Tourismus im Tölzer Land ist im Umbruch

Neue Ideen und Konzepte braucht die oberbayerische Region

Mit hoher Qualität in Service und Standard sowie mit dem Erholungswert dieser Landschaft will der Tölzer Tourismus mit Billigreiseanbietern konkurrieren

Bad Tölz habe mit dem rapiden Rückgang im Kurbetrieb zu kämpfen. Die Übernachtungszahlen von 2006 seien mit rund 400 000 so niedrig wie seit 1956 nicht mehr. Dafür hätten 2007 im Vergleich zu damals doppelt so viele Gäste, rund 80 000, Bad Tölz besucht, erklärt Kurdirektor Klaus Pelikan. Diese Entwicklung zeige, dass mehr Kurzurlauber – Sportler und Geschäftsleute – in die Kreisstadt kämen. Einerseits bedauerlich für den Kurbetrieb, anderseits biete das neue Chancen für die Stadt, so Pelikan. „Wir müssen unsere Qualität und unseren Service stetig verbessern, über alle Häuserklassifizierungen hinweg.“ Da sei in den Tölzer Gästehäusern bereits viel passiert. „Wir können preislich nicht mit Billiganbietern konkurrieren. Dafür haben wir die Landschaft und den Brauchtum und die saubere Luft für Erholung, Sport und Entspannung“, sagt Pelikan. „Das müssen wir noch stärker in den Medien zeigen.“

"Runder Tisch" in Kochel für den Tourismus

Auch in Kochel am See will man noch mehr auf Qualität in Ausstattung und Service setzen, obwohl die Übernachtungszahlen 2007 einen positiven Trend aufweisen konnten. „Die Gäste haben sich gewandelt, sie erwarten heute mehr für ihr Geld“, sagt Ursula Grottenthaler von der Tourist-Info in Kochel. Der neu gegründete „Runde Tisch“ aus Vertretern aller Bereiche der Gastronomie habe ein Leitbild erarbeitet. Darin gehe es um höhere Qualität und mehr Kommunikation. Der Servicegedanke in der Gemeinde müsse gefördert, die Nebensaison belebt und weitere Stammgäste gewonnen werden, erläutert Grottenthaler. „Besonders gut ist, dass wir gemeinsam an einem Tisch daran arbeiten“, betont sie.

Wolfratshauser Flößertradition einmalig in Europa

In Wolfratshausen hingegen bleibe es beim „Nieschen-Tourismus“, so der Stadtrat Peter Struzyna. Über drei „Schienen“ wolle die Stadt mehr Gäste anziehen. Erstens: Eine stärkere Zusammenarbeit mit der Flößerei. „Hier kommen täglich Besuchermassen, steigen auf’s Floß und sind wieder weg“, erklärt Struzyna. Zweitens: Der Fahrradtourismus könne mehr genutzt werden. „An uns führt der „Isarradweg“ vorbei. Mit Schildern werden wir künftig in die Altstadt verweisen.“ Und Drittens: das Angebot für Tagesausflügler aus München wolle man noch verbessern. Mit der neuen Homepage, der neuen Kultur- und Tourismus-Stelle und dem neuen Logo habe man die ersten Schritte eingeleitet. „Schließlich ist unsere Flößertradition einmalig in ganz Europa, vermutlich sogar weltweit“, sagt Struzyna.

Auch in der Nachbarstadt Geretsried tut sich viel: Ein millionenschweres Wellness- und Spa-Projekt mit Hotel ist dort im Gespräch. Damit setzt Geretsried wie die anderen Städte im Landkreis auf Erholung und Entspannung mit hoher Qualität.

Eigenes Profil zeigen

Konzeptionierung sei heute das Stichwort, so die Meinung von Monika Poschenrieder, Tölzer Kreisvorsitzender vom Bayerischen Hotel und Gaststättenverband. Ein eigenes Profil entwickeln, etwas Besonderes sein zu wollen, dass sei der richtige Weg. Dabei aber auch genau zu kalkulieren. Ihr Verband stellt im März das neue Qualitätsmanagement vor, mit Angeboten zu Mitarbeiter-Schulungen und Q-Offensiven, wie zum Beispiel neue Klassifizierungen für wander- oder bikerfreundliche Hotels.

Andrea Weber, Andrea Weber

Andrea Weber - Ich arbeite als freie Journalistin für die Tageszeitung Münchner Merkur, Lokalredaktion in Wolfratshausen und für die ...

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