Tobias O. Meißner: Die Soldaten – Rezension des Fantasy-Romans

Tobias O. Meißner: Die Soldaten - Piper
Tobias O. Meißner: Die Soldaten - Piper
"Die Soldaten" von Tobias O. Meißner handelt von der Ausbildung einer Truppe Soldaten, die gegen Affenmenschen in den Krieg zieht. Doch dahinter steckt mehr

Viele Jahre wurde die deutsche Fantasy-Literatur von den sogenannten Völkerromanen über Elfen, Orks und Zwerge beherrscht. Da vermutet man beim Titel „Die Soldaten“ das schlimmste – sollen Soldaten jetzt plötzlich auch ein Volk sein? Doch diese Sorge ist unbegründet, denn Tobias O. Meißner sieht den Titel ausdrücklich als Hommage an Jakob Michael Reinhold Lenz, der mit dem Drama „Die Soldaten“ ein herausragendes Werk des Sturm und Drangs schuf.

Die Soldaten des Tobias O. Meißner

Der Kontinent steht vor großen Umbrüchen. Seuchen haben das Reich gezwungen, die eigene Hauptstadt aufzugeben und Plünderer durchziehen das Land. Militärisch ist das Land seit dem verlorenen Feldzug gegen die Affenmenschen stark geschwächt. Die Festung Carlyr ist das wichtigste Bollwerk im Krieg gegen die Affenmenschen. Leutnant Eremith Fenna wird dorthin versetzt, um eine neue Kompanie Soldaten auszubilden. Die Rekruten sind längst nicht alle vielversprechend, doch Fenna ist entschlossen, sie zu einer guten Truppe zu formen – auch gegen den Widerstand anderer Offiziere in der Festung. Viel Zeit bleibt Fenna nicht, denn seinen Soldaten steht schnell eine große Bewährungsprobe bevor.

Feinde und Freunde der Soldaten

Vordergründig geht es in „Die Soldaten“ um Krieg. Doch Tobias Meißner (geboren 1967) nutzt ähnlich wie auch in „Die Dämonen“ die Geschichte um die Soldatenausbildung und den Affenmenschenfeldzug, um auf der Meta-Ebene andere Themen anzusprechen. So beleuchtet der deutsche Fantasy-Autor die Motive, aus denen Menschen zur Waffe greifen, wie Verteidigung von Familie und Heimat, Sucht nach Ruhm und Abenteuer und der Wunsch nach gesellschaftlichem Aufstieg. Auch die Aufgaben, für die eine Armee eingesetzt werden kann, thematisiert Meißner: Neben dem Kriegseinsatz gehören dazu der Einsatz als Helfer in Katastrophengebieten samt Vorgehen gegen Plünderer sowie der Kampf gegen Aufständische und Terroristen, die den Staat bedrohen.

Auch der Umweltschutz, der als Hauptmotiv Meißners Reihe „Im Zeichen des Mammuts“ durchzieht, spielt eine wichtige Rolle. Denn im Krieg wird auf die Natur keine Rücksicht genommen, können ganze Landstriche verheert werden. Zu den stärksten Passagen in „Die Soldaten“ gehört die Beschreibung der Wüstenlandschaft durch die der Trupp von Leutnant Fenna zieht – die Soldaten nehmen sie in ihrer Paranoia als feindlich wahr, so fremd ist sie ihnen. Für die Wunder der Flora und Fauna haben sie keinen Blick übrig.

Meißners Soldaten sind keine klassischen Helden

Ein wenig kurz kommt die Kameradschaft, was wohl auch daran liegt, dass die Handlung aus Sicht eines Offiziers geschildert wird und nicht aus der von einfachen Soldaten. Allerdings gelingt Meißner die Ausformung seiner Charaktere nicht so gut wie es etwa Steven Erikson in seinem „Spiel der Götter“ schafft.

Zu einem Buch über Soldaten zählen natürlich Kampf- und Schlachtszenen. Leutnant Fenna muss seine Mini-Kompanie dann auch in den Kampf führen. Dennoch ist „Die Soldaten“ kein blutrünstiger Fantasy-Roman und auch längst nicht so zynisch wie die Bücher von Joe Abercrombie. „Die Soldaten“ ist aber ein Abgesang auf klassisches Heldentum. Und ihre Geschichte ist mit diesem Buch nicht beendet, sondern es bleibt viel Spielraum für eine Fortsetzung.

Tobias O. Meißner: Die Soldaten. Piper 2011. Broschiertes Taschenbuch, 512 Seiten. Euro 16,95 (Österreich 17,50).

Jörn Käsebier - Bei Suite101.de betreute Jörn Käsebier zweieinhalb Jahre die Ressorts Wirtschaft & Geld sowie Sport als Redakteur, solange es ...

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