
- Tom Hardy - Vanessa Lua
Für viele ist der britische Schauspieler Tom Hardy erst seit 2010 mit "Inception" ein Begriff. Demnächst dürfte er wohl seinen endgültigen Durchbruch feiern, wenn das Publikum ihn als Bösewicht Bane im nächsten Batman-Film "The Dark Knight Rises" auf der Leinwand sieht. Doch wer meint, Tom Hardy hätte davor keine nennenswerten Leistungen als Schauspieler abgeliefert, irrt sträflich.
Ein schwieriger Start
Tom Hardy, geboren am 15. September 1977 in London, hatte ganz gewiss keinen Senkrechtstart als Schauspieler zu verzeichnen. Sein Vater war Feuerwehrmann, seine Mutter Künstlerin, er selbst ein Einzelkind. Auf dem Papier sah seine Zukunft vielversprechend aus, er besuchte eine Privatschule und wuchs in einem mittelständischen Haushalt auf. Aber der junge Tom verhielt sich sehr rebellisch gegen die Regeln der Autoritäten, und so fing er an sich zu tätowieren und zu rauchen. In seiner späten Jugend wurde er drogen- und alkoholsüchtig, was sein Leben zu ruinieren drohte, da die Exzesse teilweise sehr intensiv waren. In einem Interview beschrieb er, dass er woanders in London oder in einem anderen Land hätte aufwachen können, ohne die Fähigkeit sich daran zu erinnern, wie er dort hingekommen wäre.
Hardy besuchte das London Drama Centre, wo unter anderem auch Paul Bettany, Pierce Brosnan und Colin Firth die Schauspielerei erlernten. Mit 19 gewann er einen Modellwettbewerb. Drei Jahre lang betätigte er sich als Bühnenschauspieler, während er süchtig war. Er schaffte es, seine Sucht einzudämmen, sodass sie nicht seine Schauspielerei gefährdete, aber andererseits schaffte er auf der Bühne auch keine nenneswerten Erfolge.
Debüt mit Kriegsfilmen
Seine erste Filmrolle bekam Tom Hardy für die TV-Serie "Band of Brothers". Die Handlung dreht sich bei dieser Serie um den Kampf amerikanischer Soldaten in Europa zur Zeit des zweiten Weltkrieges. Hardys Rolle war nur klein, aber dennoch ausreichend, um für den nächsten Film gecastet zu werden, diesmal für einen richtigen abendfüllenden Kinofilm. Die Rede ist von Ridley Scotts "Black Hawk Down", und wieder geht es darin um Krieg. Hardy spielte hier einen US-Soldaten in der Schlacht um Mogadischu.
StarTrek-Bösewicht
Seine Rolle für den nächsten großen Film sah nach einem großen Sprung in seiner Karriere aus: 2002 wurde Tom Hardy als Praetor Shinzon gecastet, der Bösewicht und Gegenspieler Captain Picards im zehnten StarTrek-Spielfilm "Star Trek Nemesis". Seine Rolle in diesem Film ist die eines Klons von Picard, praktisch eine jüngere Version des beliebten StarTrek-Captains selbst, dem er nach dem Leben trachtet. Leider blieb der Film sowohl kommerziell als auch qualitativ hinter den Erwartungen zurück. Für Tom Hardy eine lange Zeit des endgültigen Entzugs von seinen Drogen.
Kürzer treten
Es folgten einige Rollen in kleineren Filmen wie in "Layer Cake" (2004), wo er an der Seite Daniel Craigs in einem Gangsterfilm spielt. Oder im TV-Historiendrama "Colditz", welches vom gleichnamigen Gefängnis der Deutschen zur Nazizeit handelt. Tom Hardy spielte zahlreiche Nebenrollen wie in Sofia Coppolas "Marie Antoinette" oder in einer TV-Verfilmung der bekannten Geschichte des Waisenkindes "Oliver Twist".
Erster Achtungserfolg mit "Bronson"
2008 kam für Tom Hardy eine Rolle, die seiner Karriere nicht nur neuen Schwung, sondern auch einen gewissen Ruf unter den internationalen Schauspielern einbringen sollte. Die Rede ist von der Verfilmung des Lebens von Charles Bronson, dem gewalttätigsten Gefängnisinsassen Großbritanniens. Für die Rolle des bulligen Häftlings nahm Hardy 42 Pfund zu, die er mit 2.500 Liegestützen täglich in Muskelmasse umwandelte. Hinzu kam das bemerkenswerte Schauspiel, mit dem Hardy den exzentrischen, gewalttätigen, aber auch hingebungsvollen Charles Bronson spielte. Diese Rolle brachte ihm seine erste Auszeichnung, den British Independent Film Award ein.
Neue Höhenflüge
Der bislang kommerziell erfolgreichste Film Tom Hardys ist mit Abstand der ScienceFiction-Film "Inception" (2010) von Christopher Nolan. Hardy spielt darin eine Art mentalen Fälscher, welcher mit anderen Traumdieben in die Träume ausgewählter Zielpersonen eindringen kann, um sie durch Gestaltenwandel und Täuschung zur Preisgabe ihrer Geheimnisse zu bringen. Seine Rolle besticht durch viel Charisma und eine ordentliche Portion Actioneinlagen.
Ausblick: MMA und Bane
Aktuell wird Tom Hardy bald in "Warrior" zu sehen sein, einem Film, der den Kampfsport MMA (Mixed Martial Arts) thematisiert. Hardy spielt an der Seite von Joel Edgerton und Nick Nolte einen MMA-Kämpfer, welcher von seinem Vater (Nolte) trainiert wird und sich im Käfig gegen seinen eigenen Bruder (Edgerton) stellen muss. Für diese Rolle haben Hardy und Edgerton wochenlang intensiv Fitness und MMA trainiert.
Die größte Herausforderung für den aufsteigenden Schauspieler wird aber wohl noch kommen: Tom Hardy wurde für die Rolle des Schurken Bane gecastet, welcher wohl der Hauptgegner Batmans (einmal mehr von Christian Bale gespielt) in "The Dark Knight Rises" sein wird. Es bleibt mit Spannung zu erwarten, wie der muskelbepackte Superschurke, welcher in den Comics bereits Batmans Rückgrat gebrochen hat, von Hardy dargestellt werden wird. Auf alle Fälle aber etabliert sich mit Tom Hardy ein neuer, vielversprechender Darsteller, der viel Energie in die körperlichen und bedrohlichen Charaktere einbringen kann, die er meistens spielt.
