Der Blutegel benötigt zum Leben sehr sauberes Gewässer. In Deutschland ist der Blutegel vom Aussterben bedroht und steht unter Naturschutz. In anderen Ländern, wie z.B. der Schweiz und Frankreich ist dies ebenso. Sie leben im Süßwasser und können über 20 Jahre alt werden. Nachdem sie Mitte des 19. Jahrhunderts durch Heilanwendungen fast ausgerottet wurden, sind sie nun durch den Naturschutz geschützt. Für Therapiezwecke werden Blutegel aus einem Naturschutzgebiet der Türkei exportiert oder in Zuchtfarmen extra für diesen Zweck gezüchtet.
Erholungspause nach anstrengender Reise
Blutegel werden per Versand vom Züchter an den Therapeuten oder in die Apotheke geschickt. Dabei reisen sie in feuchtem Styropor oder Wasserfarn. Nach diesem Stress sollten Blutegel gründlich gewaschen und dann sich etwa 24 Stunden erholen dürfen, bevor sie zum Einsatz kommen. Der tägliche Wasserwechsel ist dabei besonders wichtig.
Rentnerbecken für Blutegel nicht mehr erlaubt
In der Vergangenheit konnten Blutegel bei der Zuchtstation nach Therapieeinsatz zurück geschickt werden, damit die Egel in sogenannten Rentnerbecken ihr natürliches Leben weiter führen konnten. Dies ist inzwischen verboten. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte hat 2007 die Rentnerbecken als Infektionsrisiko eingestuft und sie damit verboten.
Blutegel werden in Alkohol ertränkt oder Tiefgefroren
Mit Abschaffung der Rentnerbecken bleibt den Therapeuten damit nur das Umbringen ihrer Therapiehelfer. So werden Blutegel nach Einsatz in hochprozentigem Alkohol z.B. Spiritus ertränkt oder bei mindesten minus 18 Grad Celsius tiefgefroren. Ein schöner Tod? Tod auf Kosten seines Einsatzes, um einem Säugetier bei gesundheitlichen Problemen zu helfen. Gezüchtet extra für diesen Helferjob, um dann umgehend in den Tod geschickt zu werden.
Nach dem Töten werden Blutegel als infektionspräventive Abfälle angesehen und müssen entsprechend entsorgt werden. Flüssigkeitsdichte Behälter mit entsprechender Aufschrift können in den Restmüll gegeben werden.
Therapeuten scheuen sich vor dem Töten
Da es unter den Therapeuten jedoch Personen gibt, die sich mit dem Töten ihrer Therapiehelfer schwer tun, haben Zuchtstationen angeboten, diesen Job für sie zu übernehmen. Bevor der Tod ruft, müssen daher Egel noch den Stress des Versandes auf sich nehmen und 2 Tage in feuchtem Styropor verpackt zur Zuchtstation zurück reisen. Da auch dies nicht jedem Therapeuten liegt, wird nach einer weiteren Alternative gegriffen – dem „Auswildern“
Aussetzen von medizinischen Blutegeln in deutschen Gewässern
Natürlich ist dies verboten, aber immer wieder findet man ausgesetzte Blutegel in deutschen Gewässern. Dort vertreiben sie die einheimische Population, die unter Naturschutz steht und schadet damit den einheimischen Egeln. Das Genmaterial türkischer und gezüchteter Egel ist anders als das der einheimischen Egel. Die Natur wird somit negativ manipuliert.
Den Therapieegeln tut man mit dem Aussetzen auch keinen großen Gefallen, sie benötigen ein ganz besonderes Gewässer, um Überleben zu können. Falsches Gewässer bedeutet für den Egel ebenfalls den sicheren Tod. Aber der Therapeut kann reinen Gewissens weiter therapieren. Er sieht sich als Tierfreund.
Das eigene Aquarium
Nun kann ein Therapeut eingesetzten Egeln auch im Aquarium ein neues Zuhause geben. Egel benötigen klares sauberes Wasser, welches alle 1-2 Tage gewechselt werden muss. Um sich häuten zu können, benötigt er außerdem Steine und Pflanzen, um die Haut Abscheuern zu können. Ein Egel häutet sich alle 2-4 Tage. Nach seinem Blutsaugeinsatz kann er vom Blut etwa eineinhalb bis zwei Jahre leben, indem das Blut in seinem Magen gespeichert wird und nach und nach verdaut wird.
Ein Egel kann jedoch über 20 Jahre alt werden. Da er nach einem Einsatz nicht wieder verwendet werden darf, muss man ihm nach eineinhalb Jahren eine andere Blutsaugquelle ermöglichen. Die meisten Blutegel verenden jedoch in ihrem Aquarium vorher, da die Bedingungen des reinen Wassers und die Abstreifmöglichkeiten nicht immer gegeben sind.
Therapieren auf Kosten der Tiere?
Wenn man Blutegel als Therapie einsetzt, sollte man sich bewusst sein, dass es den Tod der fleißigen Helfer bedeutet. Es gibt durchaus andere Therapiemöglichkeiten, die ebenfalls sehr effektiv sind. Bei einem Einsatz von 10 Egeln an einem Patienten, müssen diese sterben, um vielleicht eine Besserung des einen Patienten zu erlangen.
Quelle: http://www.bfarm.de/nn_424312/DE/Pharmakovigilanz/mitteil/mittl-blutegel.html__nnn=true
