Tipps für den Umgang mit dementen Menschen im Alltag

Demente Menschen einfühlsam unterstützen - Damaris  / pixelio.de
Demente Menschen einfühlsam unterstützen - Damaris / pixelio.de
Der Alltag mit einem dementen Menschen ist häufig stressig: So erleichtern sich Angehörige das Leben und geben dem Kranken ein gutes Gefühl.

Demenz ist eine Krankheit, die oft die gesamte Familie des Erkrankten in Mitleidenschaft zieht. Die allmähliche, manchmal auch schubweise Persönlichkeitsveränderung eines dementen Menschen ist schwer nachvollziehbar und bereitet den Angehörigen zahlreiche emotionale und praktische Probleme. Einige einfache Maßnahmen können den gemeinsamen Alltag erleichtern.

Wenn der demente Mensch weglaufen will

Viele Demente fühlen sich in ihrer Wohnung nicht mehr wirklich „Zuhause“, oft sehnen sie das Zuhause ihrer Kindheit herbei. Die angenehmste Weise, dem Weglaufen vorzubeugen, ist, dem Kranken eine Umgebung zu schaffen, in der er sich möglichst wohlfühlt: Stellen Sie beispielsweise viele Bilder aus alten Zeiten auf, spielen Sie Musik aus der Jugendzeit des dementen Menschen ab. Vielleicht gibt es noch andere, wichtige Erinnerungsstücke, die Sie im direkten Blickfeld aufbauen können und die eine Verbindung schaffen zu jener Zeit, in der der Erkrankte sich nun „Zuhause“ fühlt. Wenn Sie auf diese Weise keinen sicheren Weglaufschutz erreichen, dann verstecken Sie Schuhe, Jacke und alle anderen Gegenstände, die der Demente zum Ausgehen benötigt. Viele lassen sich davon abhalten, nach draußen zu gehen, wenn die entsprechende Kleidung fehlt. Machen Sie das Öffnen und Schließen der Haustür hörbar, beispielsweise mit einem Glöckchen: So bemerken sie stets, wenn jemand das Haus verlassen will. Einschließen zum Selbstschutz des kranken Menschen sollte die letzte Lösung sein.

Brille, Gebiss, Hörgerät: Wenn ein Dementer ständig alles weg wirft

Die meisten dementen Menschen besitzen auf Grund ihres Alters zumindest eines dieser Gegenstände: Brille, Gebiss oder Hörgerät. Oftmals benötigen sie im fortgeschrittenen Stadium bei Inkontinenz auch noch Vorlagen. Wenn ein Dementer diese Dinge ständig loswerden will, sie abnimmt, auszieht und weg wirft, dann könnte es sein, dass sie ihn einfach stören. Vielleicht muss das Gebiss neu eingepasst werden, das Hörgerät zwickt, die Brille verrutscht. Eine Erwachsenenwindel kneift eventuell. Wahrscheinlich kann mit einer kleinen Korrektur durch den Zahnarzt oder den Optiker - oder mit einer größeren Windel - schon Abhilfe geschaffen werden. Versuchen sollten Sie diesen Weg auf jeden Fall.

Angst vor Fernsehbildern

Demente Menschen schauen häufig viel fern. Spaziergänge, Spiele und Unterhaltungen sind sicherlich besser zum Erhalt des Gedächtnisses, doch die Angehörigen brauchen oftmals dringend die Entlastung durch den Fernseher. Wenn ein an Demenz Erkrankter allerdings das, was er im TV sieht, für einen Teil seines realen Lebens hält, können eventuell Angstattacken die Folge sein. Wenden Sie einen ganz einfachen Trick an: Stellen Sie die Farbe des Fernsehgeräts auf Schwarz-Weiß, dann wird der demente Mensch wahrscheinlich den Unterschied erkennen. Die meisten wissen noch aus Kindheitstagen, dass Filme schwarz-weiß sind. Vertraute Filme aus der Jugendzeit sorgen außerdem für ein Gefühl der Sicherheit, aktuelle Nachrichten und Action Filme sollten ausgeschaltet bleiben.

Mit Dementen baden oder duschen

Häufig wehren sich demente Menschen gegen die Körperpflege - oder sie schaffen es einfach nicht allein. Dies ist ein Punkt, der von dem pflegenden Angehörigen viel Geduld erfordert: Den Erkrankten zu einem Bad oder eine Dusche zu bewegen, kann wirklich anstrengend sein. Sorgen Sie zu einer Tageszeit, an der der demente Mensch relativ zugänglich ist, für eine entspannte Atmosphäre: Legen Sie seine Lieblingsmusik auf, heizen Sie das Bad, legen Sie ein großes Handtuch bereit und sorgen Sie dafür, dass ein angenehmer Badeduft in der Luft liegt. Dann sprechen Sie darüber, wie erfrischt man sich nach einer Dusche oder einem Bad fühlt, wie schön die Haut duftet und wie wichtig die Körperhygiene ist. Vergessen Sie nicht, dass alte, demente Menschen besonders auf Sicherheit bedacht sind. Das Bad braucht Haltegriffe, Anti-Rutschmatten und natürlich Ihre helfenden Hände.

Körperpflege bei Dementen

Ein Mensch, der vielleicht schon die einfachsten Handgriffe vergessen hat, benötigt Ihre einfühlsame Mithilfe: Machen Sie ihm das Kämmen und Zähneputzen vor, legen Sie ihm Kamm oder Zahnbürste in die Hand und beginnen mit den zugehörigen Bewegungen. Oftmals macht der Erkrankte dann von selbst weiter, zumindest ein Stück weit. Und dies ist ein besonders wichtiger Punkt: Demente Menschen sollten immer dazu angeregt werden, möglichst viele tägliche Verrichtungen noch selbst auszuführen, damit sie möglichst lange am Leben teilnehmen können. Der Impuls, ihnen komplett alles aus der Hand zu nehmen, ist verständlich, weil dies den Angehörigen Einiges erleichtert. Doch der demente Mensch benötigt vor allem Ihre Geduld und Unterstützung.

Auch auf die eigene Gesundheit achten

Sehr wichtig ist es, dass Angehörige ihr eigenes Wohlsein über die Pflege der dementen Person nicht vergessen. Die Kurzzeitpflege bietet Möglichkeit für eine Auszeit, ein kleiner Erholungsurlaub schenkt neue Kraft. Bitten Sie aber auch andere Familienangehörige um Hilfe und lassen Sie einen ambulanten Pflegedienst kommen. Eine Kombination aus diesen Komponenten bietet Ihnen hoffentlich die nötige Freizeit für ausgleichende Beschäftigungen.

Quelle:

  • Eigene Erfahrungen: Die Autorin hat zwei Jahre lang in der ambulanten Betreuung für demente Menschen gearbeitet.
Yvonne Salmen, Yvonne Salmen

Yvonne Salmen - Yvonne Salmen ist im Jahr 1973 geboren, sie erlangte im Jahr 2002 ihren Fachhochschulabschluss. Zuvor absolvierte sie eine Lehre zur ...

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