Um Missverständnissen vorzubeugen: Restaurantbesucher sollen nicht mehr Zeit auf der Toilette als am Tisch verbringen. Aber sie sollen auch nicht ihre Notdurft so verrichten, als wären sie auf der Flucht. Sich im Waschraum so viel Zeit gönnen zu können, wie man eben braucht, um sich zu erfrischen oder das Make-up zu erneuern, ist entspannend. Der angelsächsische Begriff „Restroom“ gibt treffend wieder, dass der WC-Bereich ein Ort der Entspannung ist. Auch die französische Ursprungsbedeutung von Toilette beinhaltet das sich Pflegen und Zurechtmachen.

Themenhotels: Konsequent durchgestylt

Es gibt verschiedene Ansätze, diesen Ort zu einem gerne frequentierten zu machen. Am einfachsten haben es Themenhotels und -Restaurants, die einfach das Design konsequent bis in den letzten Winkel ihres Hauses durchsetzen müssen. Gute Beispiele dafür sind die zum Phantasialand in Brühl gehörenden Hotels Matamba und Ling Bao, wo das afrikanische beziehungsweise chinesische Ambiente bis zu den Waschgelegenheiten und Toilettentüren durchgezogen wurde. In einem Schlosshotel, wie zum Beispiel Bensberg wäre alles andere als Marmor und goldene Wasserhähne ein Stilbruch.

Aber auch in einem „normalen“ Gastronomiebetrieb sollte der Toilettenbereich den Ambitionen entsprechen, die das Unternehmen hat. Hierbei geht es zunächst einmal um die Frage „Was ist praktisch, sowohl für den Gast als auch für das Reinigungspersonal? Bei den Toiletten erfreuen sich berührungslose Systeme großer Beliebtheit, die mit Auslösen der Spülung auch die Reinigung des WC-Sitzes in Gang bringen. Große, abschließbare Papierrollenspender schützen vor Toilettenpapierdiebstahl und erschweren das mutwillige Abrollen.

Beim Händetrocknen an die Umwelt denken

Im Waschraum lautet die Gretchenfrage: Papier- oder Stoffhandtücher oder elektrische Händetrockner? Papierhandtuchspender gibt es in verschiedenen Ausführungen. Falthandtuchspender haben oft den Nachteil, dass sie keine oder zu viele Tücher ausspucken. Beim Abreißen oder Abschneiden von einer Rolle entsteht nicht zu viel ungenutzter Abfall. Die Ökobilanz ist aber sogar bei sensorgesteuerten Vollautomaten schlecht. Nicht nur für die Herstellung der Papierhandtücher werden eine Menge Energie und Wasser verbraucht, auch die Entsorgung des Abfallberges verursacht hohe Kosten. In einer einzigen durchschnittlich gut besuchten Fast-Food-Filiale wird pro Jahr eine Tonne Papierhandtücher verbraucht. Stoffhandtücher von der Rolle können zwar bis zu 100 Mal wieder verwendet werden. Der Energie- und Wasserverbrauch sowie die Transportkosten zur und von der Wäscherei stellen aber keine echte ökologische Sparmaßnahme dar. Gleichwohl sieht der Direktor des Instituts für Hygiene und Umweltmedizin an der Universität Greifswald, Professor Axel Kramer, in Papier- und Stoffhandtüchern Vorteile gegenüber elektrischen Händetrocknern: „Durch das mechanische Abreiben wird der nach dem Waschen oft noch anhaftende Restschmutz von den Händen entfernt.“

Ein Hygienevorteil elektronischer Händetrockner liegt darin, dass sie berührungslos funktionieren und der Stromverbrauch hält sich bei den neuen Geräten durchaus in Grenzen. Allerdings braucht man davon mehrere, damit sich keine Warteschlangen bilden. Denn das Trocknen der Hände nimmt in herkömmlichen Geräten mehr Zeit in Anspruch als das Händewaschen. Immer öfter begegnet man in stark frequentierten Toilettenanlagen inzwischen dem Dyson Airblade. Er trocknet die Hände in zehn Sekunden und verbraucht laut Herstellerangabe weniger Strom als herkömmliche Geräte, weil er keine Warmluft produziert. Untauglich für Gastronomen, die Wert auf das Wellness-Empfinden ihrer Gäste abstellen allerdings aufgrund der Lautstärke, mit der er das Wasser von den Händen pustet. Dezente Waschraummusik kann man sich dann schenken. Auch in Bezug auf das Händetrocknen gilt also: Das System muss zum Unternehmen passen.

Weniger Toiletten, aber größere Kabinen

Generell auszumachen ist ein Trend zu mehr Großzügigkeit: eine Toilette weniger, dafür aber mehr Platz in den Kabinen. Zwischentüren, die den reinen Toiletten- vom Waschbereich trennen, werden bei Neupalnungen immer seltener. Eine offenere Raumgestaltung wird befürwortet, weil sie die Zahl der Kontaktflächen verringert, über die Bakterien und Keime am ehesten übertragen werden, und weil sie leichter zu pflegen ist.

Eine Wohlfühlatmosphäre kann man aber auch schaffen, wenn man keine großzügigen Flächen dafür zur Verfügung hat. Viele Badkeramikhersteller haben sich auf platzsparende Lösungen spezialisiert. Ein ausgefallener Waschtisch oder trendige und ungewöhnliche Armaturen sorgen für den WOW-Effekt und können auch den kleinsten Raum in eine stylische Oase verwandeln. In gepflegtem Ambiente – mit Blumenarrangements, gefalteten Stoffhandtüchern, glänzenden Armaturen, viel Glas und Marmor – ist übrigens die Hemmschwelle der Gäste, sich daneben zu benehmen, größer. Toilettenräume müssen heute keine Un-Orte mehr sein, sondern Räume der Ruhe und Entspannung, aber auch der Kommunikation und Selbstinszenierung. Und schließlich: Sie sind nicht nur die heimlichen Visitenkarten eines Unternehmens.