
- Klarname - Angela Parszyk/pixelio.de
Das Tiroler Regionalmedium Tiroler Tageszeitung setzt mit einer Umstellung seines Web-Auftritts auf ein traditionell starkes Branding der Kernmarke und führt darüber durch die verpflichtende Registrierung unter einem Klarnamen spezifische Qualitätsstandards für die Diskussionsforen auf seiner Internetplattform ein.
tt.com wird durch „Tiroler Tageszeitung Online“ ersetzt
Seit Donnerstag, dem 25.08.2011, setzt der Web-Auftritt der Tiroler Tageszeitung auf den „Tiroler Adler“. Nachdem das Regionalmedium viele Jahre auf tt.com als Marke ihres Internetauftrittes gesetzt hat, führt man diese auf die Kernmarke Tiroler Tageszeitung zurück und firmiert zukünftig unter „Tiroler Tageszeitung Online“. Damit will man die starke Marke Tiroler Tageszeitung auch für den Web-Auftritt nutzen, und damit über den regionalen Bereich des Bundeslandes hinaus einen Wiedererkennungswert schaffen. Die Internetadresse www.tt.com bleibt allerdings unverändert.
Klarname als Qualitätsstandard
Die Einführung der verpflichtenden Registrierung unter einem Klarnamen hat seine Grundlagen in der Einführung verbesserter Qualitätsstandards für das Onlineportal der Tiroler Tageszeitung. Ab heute kann ein Internetnutzer auf www.tt.com nur dann posten, wenn er sich mit korrekten Daten dort registriert hat und unter seiner echten Identität, d.h. seinem bürgerlichen Namen schreibt. Wenn User trotz dieser Regelung nicht eindeutig zuzuordnen sind, werden die Kommentare durch die Onlineredaktion auf der Grundlage der Kommentarrichtlinien einer Kontrolle unterzogen. Erst nach diesem Kontrollmechanismus erfolgt eine Freischaltung. Mit dieser Maßnahme will man eine Qualitätssteigerung der Postings durchsetzen. Es soll vor allem zu einer Versachlichung der Diskussionen auf www.tt.com führen.
Vorbild für Klarnamenregelung: Internationale Blogs
Vorbild für diese Klarnamenregelung waren die Transparenzrichtlinien internationaler sozialer Netzwerke wie Google+ oder Facebook. Demgegenüber setzt Wikipedia auf Anonymität. Dort gibt es eine sehr ausführliche Regelung über Decknamen und Klarnamen. Wenn etwa Wikipedia-Autoren oder Poster den Klarnamen eines anderen Autors, der unter Decknamen schreibt, „outet“, dann kann dies sogar nach den Wikipedia-Richtlinien zum Ausschluss aus der Autorengemeinschaft führen. Generell sollen Trolle in Internetforen durch die Klarnamenregelung neutralisiert werden. Damit will man eine strukturierte und damit auch niveauvollere Diskussion garantieren.
Sicherheitspolitische Diskussion über Klarnamen
Vor wenigen Wochen wurde im Zuge der sicherheitspolitischen Diskussion nach den Anschlägen Norwegen vor allem in der Bundesrepublik Deutschland darüber diskutiert, ob man die oft durch politische Extremisten konspirativ genutzten Internet-Blogs nicht dadurch besser observieren könnte, indem man im gesamten Internet eine verpflichtende Klarnamenregelung einführt. Zuletzt ließ etwa der deutsche Innenminister Friedrich (CSU) mit solchen Plänen aufhorchen. Blogger sollen nicht mehr verdeckt, sondern nach einem Zitat auf Spiegel online mit „offenem Visier“ diskutieren. So müssten laut Friedrich „auch im Netz die Grundsätze der Rechtsordnung gelten“. SPD, Grüne und Piratenpartei sind allerdings klar gegen diese Bestrebungen. Sie befürchten eine Einschränkung des Rechts auf Meinungsfreiheit.
