Tipps für Interrail in Norwegen

Zug nach Bergen - Anton Maurer
Zug nach Bergen - Anton Maurer
Norwegen ist ohne Zweifel eines der spektakulärsten Länder, die man mit dem Interrail-Ticket bereisen kann.

Wilde Fjorde, schroffe Felsen, romantische Hochebenen – das ist Norwegen. Jede Bahnfahrt kommt einer Sightseeing-Tour gleich, die Szenerie ist im Süden und Westen so schön und so aufregend wie im Norden. Ein Interrail-Pass ist die wohl günstigste Möglichkeit, dieses ansonsten sehr teure Land zu bereisen.

Mit dem Zug von Deutschland nach Skandinavien

Die Reise von Hamburg nach Oslo ist mit zwei- bis viermaligem Umsteigen in etwa 15 bis 17 Stunden zu schaffen, wer (Stand 02.02.2011) um 6:20 Uhr in Hamburg wegfährt, ist um 21:45 Uhr in Oslo. Naturgemäß empfehlen sich Zwischenstopps in Kopenhagen, Malmö und Göteborg. Für den ersten Abschnitt der Reise von Hamburg nach Kopenhagen stehen zwei Routen zur Verfügung – die Festlandverbindung über Flensburg oder die direkte ICE-Verbindung über die Insel Fehmarn. Bei letzterer fährt der ICE im dänischen Puttgarden in den Bauch eines Fährschiffes, um nach etwa 50 Minuten Überfahrt im dänischen Rødby wieder von Bord zu rollen. Für die Überfahrt mit der „ICE-Fähre“ wird kein zusätzliches Ticket benötigt, es empfiehlt sich nur, sich an Bord des riesigen Schiffes den Rückweg zum Zug genau einzuprägen – dieser muss für die Dauer der Überfahrt verlassen werden.

Auch von Berlin gibt es (über Hamburg) direkte ICE-Verbindungen nach Kopenhagen. An bestimmten Tagen sowie von Anfang Mai bis Mitte/Ende August täglich steht außerdem der „Berlin Night Express“ zur Verfügung, der über Nacht die deutsche Hauptstadt mit dem südschwedischen Malmö verbindet. Die Fahrzeit beträgt 9:30 respektive 8:30 Stunden, der Zug kann gegen einen Aufpreis von 19 Euro (Stand 02.02.2011) mit dem Interrail-Ticket benützt werden. Zwischen Sassnitz auf der Insel Rügen und Trelleborg in Schweden befindet sich auch dieser Zug im Inneren eines gigantischen Fährschiffes. Das Bett/die Liege muss während der Nacht nicht verlassen werden, jedoch kann es auch in Zeiten von Schengen passieren, dass man mitten in der Nacht zwecks Ausweiskontrolle von einem Polizisten aufgeweckt wird.

Von Kopenhagen geht es über die rund acht Kilometer lange Øresundbrücke ins schwedische Malmö, unbedingt umsteigen muss man aber erst einige Stunden später in Göteborg. Im schwedisch-norwegischen Grenzgebiet wird es landschaftlich erstmals richtig spannend, auf Kanälen lassen sich inmitten von Wäldern kleinere Schiffe beobachten und dergleichen mehr.

Nachtzüge und wunderschöne Hauptstrecken – mit der Bahn durch Norwegen

Die wichtigsten Bahnstrecken Norwegens sind Oslo–Stavanger, Oslo–Bergen und Oslo–Trondheim–Bodø. In Oslo und Trondheim besteht eine Umsteigemöglichkeit nach Schweden, Bodø ist per Bus mit dem noch weiter nördlich gelegenen Narvik verbunden, von welchem man ebenfalls per Zug ins benachbarte Schweden gelangt. Die landschaftlich schönste Strecke Norwegens ist unbestritten die Bergen-Bahn, die Oslo mit Bergen, Europas regenreichster Großstadt, verbindet. Entlang der Strecke erblickt man neben den Seen und sanften Hügeln der Hardangervidda (Europas größte Hochebene) immer wieder große Schneeschleudern, die ein Bild von den im Winter vorherrschenden Bedingungen vermitteln. In Myrdal lohnt sich ein Abstecher in das am Aurlandsfjord gelegene Nest Flåm, obschon die (Hin- und Rück-) Fahrt mit rund 30-40 Euro trotz Interrail-Ermäßigung ausgesprochen teuer ist. Unterkünfte, die für den durchschnittlichen Interrail-Reisenden erschwinglich sind, gibt es in Flåm nicht, es empfiehlt sich eine Weiterfahrt nach Bergen.

Auf allen Hauptstrecken verkehren auch Nachtzüge, sodass man, nachdem man beispielsweise die Landschaft entlang der Bergenbahn tagsüber bewundert hat, mit dem Nachtzug zurückfahren kann. In einigen Nachtzügen werden im – komfortablen – Sitzwagen Kopfpolster und Schlafbrillen verteilt, die theoretisch obligatorische Reservierung von Schnellzügen ist in der Praxis meist nur im Nachtzug vonnöten. Zu den Nachtzügen ist noch zu sagen, dass jede Interrail-Reise in einem Nachtzug, die nach 19 Uhr angetreten (und am nächsten Tag, jedoch nicht am ersten Gültigkeitstag des Tickets, abgeschlossen) wird, dem nächsten Tag zugerechnet wird, eine Regel, von der Interrailer mit einem Ticket, das beispielsweise an „5 von 10“ Tagen gilt, profitieren.

Wohin in Norwegen

Neben Bergen ist für Interrail-Fahrer auch die Fahrt über den Polarkreis ein Muss. In den wunderschönen nördlichen Hochebenen trifft man nur mehr wenige der typischen, oft bemoosten, Holzhäuser an. Von der reizlosen Stadt Bodø empfiehlt sich eine (durchaus erschwingliche) Fahrt mit der Fähre auf die Lofot-Inseln. Die Lofoten wurden vom National Geographic Magazin als eine der schönsten Inselgruppen der Welt ausgezeichnet, eine nette Jugendherberge findet man zum Beispiel in der Ortschaft Å, welche im Übrigen den Ausgangspunkt für eine schöne (bei sehr feuchtem Wetter allerdings riskante) Wanderung an die Westküste der Insel bildet. Ein typischer Anblick sind die Stockfische, die an hölzernen Gestellen im Wind getrocknet werden.

Norwegische Preise und Wildcampen

Bei dem generell sehr hohen Preisniveau in Norwegen lohnt es sich, vorab günstige Unterkünfte zu suchen. Abgesehen vom Übernachten in Zügen und vom Wildcampen, das laut norwegischem Gesetz 150 Meter vom nächsten bewohnten Haus entfernt überall möglich (aber nur im Sommer, und da nur im südlichen Norwegen, empfehlenswert) ist, bietet sich neben diversen Jugendherbergen beispielsweise das Interrail-Center in Trondheim an (Vorsicht bei den Öffnungszeiten, die Betreiber machen gerne ein, zwei Tage früher Schluss). Einigermaßen günstige Nahrungsmittel bekommt man nur im Supermarkt, eine Mahlzeit im Restaurant schlägt in der Stadt mit etwa 15 bis 30 Euro zu Buche. Eine vollständige Auflistung von norwegischen Interrail-Vergünstigungen ist auf interrailnet.com einsehbar. Auch eine Aufstellung aller verfügbaren Interrail-Tickets findet sich dort.

Anton Maurer, Anton Maurer

Anton Maurer - Ich wurde 1989 in Steyr (Österreich) geboren und schreibe, seit ich lesen kann. Als Zehnjähriger gewann ich einen ersten Preis ...

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