
- Tod endlich besiegt! - titanic
"Über seine Bilder habe ich niemals schallend gelacht, aber sie waren mir immer Anlass zum Nachdenken", erinnert sich der Kieler Oberbürgermeister Torsten Albig in seiner Rede zur Ausstellungseröffnung am 25. September 2011 im frisch renovierten Warleberger Hof. Der Vorsitzende der Wilhelm-Busch-Gesellschaft, Dr. h.c. Herbert Schmalstieg, bringt es dann auf den Punkt: "Schön, dass es heute eine Generation von Oberbürgermeistern gibt, die mit Friedrich Karl Waechter aufgewachsen sind!"
Die Zeichnungen sind vielen seit frühester Jugend vertraut
Vielen in der großen Menge an Besuchern sind die Zeichnungen seit frühester Jugend vertraut. Am bekanntesten ist sicher "Wahrscheinlich guckt wieder kein Schwein!", eine Tusche/Feder-Zeichnung von 1971. Im Original ist sie erstaunlich klein, viel kleiner als damals der Abdruck in der Satirezeitschrift "pardon". Oder aber "He, Bauer, dein Huhn hat Fieber!" von 1990. Oder der "Eulenschinder" von 1989. Oder der "Anti-Struwwelpeter" von 1970. "Der König möcht kegeln!" von 1990. Oder "Die Geschichte vom Pfau und der Ratte" von 1989: "zugegeben, dein Schwanz ist länger/ aber ich kann ihn bauschen!/ kann ich auch". Oder das preisgekrönte Kinderbuch "Der rote Wolf" von 1998. Oder, oder, oder, die Liste ist lang.
"F.K. Waechter lebt!"
In der Zeitschrift "titanic" gibt es ein Heftarchiv mit dem Titel "F.K. Waechter lebt!" - dort ein kurzer Lebenslauf: "Friedrich Karl Waechter, Danzig, Jahrgang 1937. Krieg überstanden, '1944/45, um die Jahreswende, fliehen wir auf der Anita Najade, Netzleger Nummer 4, in fünfzehn Tagen über die verminte Ostsee bis Warnemünde. Es gibt nur Feldpostpapier zum Zeichnen…' ". Dann, viel später, das letzte Zeugnis der Lauenburgischen Gelehrtenschule, Ratzeburg, Kreis Herzogtum Lauenburg, vom 9. März 1957. Darin heißt es ein Jahr vor seinem Abitur: "Wir entlassen ihn, da er jetzt die Schule verläßt, um eine Kunstschule zu besuchen." Immerhin hat er Prügel bekommen in dieser Schulzeit für seine Zeichnungen, aber nicht nur: "Bei meinen Mitschülern kann ich mit witzigen Männchen Anerkennung ernten. Sie schieben mir Hefte zu, damit ich ihnen etwas Komisches hineinzeichne. Dieter Bach und Gernot Rara haben sogar nur für meine Männchen Hefte angelegt…"
In der Schule gab es Prügel für seine Zeichnungen
Friedrich Karl Waechter geht seinen Weg trotz der früh bezogenen Prügel. Er studiert zunächst Ende der 50er Jahre Gebrauchsgrafik in Hamburg und veröffentlicht erste Zeichnungen ab 1962 in der Zeitschrift "pardon". Die beginnt sich nach einer Nullnummer 1961 in einer Zeit zu etablieren, in der die Jugend aufmüpfig wird. In dieser Zeit muss man jede neue Ausgabe der "pardon" einfach haben. Kuba-Krise und Spiegel-Affäre, Musik, die zur Rebellion animiert, der Weg hin zu 1968 wird schon langsam beschritten. Es gibt die "pardon" bis 1982. Markenzeichen ist ihr Teufelchen, das natürlich auch wieder Friedrich Karl Waechter entwirft. Ihr Ziel ist es, ein kritisches Klima und etwas Farbe in die, nach Pardon-Sicht, „verkrusteten Verhältnisse“ der Adenauer-Ära zu bringen. Zu den Autoren gehören neben Waechter die damals noch unbekannten Studenten Robert Gernhardt und F.W. Bernstein sowie die Zeichner Kurt Halbritter, Hans Traxler, Walter Hanel, Stano Kochan und Chlodwig Poth. Ab 1979 zeichnet Waechter dann auch für die "titanic" und das "ZEIT-Magazin".
..."für alle, die mal fünf Jahre alt waren..."
"Ich schreibe und zeichne für alle, die mal fünf Jahre alt waren, noch Erinnerung daran haben und gern neunundneunzig werden wollen!" - das sind seine eigenen Worte. Die von Friedrich Karl Waechter. Kurz Efka. Einem Teil der eigenen Biografie. Einem, der beweist, dass er noch heute ganz lebendig ist, obwohl er 2005 starb: Das zeigt uns sein ganz aktuelles Blatt "Der Papst kommt!" - "Schon wieder!" sagt das Schaf. "Hurra!" sagt der kleine Kirchturm hinten im Dorf. Die Ausstellung im Warleberger Hof ist bis zum 19. Februar 2012 zu sehen.
Foto: Zeichnung von Friedrich Karl Waechter/titanic
