Tod durch Schokolade

Kakao kann Papageien, Katzen und Hunde das Leben kosten

Schokolade wirkt auf Menschen anregend, Tieren aber kann sie den Garaus machen. Das US- Landwirtschaftsministerium setzt Kakao erstmals zur Schädlingskontrolle ein.

Göttlich - ja. Köstlich - auf jeden Fall. Tödlich? Für manche Arten! Ein Kea (oder Bergpapagei) in Neuseeland fand nach ein paar Stücken Schokolade den seligen Frieden. Er hatte sich am Abfalleimer bedient, nicht ahnend, dass ihm die süße Versuchung zum Verhängnis werden könnte. Viele Arten vertragen die chemischen Stoffe in Schokolade, die Menschen nur in riesigen Mengen gefährlich werden, nicht. Wissenschaftler untersuchen jetzt diese Stoffe, die vielleicht eines Tages wegen ihrer giftigen Eigenschaften als Pflanzenschutzmittel und zur Schädlingskontrolle eingesetzt werden könnten.

Göttliche oder giftige Schokolade?

Menschen genießen die Frucht des Kakaobaums seit Jahrtausenden: Funde von Gefäßen mit Spuren von Theobromin, das nur in der Kakaopflanze vorkommt, legen eine Nutzung dieser Pflanze seit etwas 1100 AD nahe. "Theobroma" ist ein griechisches Wort, das übersetzt soviel wie das "Essen der Götter" bedeutet. Kakaobohnen enthalten viel Koffein, ebenso wie die anregenden Substanzen Theobromin und Theophylin, das in geringer Menge auch in Teeblättern vorkommt. Auf Menschen wirken diese chemischen Stoffe anregend, für manche Tierarten sind sie tödlich. 240 g ungesüßter, dunkler Schokolade reichen um einen Schäferhund zu töten.

Der Kea starb in einem Urlaubsort in den südlichen Alpen Neuseelands. Er hatte sich an den Abfalleimern eines Hotels vergriffen und den Bauch mit zu viel Schokolade, d. h. in diesem Fall 20 g, vollgeschlagen, wie Dr. Gartrell von der Massey Universität erklärt.

Für Landwirte und Kleingärtner: Schokolade gegen Kojoten und Schnecken

Die Entdeckung der für Tiere giftigen Komponenten der Schokolade regte das US-amerikanische Landwirtschaftsmininsterium in Fort Collins, Colorado, an, untersuchen zu lassen, ob diese vielleicht im Kampf gegen überhandnehmende Kojoten helfen könnten. Kojoten schaden der Landwirtschaft in Amerika in nicht unerheblichem Ausmaß: Sie töten Nutztiere, der Schaden beläuft sich im Jahr auf etwa 44 Millionen Dollar.

Sie zu töten ist oft der letzte Ausweg und dabei werden oft auch für den Menschen schädliche Gifte wie Cyanide verwandt. Erste Tests mit Schokolade, bzw. Theobromin, finden gerade statt. Die Schokolade wird in Ködern versteckt und die Kojoten sterben daraufhin anscheinend schnell und schmerzlos. Und zur Freude aller Kleingärtner haben auch Schnecken Probleme mit bestimmten Inhaltsstoffen von Schokolade: Ein sog. Kaffein-Spray tötet Nacktschnecken, wie eine Forschergruppe berichtet.

Weitere Studien spekulieren, ob Schokolade dem Menschen helfen kann gegen Geschwüre im Magen, Kolibakterien und Bakterien im Mund. Wer jetzt glaubt, endlich eine Berechtigung gefunden zu haben, um zur Schokolade zu greifen und die Zahnbürste wegzuwerfen, den wird Phil Marsh vom zahnmedizinischen Institut in Leeds enttäuschen. Der Schaden, den der Zucker in der Schokolade anrichtet, ist sehr viel größer, als der Nutzen den Kakao dem menschlichen Körper zukommen lässt.

Wie gefährlich ist die Speise der Götter für den Menschen?

Die zarteste Versuchung, seit es Gifte gibt? Für uns Menschen Gott sei Dank nicht. Wir Menschen verarbeiten Schokolade oder besser gesagt Theobromin sehr viel schneller als Ratten, die es wiederum schneller abbauen als Hunde. Ein Mensch müsste mindestens 50 kg Schokolade auf einmal essen, um die giftigen Qualitäten zu spüren.