Tipps für Mütter, die alle funktionieren ...

… wenn Ihre Kinder genauso sind wie meine!

Ratgeber zur Bewältigung des Alltags mit Babys und Kleinkindern gibt es wie Sand am Meer. Aber können sie wirklich weiterhelfen?

Kennen Sie das? Sie haben ein Problem mit Ihrem Kind/Ihren Kindern und finden eine Internetseite, die genau Ihre Fragestellung behandelt, oder ein Buch, das Ihre Situation beschreibt. Manchmal helfen die Ratschläge und Sie sind glücklich und erzählen allen Müttern/Vätern, welch gute Lösung Sie gefunden haben. Aber manchmal müssen Sie feststellen, dass das, was offensichtlich bei Millionen anderer Kinder funktioniert hat, bei Ihrem Kind gar nicht wirkt.

Hilfe – mein Kind schreit!

Darf man ein Kind schreien lassen? Natürlich nicht! Was früher wegen angeblicher Lungenkräftigung praktiziert wurde, gilt heute als der Inbegriff an Kälte und Gleichgültigkeit. Wie einsam und alleingelassen sich ein Baby fühlt, das stundenlang in einem abgeschiedenen Raum liegen muss, ohne dass jemand kommt, auch wenn es sich die Seele aus dem Leib schreit, können und wollen wir uns nicht vorstellen. Wir haben gelernt und machen es genau umgekehrt: Beim ersten Brüller wird das Kind in den Arm genommen, getragen, getröstet … Das heißt im Klartext: Heute dürfen Babys nicht mehr schreien. Aber ist das gesund? Wenn Babys schreien, haben sie einen Grund dazu. Die Frage ist nur: Können wir den immer beseitigen? Was tun, wenn das Kind gestillt und gewickelt ist und in seinem feinen, weichen, warmen Bettchen liegt und trotzdem schreit? Vielleicht hat es Bauchweh. Vielleicht tut ihm etwas anderes weh, vielleicht sitzt die Windel schief und drückt, vielleicht ist das Baby traurig, weil es nun nie mehr in die dunkle kuschelige Höhle bei Mama zurückkann … Wir wissen es nicht. Können es manchmal erkennen, manchmal erraten und manchmal sind wir vollkommen hilflos. Aber ist es wirklich notwendig, das Kind immer zu sofort zu beruhigen? Der dänische Pädagoge Jesper Juul sagt, dass Kinder, die nicht schreien dürfen, denen man ihre negativen Emotionen nicht zugesteht, aggressiv werden. Wichtig ist es, dem Baby oder Kleinkind zu zeigen, dass man sein Unglück wahrnimmt. Damit vermitteln wir dem Kind das Gefühl, es ist nicht allein in seiner Not.

Zwillinge stillen

Stillen ist wunderbar. Man wendet sich dem Kind zu, gibt ihm Wärme, Nähe und nährt es psychisch und physisch. Zwillinge zu stillen ist allerdings nicht immer einfach. Tandemstillen oder hintereinander füttern? Was ist das Bessere? Eines ist klar: Wer zuerst ein Kind stillt und dann das andere, muss in Kauf nehmen, dass das „zweitgereihte“ Kind schreit, während das „erste“ am Busen liegt. Und wenn dann das andere dran ist, kann es sein, dass jenes Kind weint, das gerade gestillt worden ist. Als Mutter bleibt einem nichts anderes übrig, als ein Kind schreien zu lassen. Das ist nicht angenehm. Studien haben gezeigt, dass das Schreien und Weinen von Kindern zu den enervierendsten Geräuschen gehört, die es gibt. Schreiende Kinder lösen in uns das Gefühl aus, wir müssten sofort aufstehen und die Not des kleinen Menschen lindern. Eine Hebamme stellte die richtige Frage: Ist die Situation für das Kind wirklich unzumutbar? Sofern sie das nicht ist, gibt es keinen Anlass zu handeln. Und wenn es stimmt, was Jesper Juul sagt, dann soll das Kind auch schreien und seine Frustration kundtun dürfen.

Selbst entscheiden, was richtig ist

Alle Erziehungsratgeber beenden ihre Werke mit dem Hinweis, dass die Eltern letztlich selbst entscheiden müssen, was für ihr Baby oder – in Zeiten von IVF immer häufiger – ihre Babys richtig ist. Man könnte sagen, dass sich die Autoren und Autorinnen damit aus der Affäre ziehen. Tatsächlich ist es aber so, dass die Menschen von Anfang an grundverschieden sind, dass das, was für den einen gut und stimmig ist, für den anderen gar nicht passt. Die oben zitierte Hebamme betonte immer, dass nicht die Eltern sich an die Kinder anpassen sollten, sondern die Kinder sich in die Familie einfügen müssen. Auch das ist eine Binsenweisheit, die zu befolgen realiter schwieriger ist als gedacht. Dabei ist es so wichtig, dass wir unseren Kindern vorleben, die eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen und zu artikulieren. Dass sie trotzdem nicht immer erfüllt werden, ist schade, aber na ja, such is life!

Clementine Skorpil, Clementine Skorpil

Clementine Skorpil - CLEMENTINE SKORPIL Geboren in 1964 in Graz, studierte Sinologie und Geschichte an der Universität Wien. Während des Studiums ...

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