
- David Foster Wallace - Steve Rhodes
Im Alter von nur 46 Jahren erhängt sich David Foster Wallace in seinem Haus in Claremont, Kalifornien. Genie, erst seit wenigen Jahren verheiratet, erfolgreicher Schriftsteller und Dozent – wieso bringt sich solch ein Mensch um? War es das Genie in ihm oder der Erfolg, der ihn in den Tod trieb? Oder war es seine jahrelange Krankheit, aus der er kein anderes Entkommen mehr sah?
Verdammt zum Genie?
„Genies sind Unglückliche, sind Meteore, die verbrennen müssen, um ihr Jahrhundert zu erleuchten“, behauptete einst Napoleon I. Ihr Unglück entspringt oft ihrer überragenden Intelligenz, Schaffenskraft und Kreativität, die sie anders als alle anderen sein lässt und häufig isoliert in ihre eigene Welt verbannen. War David Wallace Foster solch ein vereinsamtes, weltfremdes Genie? Zweifelsohne war er ein Genie. Erst nach seiner anfänglichen Karriere als Tennisprofi und einem erfolgreichen Studium der Logik und der Mathematik wendet sich der vielseitig Begabte dem Literatur- und Philosophiestudium zu, das er mit einem Master im Kreativen Schreiben abrundete. Seine Promotion in der Philosophie brach er ab, um 1992 einen Auftrag als Dozent an der Illinois State University anzunehmen.
Der begnadete Schriftsteller Foster Wallace
Bereits mit seiner Abschlussarbeit „Der Besen im System“ erlangte David Foster Wallace erste Aufmerksamkeit und zählt seit seinem postmodernen Roman „Infinite Jest“ 1996 zu den größten literarischen Hoffnungen der Vereinigten Staaten. Dieser ist derart komplex geschrieben, dass die Übersetzung ins Deutsche mehrere Jahre in Anspruch nahm. David Foster Wallace begeistert seine Leser einerseits mit wortmächtigen Texten und komplexen Schachtelsätzen sowie mit radikaler Ironie und Absurdität andererseits. Immer wieder probierte er sich in neuen literarischen Genres, sodass sein Repertoire neben Romanen auch Biografien, Kurzgeschichten und Essays umfasst. In seinen Werken ist er stets auf der Suche nach der Identität des modernen Menschen, nach dem Sinn und Inhalt des Lebens, nach der Wahrheit in ihrer ganzen Komplexität.
Unterstützung für John McCain
Zudem war er rastlos und selbst brutalster Kritiker seiner Werke. Statt sich zurückzulehnen und sich seines Erfolgs zu erfreuen, begann er nach eigener Aussage immer an mehreren Projekten gleichzeitig zu arbeiten. Dabei empfand er sich selbst als zu chaotisch, zu unkonzentriert und zu undiszipliniert, sodass er Abgabetermine nicht immer einhielt. Immer auf der Suche nach der ultimativen Wahrheit, war sein Blick offen für alles, was in der Welt vor sich ging. So schrieb er unter anderem auch politische Aufsätze, etwa zur Unterstützung von John McCain, und engagierte sich, um die Menschen zu erreichen und zu bewegen.
David Foster Wallace, das einsame Individuum
Vielleicht war David Foster Wallace aber auch einsam – trotz seiner Ehe, seiner hinter im stehenden Familie, seiner jahrelangen Arbeit mit Studenten als Professor für Englische Literatur und Kreatives Schreiben. Als eines seiner literarischen Themen sticht immer wieder die Suche des Individuums nach der Kommunikation mit anderen Individuen und nach Dazugehörigkeit heraus. Sein Erfolg und die Anerkennung, die ihm mit zahllosen Auszeichnungen entgegengebracht wurde, scheinen ihm dabei nicht hilfreich gewesen zu sein, denn er litt an Platzangst und großer Nervosität vor öffentlichen Auftritten. Acht Jahre vor seinem Tod legte er sich Hunde zu, die er wie seine Kinder behandelte, was er in einem Interview mit einem Schmunzeln kommentierte.
Gefangen in Depressionen
David Foster Wallace war außerdem sehr krank. Seinem Vater zufolge litt er bereits seit über 20 Jahren an Depressionen und war nur mithilfe starker Medikamente schreib- und lebensfähig. Nachdem er diese wegen ihrer starken Nebenwirkungen abgesetzt hatte, kehrten die Depressionen zurück in sein Leben, um es ihm mehr und mehr einzuschränken. So sehr, dass er schon längere Zeit vor seinem Tod nicht mehr schrieb, nicht mehr trainierte, nicht mehr unterrichtete, nur noch litt. Seine Frau hatte seinen Selbstmord vorausgesehen und befürchtet. Und er selbst sagte einmal zu diesem Thema, dass Menschen, die sich selbst umbrachten, eigentlich schon lange vorher tot seien. Bei David Foster Wallace ist das Gegenteil der Fall: In seinen außerordentlichen Werken wird er noch lange nach seinem Tod weiterleben.
