ist natürlich, dass am neuen Wohnort ein entsprechendes Grundstück vorhanden ist. Dann entfällt nicht nur die Miete für den Container während der Beladetage, sondern man gewinnt einen dauerhaften Abstellraum, ein Materiallager, eine provisorische Garage und dergleichen mehr. So ein gebrauchter Container kostet nur um die 750 Euro. Für dieses Geld erhält man kaum eine Garage oder beispielsweise ein Futterlager für Pferde, das mäusesicher aber doch gut durchlüftet ist. Bestehen Sie deshalb beim Kauf eines gebrauchten Cntainers möglichst auf einem, mit dem vorher Lebensmittel transportiert wurden wie etwa Kaffee oder Tee. Diese sind die saubersten und am besten wieder zu verwenden.
Meist reicht ein 20-Fuß-Container
Nicht vergessen: Für den richtigen Stand des Containers sollte man sich vorher vier Punktfundamente anfertigen und auf dem neuen Grundstück aufstellen lassen. Dies ist dann der letzte Weg des Containers: Sie müssen nochmal so um die 300 Euro dazu rechnen für den Transport des Seecontainers vom Hafen bis zu ihrem Zielort. Auch da helfen die Reedereien, die solche Organisation gewohnt sind, beziehungsweise mit entsprechenden Firmen an den Häfen zusammen arbeiten. Am günstigsten ist ein Transport mit einem LKW mit integriertem Ladekran. Am Zielort angekommen, kann man den Container möglichst noch farbig nett anstreichen, vielleicht auch ein Satteldach darüber bauen – fertig ist ein Anbau, der in der Regel in den meisten Ländern keine Baugenehmigung benötigt.
Es gibt die Wahl zwischen einem 20-Fuß-Container mit der Abmessung 6 Meter Länge mal 2,50 Meter Breite und 2,50 Meter Höhe oder einem 40-Fuß-Container mit 12 Meter Länge. Unglaublich, was allein in einen 20-Fuß-Container hinein passt, der meistens ausreicht! Bei einem Umzug können darin beispielsweise erfahrungsgemäß lässig eine Küche, zwei komplette Schlafzimmer, eine Doppel-Büroausstattung, 46 Bücherkartons und 12 Geschirrkartons sowie etlicher Krimskrams untergebracht werden.
Vorschriften und was sonst noch zu beachten ist
Lässig ist übrigens ein schlechtes Stichwort für das Packen des Containers. Hier kann es angeraten sein, einen Fachmann auf diesem Gebiet zu Rate zu ziehen, denn alles muss sicher und fest verstaut werden, da darf nichts, aber auch gar nichts Spiel haben und herum rollen oder umfallen. Denn ein Container muss zum Beispiel auch in Europa einen der berüchtigten Stürme in der Biscaya oder im Ärmelkanal überstehen. Deshalb sollte man darauf achten, vorne an die Türen weniger empfindliche Güter zu stellen, wie etwa Kunststoffgartenmöbel. Oder man verpackt die Umzugsgüter dicht mit Folie, da schon mal bei hohen Wellen etwas Wasser einsickern könnte.
Bei all den Vorteilen eines Seecontainer-Umzuges gibt es doch einen Wermutstropfen: Da das Schiff in internationale Gewässer fährt, muss man für den Zoll eine genaue Stückliste des Inhalts anfertigen, über jede Stehlampe! Das kann einen zum Fluchen bringen, hat aber hinterher wieder den Vorteil, das man alles genauestens und wie bei einer Inventur überprüfen kann.
Landweg oder Seeweg ?
Erfahrungsgemäß ist der umgekehrte Weg vom Norden in den Süden von sehr viel mehr Erfolg gekrönt als jener der Armada, die von den Engländern fast vollständig versenkt wurde: Preisvergleiche mit einem LKW-Umzug erbrachten bei diesem Fall mehr als ein Drittel Einsparung bei den Transportkosten im Vergleich mit den Kubikmetern auf dem Landweg. Allerdings dauert der Seeweg mindestens doppelt so lange wie mit großen Umzugswagen. Doch auch bei diesen ist die Werbung mit dem Slogan „In drei Tagen von Deutschland nach Spanien“ nicht ganz korrekt: Eine Woche muss man auch hier mindestens einplanen, da erst die Möbel in einer Zentralstelle in Deutschland mit denen anderer Kunden gesammelt werden, dann geht es vielleicht in drei Tagen zu den großen Städten wie Barcelona oder Madrid, aber dann beginnt die Umladung auf kleinere LKWs. Wenn dann noch ein Wochenende dazwischen liegt oder eine der großen Festivitäten - aber das ist dann wieder eine andere Story im Kapitel der Besonderheiten der neuen Heimat.
Quellen:
- Eigener Auswanderungs-Umzug mit Seecontainer von Bremen bis Algeciras
- Beratung und Information durch die Oldenburg-Portugiesische Dampfschiffs-Reederei
- Beratung durch Umzugsprofi Gerd Bartsch zum Kauf eines Containers
